Nach 18 Jahren schließt das Rossi in Mönchengladbach. Eine Ära des ausgelassenen Feierns, des zu Hause sein in einem Club und das Sammeln von Erinnerungen nimmt ein Ende.

Good Old Mönchengladbach ist ja nicht grade für seine qualitative Auswahl guter Clubs bekannt. Letztlich ist es auch immer Geschmackssache. Seit gut zehn Jahren kann ich nun auf eine grandiose Reihe von zelebrierten Partys zurückblicken. Fast immer im Mittelpunkt: Das Rossi auf der Waldhausener Straße.

Das Rossi nimmt Abschied

Am vergangenen Mittwoch wurden unzählige Anhänger und Liebhaber des Rossis auf den traurigen Facebook-Post aufmerksam, in dem sich die Betreiber mit folgenden Worten verabschiedeten „Hallo Leute, heute kommt die Katze aus dem Sack! Schon oft ging es herum, das Gerücht „Das Rossi schließt“. Bisher konnten wir dieses Gerücht immer Lügen strafen, doch jetzt ist es wahr! Man soll gehen, wenn es am schönsten ist und diese Zeit ist nun gekommen: It’s time to say goodbye. Eine Legende, eine Institution, ein Zuhause geht. Das ROSSI geht!“.

Die Nachricht ging rum wie ein Lauffeuer und sämtliche Anhänger des beliebten Clubs verlinkten Freunde unter dem Post, um die traurige Nachricht zu verbreiten. Erinnerungen wurden geweckt, ausgetauscht und man blickte der Tatsache entgegen, dass nach dem 30. Juli zumindest im Rossi keine Erinnerungen mehr gesammelt werden können.

Meine Erinnerungen

Seit meinem 16. Lebensjahr war das Rossi Treffpunkt für herausragende Partys. Allen voran: Der legendäre Trashdance! Traditionell traf man sich vorab bei Freunden, nahm das ein oder andere Bierchen zu sich und stimmte sich auf den bevorstehenden Abend mit der passenden Musik ein: Spice Girls, Backstreet Boys und alles, was das Herz eines Trashdance-Anhängers höher schlagen lässt. Beim DJ waren wir oft die Helden, wenn wir mit einer vorbereiteten Musik-Wunschliste schnurstracks zum DJ-Pult liefen und grinsend verkündeten „Wir haben da mal was vorbereitet!“. Ablehnende Reaktionen? Nicht im Rossi! Mit schallendem Lachen wurde die Liste entgegen genommen „Ihr seid ja geil!“. Am Ende wurden wir auch immer mit der Berücksichtigung unserer Wünsche belohnt. Wenn dann das Licht anging, wusste man, dass es mal wieder Zeit war nach Hause zu gehen und sich auf das nächste Mal zu freuen.

Aber nicht nur der Trashdance war es wert, ins Rossi zu gehen. Gerne erinnere ich mich auch an Abende zurück, an denen Oli P. im Rossi aufgelegt hat. Schnell wurde es zur Tradition, grinsend zu ihm zu gehen „Ich wünsche mir Flugzeuge im Bauch von Oli P., falls du den kennst“. Auch habe ich es geliebt, so viele unterschiedliche Menschen in einem Club vereint zu sehen. Man brauchte nicht den ganzen Schnickschnack oder Schicki-Micki. Das gemeinsame Feiern, einfach eine gute Zeit haben, war das, was zählte. Nach zehn Jahren waren es vor allem auch vertraute Gesichter, die einen begrüßten. Am Eingang trotz Stress und eines vollen Ladens immer noch zu Scherzen im Stande. Nach dem Abgeben der Jacken erstmal ein Bier und dann das Erkunden des Ladens, um zu sehen, was wo los ist. Man hätte sich nicht mal verabreden müssen. Getroffen hat man immer jemanden, den man kennt. Alte Bekannte und Schulfreunde, neue Gesichter und gute Freunde. Im Rossi war man zu Hause. Nein. Bis zum 30. Juli IST man dort noch zu Hause. Eine Empfehlung an all die, zu deren Schandtaten es gehört, das Rossi bisher noch nicht besucht zu haben: Nutzt die Chance und lernt es während seiner letzten Tage noch kennen. Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick.

Eine letzte Liebeserklärung

Mein geliebtes Rossi, ich kann immer noch nicht glauben, dass unsere Liebe am 30. Juli ein viel zu frühes Ende findet. All die gemeinsamen Erlebnisse, ausgelassenen Partys, den ein oder anderen Drink im jugendlichen Leichtsinn zu viel  und nicht zu guter Letzt das Abzappeln beim legendären Trashdance… Wie soll ich es nur verkraften? Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man sich nicht leichtsinnig auf einen neuen Club einlässt. Für mich geht mit dir eine Ära der Gladbacher-Altstadt zu Ende. Du bleibst mein number one and only Club. Möge die letzte Party die schrillste, ausgelassenste und fröhlichste werden. Du hast es verdient mit einem KNALL zu gehen. DANKE für die letzten zehn Jahre. DANKE für unvergessliche Nächte bis in die Morgenstunden. DANKE für ein Stück Gladbacher-Geschichte. DANKE für das, was bleibt: Erinnerungen ❤️

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