Von: Mia T.

Gebt bei Google www.wikimannia.org ein. Fangt an zu lesen. Und sagt nie wieder, dass in unserer Gesellschaft nicht mehr für Frauenrechte gekämpft werden muss. Was in diesem Portal mit dem irreführenderweise an die Enzyklopädie Wikipedia angelehnten Namen verbreitet wird ist nicht nur sexistisch, schockierend, diskriminierend, gewaltverherrlichend, abwertend, beleidigend, sondern dazu noch unglaublich dumm. Es ist der Beweis dafür, wie oft der Begriff Feminismus missverstanden wird und wahrscheinlich auch missverstanden werden möchte.

Wikimannia – ein Online-Lexikon?

Wikimannia bezeichnet sich selbst als „Online-Lexikon, das einen schnellen Zugriff auf männerpolitisch relevante Fakten bietet. Schwerpunktthemen sind die Bevorzugung der Frauen und Benachteiligung der Männer in Politik, Rechtsprechung und Gesellschaft“. Wikimannia beschreibt Feminismus so: „Angesichts der Tatsache, dass Frauen eine 10 % größere Lebenszeit­erwartung haben, über 80 % der Konsumausgaben verfügen und dabei noch weniger arbeiten als Männer, ist die behauptete „Unterdrückung der Frau“ als Inszenierung zu verstehen. Inszenierungen aber können nicht „widerlegt“ werden. Frauen werden von Feministinnen beständig als Opfer inszeniert, um moralischen Druck aufzubauen, der dann politisch in weitere Privilegien und Bevorzugungen von Frauen umgesetzt wird. Wer das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ kennt, weiß, wie die Sache ausgeht. Um seine Frau zufrieden zu stellen, muss der Fischer den Butt immer größere Wünsche abverlangen. Wenn die Fischersfrau doch endlich ihre Grenze finden würde.“ Außerdem ist zu lesen: „Die Widersprüchlichkeit feministischen Denkens schlägt voll durch. Einerseits sollen Frauen alles „genauso gut“ wie Männer können, doch dann hapert es am Willen und an der praktischen Umsetzung. Und vor allem können Feministinnen den weiblichen Opferstatus nicht aufgeben“.

„Bevorzugung der Frau“?

Bevorzugung der Frau also, soso. Davon habe ich noch nicht viel mitbekommen, vor allem dann nicht, wenn Schülerinnen von männlichen Klassenkameraden nahegelegt wird, ihren Einserschnitt hätten sie vor allem durch ihr Geschlecht und ihre blonden Haare erreicht. „Wenn ich ein Mädchen wäre, hätte ich auch so gute Noten“ und „die haben halt den Tittenbonus“, ja, genau das hört man von Abiturienten im Jahr 2016.  Eine Lehrerin, die schlecht erzogene und aggressive Jungen aus dem Unterricht wirft, wird von ihnen als „untervögelt“ bezeichnet. „Die hält sich für was Besseres“ müssen Mädchen hören, die bessere Klausuren schreiben als Jungen. Auch heute erlebt man auf deutschen, modernen Gymnasien wie Lehrer geschminkte Mädchen kommentieren oder nichts sagen, wenn Jungen während des Unterrichts lautstark über die Unterwäsche und das Aussehen der Mädchen fachsimpeln. Die Vorstellung, kurze Röcke und starkes Make-up gehören zu Vermarktungstaktiken während der Partnersuche lässt einen kopfschüttelnd und mit der Frage „Denkt ihr wirklich, wir machen das alles für Euch und sind alleine so hilflos, dass wir uns Männern, die uns objektivieren und ungefragt bewerten, an den Hals werfen?“ zurück – und vor allem mit einem Lachanfall über so viel unrealistische Selbstüberschätzung.

Auch faktisch lässt sich die von Wikimannia angeführte „Bevorzugung der Frauen“ leicht widerlegen. Weniger als ein Drittel aller Führungskräfte in der Industrie, im Dienstleistungsbereich oder in der öffentlichen Verwaltung sind weiblich. Angestellte Frauen mit Hochschulstudium verdienten im Jahr 2004 rund 24% weniger als ihre männlichen Kollegen mit gleichem Abschluss und im deutschen Bundestag sind 36% der Abgeordneten Frauen.

Der #Aufschrei und „EMMA“ – Aus Sicht der Sexisten

Die Frauenbewegung #Aufschrei, mit der Anfang 2013 Frauen als sexistisch empfundene Situationen teilten und kritisierten, wird von Wikimannia als „Shitstorm, […] um Frauen als Opfer zu inszenieren“ bezeichnet. EMMA ist für die Autoren ein „staatsfinanziertes feministisches Kampfblatt“ und ein Vergewaltigungsvorwurf bedeutet – so die Autoren – „in einer Vielzahl von Fällen den beruflichen, finanziellen und sozialen Totalschaden für den betroffenen Mann“. Werde die Definition von Vergewaltigung ausgeweitet, sei das wie ein „Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde“ und „Frauen hätten freie Fahrt“.  Außerdem ist zu lesen: „Die Frauenbevorzugung beginnt schon früh in der Schule. Untersuchungen ergeben, dass Mädchen in allen Fächern für gleiche Leistungen überwiegend besser besser benotet werden als Jungen“. Sexuelle Belästigung ist für die Verfasser dieses Portals ein feministisches Kampfwort und gehöre eigentlich zum weiblichen Auswahlverfahren. So besagt der Artikel darüber, dass „viele Frauen [ein]gestehen, dass sie mit einem Mann verheiratet sind, dem sie anfangs Widerstand entgegengesetzt haben. An den heutigen Standards gemessen, sind sie mit einem Belästiger verheiratet. Viele von ihnen sind froh, dass der Mann solche Hartnäckigkeit an den Tag gelegt hat. So gesehen sind Anzeigen wegen sexueller Belästigung lediglich die moderne Form des weiblichen Auswahlverfahren.“ Achso. Unangebrachte Kommentare und unsittliches Berühren sind als Komplimente aufzufassen. Danke für die Erklärung.

Was sind „Stutenbissigkeit“ und „Fotzenneid“?

Als ich die beiden Artikel mit den Namen „Stutenbissigkeit“ und „Fotzenneid“ las, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Doch Lachen sollte, so lächerlich diese Texte auch scheinen, niemand über solche Thesen. Stutenbissigkeit sei, so Wikimannia, „eifersüchtiges Verhalten zwischen Frauen; davon wiederum abgeleitet auch neidisches und missgünstiges Verhalten allgemein. Auch eine – im Verhältnis zu Männern vermeintlich oder tatsächlich stärker ausgeprägte – Rivalität von Frauen untereinander im Berufsleben wird oft als Stutenbissigkeit bezeichnet“. Fotzenneid sei so zu erklären: „Die Idee, dass Neid die starke Triebfeder für den Männerhass der Frauen ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Erkenntnis, den Männern in den meisten Dingen unterlegen zu sein, dürfte für Frauen schwer zu ertragen sein und dürfte durchaus maßgeblich zur Entwicklung des Tittensozialismus, beziehungsweise Staatsfeminismus geführt haben.“ Solche Texte sagen wohl mehr über die Verfasser aus als über uns Frauen und wer solche unverschämten (und noch dazu falschen und unintelligenten) Thesen aufstellt, hat wahrscheinlich berechtigte Sorge, von Frauen eingeholt und überholt zu werden.

Auch die Ungleichheit in der Arbeitswelt ist für Wikimannia sehr leicht zu erklären: „Women want rich husbands, not careers“ und „In dem Moment, wo aus Spaß Ernst und aus Selbstverwirklichung Pflicht zu werden droht, scheinen sich die ersten Frauen ein fürsorgliches Patriarchat zurückzuwünschen, anstatt selbst mit Berufstätigkeit den Familienunterhalt heranzuschaffen.“ Ist es den Verfassern nicht peinlich, derart realitätsferne und unbelegte Verallgemeinerungen herauszuposaunen?

Wer Fragen hinsichtlich Schönheit und Mode hat, kann sich selbstverständlich auch an Wikimannia wenden. „Viel einfacher ist es, körper­formende Kleidung zu verwenden. Diese Tricks nutzen Frauen bereits seit Jahrhunderten. Mit Bauchweghosen und Bauchweg-Strumpfhosen lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Es ist beim Kauf nur darauf zu achten, dass die Bauchweg-Strumpfhosen weit genug über den ganzen Oberschenkel reichen.“ Ein Männerportal gibt mir Tipps zu Bauchweg- Strumpfhosen? Ernsthaft? 2013 waren laut Statistischem Bundesamt 62% der Männer und im Vergleich dazu nur 43% der Frauen übergewichtig. Liebe Verfasser, vielleicht wäre es angebracht, Artikel über Bauchwegstrumpfhosen für euer Geschlecht zu verfassen?

Feminismus bleibt Geschlechtergleichheit

Ich glaube an Gleichheit, nicht an Dominanz der Frau und deshalb verstehe ich niemanden, der sagt, er oder sie sei kein Feminist oder keine Feministin. Denn Feminismus heißt nichts anderes als Gleichheit der Geschlechter. Jemand der also sagt „Feminismus? Nee, lieber Geschlechtergleichheit“ kann mit derselben Logik sagen „Nudeln? Nee, lieber Pasta“.  Wenn ein Junge oder ein Mann aufgrund seines Geschlechtes benachteiligt und diskriminiert wird, ist das genauso falsch, unberechtigt und zu unterbinden, auch dafür stehen Feministinnen. Gegen unsachliche und sexistische Artikel wie oben genannt hilft nur eins: Statistiken, Fakten und Argumente, die zeigen: Nein, Feminismus ist keine Hassideologie, die die Unterdrückung der Männer und die Bevorzugung der Frauen fordert. Bevorzugung hätten wir im Übrigen auch gar nicht nötig. Denn das zu erreichen, was wir wollen, das schaffen wir auch so. Vorrausetzung dafür ist Gerechtigkeit. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 

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