Ich bin eine Nachteule. Es fällt mir, egal wie müde ich morgens früh bin, nachts sehr leicht, wach zu bleiben. Das hat wenig damit zu tun, dass ich mich tagsüber nicht auspowere oder das ich ein weltfremder Nerd bin, das ist einfach die Art und Weise wie mein Kopf tickt. Ich kann meinen Tag-Nacht-Rhythmus innerhalb von einem Tag umdrehen und auch wieder zurückdrehen. Der Grund, wieso ich mir häufig die Nächte um die Ohren schlage ist nicht, weil ich finde, dass Augenringe so ein unglaublich tolles optisches Merkmal sind, sondern weil es mir nachts leichter fällt über Dinge nachzudenken. Selbst meinen Blick ins Netz schreibe ich aktuell eigentlich immer mitten in der Nacht, was Henning, der ihn korrigieren muss, eher schlecht als recht gefällt. Da es viele Vorurteile über Schlaflosigkeit gibt, werde ich hier mal auf Aussagen eingehen, die ich zu dem Thema als „Tipps“ schon bekommen habe, allerdings erzähle ich euch zunächst, wie sich die Schlafstörungen bei mir auswirken

Wenn ich mir tagsüber den Kopf über ein Problem zerbreche, dann ist es nachts teilweise so, dass ich darauf innerhalb kürzester Zeit eine Lösung finde, die ich bisher noch nicht im Kopf hatte. Ich glaube, das hat – für mich – etwas mit der Ruhe der Nacht zu tun, die mir mehr Raum für meine eigenen Gedanken gibt. Während ich das hier schreibe, überlege ich, ob ich jemals einen normalen Schlafrhythmus hatte, allerdings kann ich mich nicht wirklich daran erinnern. Natürlich haben mir meine Eltern mit Sechs Jahren gesagt, dass ich um 20 Uhr im Bett sein soll, aber trotzdem bin ich beinah jede Nacht bis Zehn oder Elf Uhr wach geblieben. Ich wurde einfach vorher nicht müde. Je älter ich wurde, desto weiter verschob sich die Grenze. Ich denke jetzt, wo ich arbeite ist es so, dass ich oft genug erst um zwei Uhr nachts ins Bett gehe und morgens um Sechs aufstehe. Ich bin dann zwar auch die ersten 30 Minuten eher schlafend als wach, allerdings ist – sobald ich eine halbe Stunde wach bin – mein Kopf wieder auf der Höhe und es wirkt sich nicht wirklich schädlich auf meine Leistung aus, dass ich schon wieder nur vier Stunden geschlafen habe. Ich habe mich einfach irgendwann daran gewöhnt, mal 18 Stunden wach zu sein. In den Ferien dreht sich das Ganze sogar noch etwas mehr, soll heißen, ich schaffe es, innerhalb von den ersten zwei Tagen Urlaub meinen Schlafrhythmus zu drehen. Ich stehe gegen Vier auf, bleibe bis acht Uhr morgens wach und schlafe dann acht Stunden. Hat einige Vorteile, zum Beispiel, dass ich beim Feiern auch um Fünf noch auf den Beinen bin und weiterfeiern kann. Aber für soziale Verpflichtungen, die man nicht auf die Nacht verschieben kann, sowas wie Familienfeiern, Abendessen oder Ähnliches, ist das Ganze auf Dauer sehr schädlich. Das wirklich große Problem im Urlaub sind Dinge wie Einkäufe oder Ladenöffnungszeiten im Allgemeinen. Ein Beispiel: Ich habe vor Weihnachten, am 22. Dezember einen Schuh zum Schuster gebracht, weil die Sohle kaputt gegangen ist. Der hat zwei Tage später angerufen und gesagt ich kann ihn abholen. Abgeholt hab ich ihn dann am 2. Januar, weil ich vorher einfach genau in den Öffnungszeiten geschlafen habe. Meine bisherigen Freundinnen hatten zwar an sich nie ein Problem damit, allerdings hat sich jede mindestens einmal darüber beschwert, dass sie mich in den Ferien nur selten vor 16 Uhr erreichen konnte. Also hat das Vor- und Nachteile. Aber gerade für‘s Nachdenken oder Schreiben eignet sich die Nacht einfach besser, da man seine Ruhe hat und auch das Smartphone mal für ein paar Stunden ruhig bleibt. Im Prinzip sehe ich das eigentlich tiefenentspannt, da sich, wenn ich keinen Urlaub habe, mein Schlafrhythmus zumindest meiner Arbeitszeit annähert, wenn auch nicht komplett.

Die meisten haben für Schlafstörungen kein Verständnis

Von einem Mitazubi habe ich im letzten Jahr, als wir auf das Thema kamen, Folgendes gehört: „Machst du denn Abends Sport? Mir geht’s immer so, wenn ich vom Sport komme, dass ich einfach sofort ins Bett falle, solltest du vielleicht auch ausprobieren.“
Witzig, darauf bin ich auch schon gekommen. Das Ergebnis? Nach dem Sport war ich noch energiegeladener als sonst und bin nochmal zwei Stunden später ins Bett gegangen.

Okay, also kein Sport, was ist denn mit Schlaftees? (der Vorschlag einer guten Freundin)

Den Vorschlag habe ich von einer sehr guten Freundin gehört. Was ist nun mit den Tees, die Schlaflosigkeit bekämpfen sollen? Ja, die gibt es, aber die wirken auf mich ungefähr so wie Wasser. Ich muss danach häufiger auf die Toilette, aber wirklich beim Schlafen helfen die nicht. Ich sage nicht, dass das nicht bei anderen helfen kann, aber bei mir wirken sie überhaupt nicht. Versucht ihr mal einzuschlafen, wenn ihr alle fünf Minuten aufsteht, weil ihr zum Klo müsst. Ihr versteht.

Was ist mit Schlaftabletten? Die gibt es doch extra dafür.

Das stimmt. Und obwohl ich eine grundsätzliche Abneigung gegen Tabletten habe – meine Jahresration Aspirin liegt bei vier Tabletten, hab ich trotzdem Schlaftabletten ausprobiert. Habe ich danach geschlafen? Ja, aber wie hab ich mich am nächsten Morgen gefühlt? Stellt euch einfach vor, ihr schlaft auf einem Stein. Neben einem Wasserfall. An dem eine Eisenbahn vorbei fährt. Ich fühle mich am Morgen dann noch erschöpfter als am Abend vorher und bin dann tagsüber wirklich wie ein Zombie rumgelaufen.

Einer/m Freund/in von mir hilft Lesen, wie ist es damit?

Ich bin begeisterter Leser, ich lese pro Monat zwischen 800 und 1.600 Seiten, einfach weil mir das Lesen Spaß macht, aber werde ich so müde? Da muss ich dich enttäuschen lieber Leser. Ich verlaufe mich dann in den Geschichten und wenn ich um null Uhr anfange, etwas zu lesen, dann ist es oft Zwei oder Drei, wenn ich das Buch weglege. Ich habe eine sehr lebhafte Fantasie und dann fällt es schwer einen guten Roman wegzulegen, weswegen ich mir irgendwann abgewöhnt habe mich durch Lesen zum Einschlafen zu bringen.

Also gibt es nichts, dass für dich wirklich wirkt? Was machst du, wenn du weißt, dass du den Schlaf brauchst, weil am nächsten Tag zum Beispiel eine Klausur ansteht oder eine wichtige Präsentation?

Was am besten beim Einschlafen hilft muss jeder für sich selbst wissen. Bei mir ist es ein ganz altes Hausmittelchen meiner Mutter: Hörspiele und Musik. Vor allem Herr der Dinge von Prinz Pi hilft mir, in unter zehn Minuten einzuschlafen. Natürlich kommt es auf die Musik an. Wenn ich AC/DC oder Kollegah höre, dann kann ich mir sicher sein, nicht einzuschlafen. Es müssen schon ruhigere Sachen sein, aber ein bisschen Tempo kann drin sein. ich finde es eigentlich witzig, dass mir ausgerechnet Musik hilft, weil mich Musik – teilweise sogar die gleiche –  wach hält, wenn ich weiß, dass ich noch eine Stunde wach bleiben muss, beispielsweise weil ich mit meinem Hund gehen muss oder meine Freundin bei mir übernachten will. Falls ihr auch öfter mal nicht einschlafen könnt, dann versucht es. Schließt das Handy ans Ladekabel an und startet irgendein Album oder Hörbuch. Die meisten Audioplayer haben eine Timermöglichkeit, der den Ton nach beispielsweise 60 Minuten beendet. Ihr werdet überrascht sein, was für Wunder ein wenig Ton bewirken kann.
Habt ihr noch andere Mittel die euch beim Einschlafen helfen? Schreibt mir dazu doch einen Kommentar!

4 Responses

  1. Kira
    Kira

    Also ich habe mal gelesen, dass sobald man 15 Minuten still liegt, der Körper so herunter fährt, dass man automatisch einschläft! Aber muss erst einmal eine Postition finden, in welcher man 15 Minuten lang ausharren kann…
    Ich persönlich versuche immer, mir beim Atmen zu zu hören. Dann zwinge ich mich, an nichts anderes zu denken und lasse auch keine anderen Gedanken zu. Das klappt bei mir immer am besten! 🙂

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    • Ares

      Wer generell schlecht in den Schlaf kommt, ist meiner Meinung nach auch selten ein ruhiger Schläfer -> Ich z. B. brauche immer erstmal eine ganze Weile, bis ich die richtige Schlafposition gefunden habe. Meistens ist bis dahin die Idee vom „Früh schlafen“ auch für die Katz‘. Abgesehen davon kommt es nicht selten vor, dass man sich bis zu dem Punkt den du empfiehlst so lange damit befasst, hat, sich richtig im Bett anzuordnen, dass man noch wacher ist / nochmal die Toilette besuchen muss / eine geniale Idee hatte die man selbst in fester Position so zerdenkt, dass man auf keinen Fall schlafen kann / …

      An sich aber ein guter Ansatz, ich persönlich schaffe es manchmal, eine Weile ruhig zu liegen und fühle mich dadurch auch echt müde. Leider sind so chronische Schlafvermeider dazu geneigt, für einen kurzen Moment aus dieser Trance auszubrechen und danach funktioniert meist gar nichts mehr. Das ist wie ein Impuls – und man ist wieder hellwach.

      Ich erkenne viele Denkmuster des Textes in eigenen Erfahrungen wieder. Sehr schön, dass man damit nicht ganz allein ist. Kann mich gut damit identifizieren – und zähle definitiv zu denen, die absolutes Verständnis dafür haben!

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      • Henning
        Henning

        Ich kann Max in den meisten Punkten nur zustimmen! Ich finde auch, dass man in der Nacht wirklich kreativer sein kann, weil es einfach schön ruhig ist (selbst in Düsseldorf). Ich gehe nicht ganz so spät ins Bett wie der Autor des obigen Textes, kann aber durchaus mitfühlen und zustimmen.

        Solche Tricks wie die von Kira oder das, was Raphael versucht, habe ich noch nie ausprobiert. Meistens schlafe ich auch schnell ein 🙂

      • Max
        Max

        Genau das was der Raphael hier sagt, ist bei mir auch immer so. Ich schaffe es maximal 5 Minuten in einer Position zu liegen, weil dann einfach dieser „Bewegungsimpuls“ kommt und ich dann sofort wieder hellwach bin. Aber es ist gut, dass es wirklich so viele gibt, die ähnliche Probleme haben, so fühlt man sich nicht mehr so extrem außerhalb der Gesellschaft. 😀

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