„Wie viele Veganer sind nötig um eine Glühbirne zu wechseln? Zwei, einer der die Glühbirne wechselt und einer der sie auf Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs prüft.“
„Was ist die beste Art Tofu zu braten? Schritt 1: Tofu in den Müll werfen. Schritt 2: Fleisch auf den Grill packen.“

Das ist nur eine kleine Auswahl der Witze und Sprüche, die ich mir in den letzten zwei Jahren anhören musste. Zugegeben, meistens konnte ich mir selbst ein Lachen nicht verkneifen. Und mittlerweile nehme ich mir sowas auch schon gar nicht mehr zu Herzen.
Als ich vor mehr als zwei Jahren vegan wurde, habe ich nicht nur meine Ernährung komplett auf den Kopf gestellt – denn eine vegane Lebensweise beinhaltet weit mehr als nur das, was man isst und trinkt. Und ich kann jetzt mit Sicherheit sagen, dass diese Umstellung eine meiner besten Entscheidungen war. Ich habe so viele positive Veränderungen erlebt und kann mir im Leben nicht vorstellen, wieder Fleisch zu essen.

Aber wie kam es dazu? Als ich im Jahr 2013 den veganen Lebensstil entdeckte, ging es mir mehr um Fitness und Aussehen als alles andere. Je mehr ich mich jedoch mit dem Thema beschäftigte, desto mehr wurde mir bewusst, wie viel eigentlich an diesem Thema dranhängt. Veganer sind aus zahlreichen verschiedenen Gründen motiviert, auf tierische Produkte zu verzichten.
Wusstest du zum Beispiel, dass für die Produktion von 1kg Rindfleisch durchschnittlich 15400 Liter Wasser benötigt werden? Für 1kg Kartoffeln dagegen werden nur 290 Liter Wasser benötigt (Quelle: waterfootprint.org). Umwelt, Tierethik, Gesundheit, Fitness und Spiritualität sind nur einige der Aspekte, die für eine vegane Lebensweise eine Rolle spielen. Für mich persönlich spielt alles zusammen. Nachdem ich mich mit jedem Bereich ausführlich beschäftigt habe, ergibt es einfach Sinn.
In unserer Gesellschaft sind viele Menschen leider ziemlich abgeneigt, ihre Ernährung so „drastisch“ umzustellen. Und bei den ganzen Vorurteilen und allgemeinen „Mythen“ über Veganer, kann ich dies den meisten Menschen auch nicht übel nehmen.

 

Hier ein paar meiner „Top Hits“:

 

1Veganer essen doch nur Salat.

Ha! Von wegen. Es gibt so viel mehr vegane Produkte als nur Gurken und Tomaten und ich habe für so ziemlich jedes meiner Lieblingsgerichte eine vegane Alternative gefunden, sei es Spaghetti Bolognese, Döner oder Eis. Mittlerweile gibt es so viele vegane Ersatzprodukte auf dem Markt, dass man sich geschmacklich wirklich keine Sorgen machen muss. Abgesehen davon, ist mir seit der Umstellung aufgefallen, dass ich den Fleisch-, Käse- oder Joghurtgeschmack gar nicht wirklich brauche. Stattdessen weiß ich simple Kombinationen aus frischem Obst und Gemüse viel mehr zu schätzen.

 

2Du hast doch mit Sicherheit Mangelerscheinungen. Was ist zum Beispiel mit Vitamin B12?

Diese Sorge kann ich gut verstehen. Um Vitamin B12 zu verstehen, muss man erst einmal wissen, wo dieser Nährstoff überhaupt herkommt. Denn entgegen der allgemein läufigen Meinung hat Vitamin B12 seinen Ursprung nicht im Fleisch sondern… in der Erde! Vitamin B12 wird von Mikroorganismen hergestellt, die im Boden, in einigen Algen und im tierischen UND im menschlichen Körper vorkommen. Bei Wiederkäuern wie Kühen wird das Vitamin im Rumen hergestellt und eine Zufuhr von Außen ist nicht nötig. Andere Pflanzenfresser nehmen geringe, aber – bei einem gesunden Verdauungstrakt – zusammen mit denen im Darm hergestellten Mengen genug Vitamin B12 zu sich. In unserer Gesellschaft hat der Mensch so gut wie keine Möglichkeit dazu, da wir unser Obst und Gemüse waschen bis man sich drin spiegeln kann. Durch einfach Tabletten, Kapseln oder Spritzen kann man einem Vitamin B12 Mangel vorbeugen. Und ein interessanter Fakt nebenbei: Da Kühe zum Beispiel heutzutage kaum noch idyllisch auf der Wiese grasen, sondern hauptsächlich mit billigen Getreidesorten wie Mais und Soja gefüttert werden, stellen sie nicht ausreichend Vitamin B12 im Rumen her und bekommen deshalb oft Vitamin-Zusätze in ihrer Nahrung.

 

3Menschen sind doch von Natur aus Fleischfresser.

Da muss ich leider widersprechen. Wenn man sich einmal die Anatomie eines natürlichen Fleischessers anschaut und die dann mit dem Menschen vergleicht, spricht eigentlich so ziemlich alles dagegen, dass wir als Spezies dazu gemacht sind, Fleisch zu essen.

Der Verdauungstrakt eines Fleischfressers, wie zum Beispiel eines Löwen, ist etwa drei bis fünf mal so lang wie sein Torso. Bei einem reinen Pflanzenfresser dagegen ist der Verdauungstrakt etwa zehn bis 12 mal so lang wie der Torso. Und der des Menschen? Circa 12 mal so lang wie der Torso.
Auch wenn man sich die Zähne anguckt, fällt auf: Wahre Fleischfresser haben lange (!), scharfe Reißzähne und keine Backenzähne zum Zermahlen und Kauen. Sie zerreißen ihr Fleisch und essen alles vom Tier samt Fell, Knochenmark, Blut und Innereien. Menschen dagegen haben nur unwesentlich spitzere Eckzähne als Schneidezähne, außerdem haben wir Backenzähne zum Kauen. Wir könnten niemals ein Tier in freier Wildbahn mit bloßen Händen greifen, es töten, mit unseren Zähnen zerreißen und roh essen.

 

4Tiere spüren das doch gar nicht. Und die werden doch auch human getötet.

Aus ethischer Sicht liegt mir schlicht und einfach das Wohl der Tiere am Herzen. Es scheint so merkwürdig, die Traditionen der Menschheit infrage zu stellen.

Die erdrückende Mehrheit der Menschen isst Fleisch, also warum sollte irgendetwas falsch daran sein? Warum sollte diese Angewohnheit nicht ethisch vertretbar sein? Es macht schließlich jeder, oder? Wenn man all diese Voreingenommenheiten, Traditionen und Angewohnheiten einmal außer Acht lässt, ist es vielleicht einfacher zu verstehen: Tiere fühlen. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Tiere spüren physischen und psychischen Schmerz. Ein Hund, der sich freut, wedelt mit dem Schwanz, eine Katze, die nach Nähe sucht, schmiegt sich bei ihrem Besitzer an, eine Kuh, die ihr Neugeborenes von sich gerissen bekommt, spürt Verzweiflung, und ein Schwein, dass in einer engen Metallkammer darauf wartet, getötet zu werden, spürt Panik und Angst. Das sind leider keine Hirngespinste oder Hippie-Gedanken, das sagt uns der gesunde Menschenverstand. Wir sehen es bei unseren Haustieren – warum sollte es bei anderen Arten anders sein? Eine andere Frage: Welches Tier würde freiwillig ein Leben in Gefangenschaft, das mit einem frühzeitigen Tod endet, vorziehen?

 

Vegan sein ist wirklich leichter als gedacht, wenn man es wirklich will und sich über das Thema informiert. Ich fühle mich nach zwei Jahren fantastisch und kann diese Lebensweise nur jedem empfehlen, dem die eigene Gesundheit, die Umwelt oder das Wohl der Tiere am Herzen liegen. Es gibt zahlreiche Internetseiten und Bücher zu diesem Thema, aber auch einige gute Dokumentationen: Earthlings, Forks Over Knives und Cowspriacy – diese Filme kann man alle im Internet gucken und sich informieren.

„In a world that could not care less, be someone who could not care more.“ – Anonym.

 

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