Ich werde oft gefragt, warum ich Twitter nutze. Eigentlich eine einfache Frage, aber warum benutze ich es wirklich?

Fangen wir von vorne an: Jeder hat schon mal von Twitter gehört. Immer wieder steht es in den Medien. Mal, weil ein Politiker, Star oder sonst wer einen Tweet verfasst hat, wie jüngst Bodo Ramelow zum Ende des Tarifkonflikts bei der Bahn, oder aber weil auf Twitter ein Shitstorm ausgebrochen ist, wie so ziemlich jeden Sonntag während des Tatorts.

Warum ausgerechnet Twitter?

Doch woran liegt das? Warum nutzt man dafür nicht das verbreitetere Facebook oder Pressemitteilungen ? Der Hintergrund ist denkbar einfach. Twitter ist einfach schneller als die anderen Netzwerke. Da man nur 140 Zeichen hat, kann man hier kurze Gedankengänge schneller aufschreiben und direkt abschicken. Das kann halt manchmal auch einfach viral gehen, wie Anfang des Jahres bei der Kölner Schülerin Naina. Sie fühlte sich von der Schule nicht aufs Leben vorbereitet und benutzte ausgerechnet Twitter für ihren Frust:

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“
– @nainablabla am 10. Januar 2015

Innerhalb weniger Tage wurde sie zu einem Phänomen. Das ging so weit, dass sie sechs Tage nach ihrem Tweet eine Pause einlegte, weil sie zwar einerseits viel Lob für ihre Aussage erhielt, andererseits aber auch mitten in einen Shitstorm hinein geriet:

„Dieser Hass hier auf Twitter ist so heftig, ihr widert mich an. Sagt Bescheid wenn ihr wieder normal seid. Bis dann“
– @nainablabla am 15. Januar 2015

Doch warum passiert so viel Mist auf Twitter? Aus dem gleichen Grund, warum es die beste Nachrichtenquelle ist. Die Menschen schreiben in exakt 140 Zeichen ihre Gedanken auf und senden diese ab. Und ungefilterte Gedanken treffen eigentlich immer auf Widerstand. Das schlimme ist, – da spreche ich natürlich nur für mich – dass Twitter damit eine Gesellschaft in unserer Gesellschaft darstellt.

Twitter eine Gesellschaft – Hä?

„Wutbürger“, „Lügenpresse“, das sind Begriffe, mit denen jeder etwas anfangen kann. Und was ist an PEGIDA so anders gewesen als an Twitter? In beiden Fällen wurden zum Teil eloquent formulierte Äußerungen getätigt, allerdings auch ungefilterter Schwachsinn. Ein Medium wird immer nur so gebildet sein, wie die Gesellschaft, die es reflektiert. Solange unsere Gesellschaft Schwachsinn von sich gibt und sich jeder nur auf sich selbst fokussiert, wird auch der eine oder andere Shitstorm entstehen. Wenn sich jeder nur die 15 Sekunden, die man für das Verfassen eines Tweets braucht, Zeit nehmen würde und nur fragen würde: „Was könnte diese Aussage anrichten?“, dann könnten viele Konflikte, im Großen wie im Kleinen gelöst werden. Doch die meisten haben diese Zeit heutzutage nicht mehr. Fressen oder gefressen werden.

Die Antwort, warum ich Twitter nutze ist diese: Es spiegelt unsere Gesellschaft besser wieder als der gesamte Sendeplan von RTL.

2 Responses

    • Henning
      Henning

      Er meint ja auch, dass Twitter eine Gesellschaftskritik ist und nicht der Text, jedenfalls nicht in 140 Zeichen.

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