Ein Denkanstoß aus meinem Leben
Bist du auch ein Gewohnheitstier? Trinkst du dein Bier immer in derselben Kneipe und gehst immer im gleichen Laden mit deinen Freunden essen? Und nicht zu vergessen: Bleibst du deiner „Stammdisco“ auch treu? Das Ganze kann man jetzt noch auf weitaus mehr Gewohnheiten weiterspinnen, aber ich denke, die Message ist angekommen. Aber das geht nicht nur dir so, sondern auch noch vielen anderen Menschen auf der Welt!
Viele werden sich jetzt als erstes sicherlich fragen, was überhaupt diese Komfortzone ist. Eigentlich ist es ganz einfach. Wie das Wort schon vermuten lässt,  ist das sozusagen unsere „Wohlfühlzone“.  All´ das, was wir tagein, tagaus tun, liegt innerhalb von ihr. Sie ist ein Umfeld, das wir kennen und gewohnt sind. Dort fühlen wir uns sicher und nichts kann uns passieren. Wollen wir jedoch etwas tun, wo uns bei dem Gedanken an diese Sache schon flau im Magen wird, liegt dies wohl außerhalb unserer Komfortzone. Wir haben dann Angst, uns zu überwinden und zögern unsere Vorhaben dann hinaus, bis die Chance zur Tat womöglich nicht mehr existiert. Ich kenne das nur zu gut, ihr auch?
Das muss nicht sein! Wir alle können daran arbeiten, „komfortabler“ mit neuen Situationen umzugehen und souveräner mit Veränderungen klar zu kommen. Doch wie bin ich damals überhaupt auf diese Thematik gestoßen?
Lange ist es her, da habe ich mich entschlossen, an mir zu arbeiten. Persönlichkeitsentwicklung stand fortan auf meinem Plan.  Die Schüchternheit sollte schleunigst der Vergangenheit angehören und mehr Selbstbewusstsein sollte sich breit machen. Früher habe ich Diskussionen oft vermieden, habe meine Meinung schnell geändert. Ich war meist sehr nervös, einen Vortrag zu halten und habe mich unwohl gefühlt, vor einer großen Menschenmenge zu reden. In Menschengruppen war ich oft der Unscheinbarste und habe wenig zur Unterhaltung beigetragen. Jetzt ist das nicht mehr so! Ganz habe ich all diese Eigenschaften nicht abgelegt, doch ich habe mich persönlich weiterentwickelt und das ist das was für mich zählt – am Ende des Lebens möchte ich mein bestes Ich sein!

Was habe ich also gemacht, um meinem „Besseren Ich“ ein Stückchen näher zu kommen? Eines Tages habe ich angefangen, auf fremde Menschen zuzugehen, die Konversation bewusst gesucht. Ob es ein belangloses Gespräch in der Bahn oder ein kurzer Plausch beim Bäcker ist. Hübsche Frauen habe ich schon unzählige Male auf der Straße angesprochen und Ihnen gesagt, dass sie mir gefallen und ich sie kennenlernen möchte.  Ich habe eine kurze  Rede auf den Treppen vor dem Kölner Dom gehalten, wo ich über meine Schüchternheit rede und versuche, andere Menschen zu motivieren, auch an sich zu arbeiten. Man muss lernen, mit den Blicken der anderen Leute, „der Gesellschaft“, klar zu kommen. Du darfst dir einfach keine Gedanken machen, was andere Leute von dir denken könnten. Deshalb bin ich beispielsweise auch mit zwei  verschiedenen Paar Schuhen (Rote und Grüne) durch die Stadt gelaufen oder habe den Kölner Bahnhof Hand in Hand (no Homo!) mit einem guten Freund durchquert.  Natürlich haben mich Leute schräg angeguckt. Aber die wird es immer geben. Du kannst stolz auf dich sein, dass du die gesellschaftlichen Regeln brichst und mal „was anderes“ machst.

Es fühlt sich jedenfalls sehr befreiend an, wenn du deine Komfortzone immer mal wieder verlässt. Du kannst unendlich Selbstbewusstsein tanken! Und es kann tatsächlich auch richtig Spaß machen, sich zu überwinden. Vor geraumer Zeit habe ich mal ein YouTube-Video gesehen, wo sich ein junger Kerl irgendwo in Amerika mit einem Pappschild, das die Aufschrift „Kiss me, I am desperate“  trug, hingestellt hat. Er erntete viele lachende Blicke, bekam ein paar Wangenküsse und mit manchen Frauen machte er auch ordentlich rum. Das wollte ich auch, „ist sicherlich eine lustige Aktion, auch wenn es irgendwie übel ist“, dachte ich mir. Also bastelte auch ich mir solch ein reizendes Schild und wandte mich, als ich in London war, mit diesem Schild an die Öffentlichkeit. Natürlich war es mir anfangs unangenehm. Beim Schlendern entlang der Straßen habe ich einfach versucht, den Blick frei geradeaus gerichtet zu lassen, mich viel mit meinem mich filmenden Freund zu unterhalten und ein künstliches Lachen aufzusetzen. Doch schon nach kurzer Zeit, als ich die ersten Menschen zum Lachen gebracht habe, die ersten „Daumen hoch“ mir Mut machten und vor allem auch die erste Frau ein Foto mit mir knipsen wollte, schlich sich so langsam Souveränität ein und ich fühlte mich gut! Nein, großartig! Und das ist immer so, wenn du dich überwindest und deine Komfortzone verlässt. Anfangs ist es schwer, es fühlt sich fast unmöglich an. Eine innere Blockade hält dich ab, endlich das zu tun, was du wirklich willst. Doch hast du es erst gewagt, weißt du, wovon ich spreche.

Und genau darum geht es – Veränderung im Leben zu schaffen, Dinge endlich nicht mehr vor sich hinzuschieben und endlich durchzustarten auf allen Ebenen. Wir Menschen wachsen nur am Widerstand. Wir sind faul, lümmeln lieber auf der Couch und essen vor dem Fernseher, anstatt endlich unserem Ziel, gesünder und sportlicher zu werden, einen Schritt näher zu kommen. Wir sollten das Unangenehme im Leben nicht immer als unseren Feind ansehen, sondern vielmehr als einen Wegweiser, der uns zeigt, wo wir noch an uns arbeiten müssen und wo Veränderung her muss. Und dazu gehören nicht nur die kleinen Dinge des Lebens, wie das Besiegen des inneren Schweinehundes und endlich Sport zu treiben. Es geht auch darum, den entscheidenden Schritt zu machen, wenn deine Beziehung schon lange nicht mehr läuft oder du im Job unglücklich bist. Das erfordert Mut,  doch später wirst du es dir danken.

Und um in diesem Bereich etwas lockerer zu werden, erfordert es nicht immer gleich die größten Hürden. Du kannst auch einfach mal ein paar Tage auf etwas, das dir wichtig ist, verzichten. Oder du nimmst einen anderen Weg zur Arbeit/ Schule und trägst die Uhr am falschen Handgelenk. Ich beispielsweise gehe öfters alleine Feiern oder bin bei Heimspielen der Borussia in der Regel alleine im Stadion. Für viele unvorstellbar, aber für mich echt sehr entspannt, weil du einfach unabhängig bist, wenn deine Freunde keine Zeit finden oder aus anderen Gründe nicht mitkommen. Es geht darum, flexibler im Leben zu werden, deine Komfortzone zu erweitern. Das ist ein langjähriger Prozess und lebenslange Entwicklung deiner Persönlichkeit. Doch es lohnt sich!
Und wann überwindest du dich das nächste Mal?

 

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