Am Samstag tagt das International Football Association Bord (IFAB) und entscheidet, ob ein Videobeweis im Fußball eingeführt wird. Die DFL hat sich für eine zweijährige Testphase beworben. Warum man diesen Schritt nicht gehen sollte, erkläre ich euch im Folgenden.

Fußball hat für mich etwas mit Emotionen zu tun. Egal ob Tor, Abseits, Foul, Seitenaus, Nachspielzeit, alles ist emotional aufgeladen; mal mehr, mal weniger. Ich möchte diskutieren können, das gehört für mich zu dieser Sportart dazu. Und ich finde, dass auch Fehler dazugehören. Fehler von Trainern, von Spielern, vor allem von Schiedsrichtern. Ja, es ist ärgerlich, wenn die eigene Mannschaft von einer Fehlentscheidung betroffen ist. Aber ist genau dieses Diskutieren nicht einer der essenziellen Bestandteile des Fußballs? Für mich schon.

Theoretisch ist der Videobeweis dazu da, jedwede Fehlentscheidung kontrollieren zu können. Für mich ergeben sich bei diesem Thema aber noch zu viele Fragen, die nur unzureichend geklärt sind.

Wie genau wird der Videobeweis im laufenden Spiel ablaufen? Wie oft darf wer wann das Spiel unterbrechen? Darf jede Mannschaft zweimal oder dreimal? Darf das Schiedsrichtergespann auch eine Unterbrechung veranlassen? Wer entscheidet, ob dem stattgegeben wird? Was passiert, wenn die anfordernde Mannschaft im Unrecht ist? Fragen über Fragen.

Eine der größten und heikelsten Fragen ist, wann das Spiel unterbrochen wird, wenn eine Mannschaft einen Beweis beantragt. Gehen wir einmal von folgender Situation aus: Mannschaft A ist im Angriff und wird im Strafraum elfmeterreif gefoult. Der Schiedsrichter lässt die Begegnung weiterlaufen und Mannschaft B kontert A aus und schießt ein Tor. Nun beantragt Mannschaft A den Videobeweis wegen des Fouls. Der Videoschiedsrichter schaut sich die Situation an und entscheidet auf Elfmeter. Wird Mannschaft B dann das Tor aberkannt und Mannschaft A bekommt einen Elfmeter? Sehr diffus.

Wenn einer Unterbrechung direkt im laufenden Betrieb stattgegeben wird, kann dies als taktisches Mittel missbraucht werden, um Zeit zu schinden oder einen Konter zu unterbrechen. Das kann auch nicht die gewünschte Lösung sein. Ich stelle mir nur die Situation in einem Champions-League-Finale vor… aber lassen wir das. Die beste Lösung wäre, dass die Unterbrechung bei Ballbesitz der anfordernden Mannschaft stattfindet: dann ist das Team im Prinzip  selber schuld.

Der Videobeweis wird ja quasi als „das Allheilmittel“ des Fußballs angepriesen, welches jede Ungerechtigkeit aus dem Sport verbannt. Aber: Selbst Videoschiedsrichter kann Fehler machen! Also ist nicht gesagt, dass nicht auch beim Videobeweis Fehlentscheidungen gefällt werden können. Jeder Schiedsrichter kann Situationen anders beurteilen und bewerten, weshalb auch hier falsche Entscheidungen getroffen werden können. Deswegen ist der Videobeweis nicht das neue Wundermittel, als das er immer angepriesen wird.

Mein Fazit: 

Ja, die Technik verbannte viele Fehler aus dem Fußball und sorgte für mehr Gerechtigkeit, allerdings auch nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Torlinientechnik ist da viel genauer und sinnvoller.

Ich möchte diskutieren können, ich möchte mich aufregen, ich möchte mich ärgern können. Und wenn der Videobeweis kommt, werden diese Gefühle nicht mehr in der Form vorhanden sein.  Das fände ich schade, weil das für mich auch den Fußball ausmacht. Des Weiteren habe ich dann das Gefühl, dass der Fußball zu einer Randsportart wird, wo dauernd längere Unterbrechungen sind, wie beim Eishockey zum Beispiel.

Ich möchte den Videobeweis nicht, weil er viele Emotionen rausnähme. Außerdem können auch da Fehler passieren. Im Grunde ist der gesamte Ablauf weder ausreichend geklärt noch wirklich ausgereift.  Eine Testphase würde die Bundesliga zerstören und mir viel Spaß am Fußball nehmen. Deswegen sollte man den Videobeweis nicht einführen.

Wie steht ihr zu dem Thema? Seid ihr dafür oder dagegen?

 

 

 

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