Bruce Springsteen ist eine Rockikone. Dem kann man nicht widersprechen, selbst wenn man seine Musik nicht mag oder Justin Bieber hört. Er hat viele erfolgreiche Künstler nach sich inspiriert und mit den Alben „Born to Run“ und „Born in the USA“ eine neue Ära der Rockmusik mitgeprägt. Er vereint auch heute, mit 66 Jahren, noch jung und alt und gibt mitreißende, ausdauernde und ausartende Konzerte, die gut und gerne mal vier Stunden dauern können. Er ist einer der genialsten Songtexter aller Zeiten, seine Texte strotzen nur so vor Bildern und Philosophie, obwohl es meistens um das einfache und harte Leben als Arbeiter in den USA geht. Er ist in der Lage, in Drei-Minuten-Songs eine Geschichte zu erzählen, für die die besten Autoren 300 Seiten brauchten. Springsteen ist die Stimme der Arbeiter und wettert immer wieder gegen die amerikanische Politik.

Wichtige Themen seiner Songs sind der Ausbruch aus der Depression des amerikanischen Arbeiterlebens, Freiheit, oftmals mit dem Auto symbolisiert, die Ungerechtigkeit der amerikanischen Politik und Tragödien im Leben eines jeden.

Sein Einfluss auf die Musikgeschichte ist unabstreitbar, die Dire Straits wurden von ihm inspiriert, haben sich an ihm orientiert und mit dem Album „Brothers in Arms“ (1985) ein Meisterwerk geschaffen. Auch heute ist sein Einfluss auf die jüngere Zielgruppe spürbar. Dies zeigt sich vor allem in der Band Gaslight Anthem, die erklärte Fans und Liebhaber seiner Musik sind und seinen Stil teils übernommen, teils modernisiert haben.

Obwohl Bruce Springsteen einer der größten Rockstars der Musikgeschichte ist und immer sein wird, ist er in Deutschland krass unterbewertet. In keiner Rankingshow, sei es die Ultimative Chartshow, die Hit-Giganten oder eine 08/15-RTL-Rankingshow mit Sonja Zietlow oder Daniel Hartwich wird er auch nur ansatzweise erwähnt. Woran liegt das ? Eine Suche nach Gründen.

Viele werden sagen, in diesem Punkt reagierte ich über. Dies kann durchaus sein, da ich diesen Punkt eher aus Fan-Sicht, denn aus neutraler Perspektive sehe. Allerdings ist mir diese Nichterwähnung im deutschen Fernsehen in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen und ich suche Gründe dafür.

Ein Grund mag sein und ich denke, dies ist sogar der wichtigste Punkt, dass sein Status in den USA ein komplett anderer ist als hier. In Übersee ist er DAS Idol für alle Erwachsenen, Kinder und Ungeborenen, das sich nicht scheut, seine Meinung zu nennen und sogar öffentlich zu vertreten, zum Beispiel bei einem Obama-Auftritt, den er während seines ganzen Wahlkampfes unterstützt hat. Er schreit seine Wut über die politische Entwicklung seines Heimat- und Vaterlandes heraus, rechnet knallhart mit der Bush-Ära ab und dokumentiert das alles auf seinen letzten Alben. Das imponiert den Menschen. Sie haben Vertrauen zu ihm und schauen zu ihm auf.

Das dokumentiert besonders eine Geschichte aus dem Jahre 2002. Kurz nach dem 11.September und dem Fall der Twin-Towers, rief ein Fan Bruce durch das offene Fenster seines Wagens zu: „Bruce- Wir brauchen dich!“. Heraus kam ein Album, mit solch einer politischen und heilerischen Strahlkraft, dass ganz Amerika in seinem Bann war. „The Rising“ heilte das Land, machte es in der schwierigsten Zeit der letzten Jahre stark. Das mag sich komisch oder sogar bescheuert anhören, aber viele direkt Betroffene, die bei den Anschlägen Angehörige verloren haben, berichten davon, dass Springsteens Musik und vor allem „The Rising“ ihnen in dieser schweren Zeit wirklich geholfen hat. Das und viele weitere Punkte zeigen, dass der Stand Springsteens hier in Deutschland komplett gegenteilig ist im Vergleich zu den USA.

In Deutschland hat er zwar auch eine große Fanszene, die allerdings größtenteils nicht die Zielgruppe solcher Rankingshows ist, da sie einen komplett anderen Anspruch an Musik hat und auch nicht in das Konzept solcher Rankingshows passt.

Ein weiterer Grund für die Ignoranz, vor allem der Rankingshows, ist möglicherweise, dass Springsteen der jüngeren Zuschauerschaft dieser Sendungen nicht so geläufig ist wie zum Beispiel Green Day oder Metallica. Und wenn die Jugend etwas nicht kennt, schaltet sie weg. Denken jedenfalls die Sender. Seine Musik ist nicht so repräsentativ wie Linkin Park oder Nickelback. Deswegen lässt man solche Künstler wie Springsteen einfach aus dem Ranking weg und packt auf die 20-Euro teure CD zur Show lieber Songs von The Rasmus, Sunrise Avenue oder sogar Torfrock mit „Beinhart“ aus dem ersten Werner-Film. Und die CD heißt „Rockklassiker“. Alles echte Rockklassiker. Sehr logisch RTL.

Dies sind nur ein paar der Gründe, warum Bruce Springsteen meiner Meinung nach in Deutschland unterbewertet ist. Ich finde das sehr schade, aber wenn ich es mir recht überlege, möchte ich auch gar nicht Springsteens Musik in irgendeiner beschämenden Rangliste von RTL, SAT.1 oder VOX sehen. Dafür ist sein Niveau viel zu hoch. Außerdem würde es mich beschämen. Sogar sehr. Da mache ich mir lieber meine eigene Rangliste. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr…

Ich bin übrigens kein Ultrafan von Springsteen, der keine andere Musik hört. Ich höre sehr gerne auch andere Musik, wie zum Beispiel Bruce Springsteen.

2 Responses

  1. Ares

    „Ich bin übrigens kein Ultrafan von Springsteen, der keine andere Musik hört. Ich höre sehr gerne auch andere Musik, wie zum Beispiel Bruce Springsteen.“

    Ohne Worte – großartiges Ende!

    Antworten

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