Es ist so weit. Nach drei Jahren und einem Ausflug in den Prinz-Porno-Kosmos ist Friedrich Kautz als Prinz Pi wieder da. Sein neues Album „Im Westen Nix Neues“ ist gestern erschienen und ich habe es für euch angehört. Natürlich habe ich mir wieder die Box bestellt und ich muss sagen, ich bin begeistert.

Der Sound ist anders als der auf „Kompass ohne Norden“, da Pi wieder auf Biztram als Produzenten setzt. Die Beats sind klasse abgemischt und passen perfekt zu Pis Sound. Aber wie ist das Album musikalisch insgesamt? Ich werde euch einzelne Tracks vorstellen, die mir besonders im Kopf hängen geblieben sind und dann könnt ihr euch eine Meinung bilden. Es ist kein typisches Album. Es ist anders als der Vorgänger „Kompass ohne Norden“ nicht so stringent verknüpft. „Kompass ohne Norden“ hatte ein einziges Thema – Sozialkritik. Nicht, dass Pi ohne Kritik auskommt, die baut er bereits im Eröffnungstrack ein:

Rebell ohne Grund (Kompass Reprise)

Der Track ist sehr emotional, das merkt man an Lines wie: „10 Jahre nach dem Abitur / bin ich wieder der unbeliebte Junge mit der Kackfrisur“ – Er blickt auf dem gesamten Track zurück. Wie ist der Weg seiner alten Klassenkameraden weitergegangen? Er schließt im Refrain „Die Jungs sind kahl geworden, Mädchen sind bequem / bisschen fett, bieder, nett / runde Rädchen im System / Jeder Blick taxiert – bleib für immer Außenseiter“. Obwohl er so viel erreicht hat und glücklich sein sollte, ist er immer noch kein Teil des Systems, dass er so oft kritisiert. Insgesamt ist es ein sehr interessanter Album-Einstieg. Gefällt mir sehr gut.

1,40m

„1,40m“ ist der romantischste Song des Albums. Ich habe ihn seit Singleveröffentlichung praktisch ständig gehört und auch auf dem gesamten Album ist er einer meiner Favoriten. Es geht darin um die Enge einer Beziehung gerade in den ersten Monaten, hier symbolisiert durch die 1 Meter und 40 Zentimeter breite Matratze des Paares. Der Refrain beschreibt das auch hier am besten: „Das war die beste Zeit / Kein Zentimeter für Streit / Der Horizont ist zwar weit / Und andere Betten sind weich / Doch was wir haben, das reicht / Denn 1,40 reicht“. Dabei musste ich mehrfach an meine Freundin denken, da es nichts Besseres gibt, als den ganzen Tag glücklich im Bett zu verbringen und nichts zwischeneinander zu lassen. Auch, dass der Refrain von einem grandiosen Philipp Dittberner gesungen wird, macht den Song zu einem meiner Favoriten.

Im Jetzt ist das Chaos / Funkeln

Dieser Track ist sehr tiefsinnig. Klingt zwar erstmal merkwürdig, aber lasst mich das begründen: Er leitet ein mit den Worten „Wir sind wir, dann, wenn keiner guckt“. Es geht in dem Song darum, dass wir nie wissen können, was die Zukunft für uns bereit hält, allerdings auch die Gegenwart nie geordnet, sondern chaotisch abläuft. Nur die Vergangenheit ist fix, alles andere ist im Wandel. Deswegen sagen wir „Früher war alles besser / denn jetzt wissen wir ja, wie es aussah.“ Diese Erkenntnis in knapp 5 Minuten unterzubringen, ist ein grandioses Beispiel für Pis Können. Er schafft es, seine komplexe Gedankenwelt in sehr kurzer Zeit darzulegen.

Familienalbum Seite 19

In dem 8. Song geht es um ein Familienszenario. Ein karrieregeiler Vater, den Pi nur als „Böser Mann“ bezeichnet. Der für seine Kinder nie da war, nie Freunde hatte. Darum ist der Refrain auch sehr deutlich: „Böser Mann / Alles was du anfasst, machst du krank / Böser Mann (4x) / Endlich bist du tot, Böser Mann“ und in der letzten Zeile ein finales Urteil: „Du riechst nach Aftershave und Kerosin / Marlboro und Jim Beam (genauso riecht der Teufel auch)“.  Eine so direkte Ansprache ist selten bei Pi, wobei ich mich bei dem Song ein wenig an „Drei Kreuze für Deutschland“ erinnert gefühlt habe, das ja bereits auf dem Album „Rebell ohne Grund“ erschienen ist. Der Track ist sehr hart, aber zeigt ein sehr emotionales Lied. Insgesamt ist „Im Westen Nix Neues“ ein sehr emotionales und kritisches Album, das eine sehr persönliche Seite von Pi offenbart, wie auch der letzte Track, den ich euch vorstelle, beweist:

Im Westen Nix Neues / Tochter

Wie der Titel schon verrät: Den Track hat Friedrich seiner Tochter gewidmet. Er zeigt in diesem Track, dass er seine Tochter auf ihrem Weg unterstützt: „Doch was, wenn dich nichts locken kann, was kaufbar ist / Wenn keiner von den ausgetretenen Pfaden der Selbstauserwählten brauchbar ist.“ Er zeigt hier allerdings eine ganz klare Hoffnung: Er hofft, dass seine Tochter einen ähnlichen Weg wie er einschlägt. Aber gleichzeitig beschreibt er den Verlauf seines eigenen Lebens, seine Therapeuten, seine Lebenslügen, seine Probleme. Als ob er seiner Tochter alles klarmachen wollte. Auch hier gewinnt man einen sehr tiefen Einblick in seine Psyche bzw. seine Persönlichkeit. Auch diesen Track hat er bereits früher veröffentlicht, allerdings ist es der Song, der das Album am besten beschreibt. Gleichzeitig hochpersönlich aber auch sehr generell. Jeder kann sich mit seinen Songs identifizieren, obwohl er sie nur aus seiner Perspektive schreibt.

Fazit

Was bleibt zu sagen? Gibt es „Im Westen Nix Neues“? Meine Antwort darauf ist ein klares Nein. Obwohl das Album zwischenzeitlich ein wenig schwächelt, hat Pi wieder zu seiner Form gefunden und von Biztram die perfekte Basis für ein weiteres Meisterwerk bekommen. Er hat einen anderen Ansatz, da er mittlerweile ganz in seiner Rolle als Vater aufgeht und deswegen auch immer wieder zurückblicken muss. Ich kann das Album empfehlen, wenn man die kritische, politisch linke Richtung von Prinz Pi mag, dann wird man hier nicht enttäuscht. Falls ihr euch für das Album interessiert, findet ihr unten noch einen Spotify-Button für das Album.

3 Responses

  1. Ares

    Ich habe das Album am Wochenende erst ein Mal durchgehört, mich noch nicht so eingehend mit den Inhalten befasst. In Erinnerung geblieben sind mir dabei (wobei ich sagen muss, dass ich wahrscheinlich noch ein paar Runden auf Repeat im Auto zuhören werde) neben dem „Kompass Reprise“ auch „21:04 / Schwarzer Lack“. Klingt im Hintergrund manchmal etwas sehr düster (besonders zum Ende hin) aber das passt meiner Meinung nach sehr gut in Pi’s Textgenre. Einen Vergleich zu Kompass ohne Norden kann ich aktuell noch nicht ziehen, das fand ich persönlich nämlich auch sehr stark. Das erste Reinhören hat mir aber definitiv Lust auf mehr gemacht! Sprachgewalt ist kein Wort, auf das nur der Boss Patent hat. Der Prinz verfügt da auch über ein nicht zu vernachlässigendes Talent. Gefällt!

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    • Max
      Max

      Ja das stimmt, Schwarzer Lack ist mir so am Samstag nachmittag das erste Mal richtig bewusst geworden und dann saß ich da und dachte nur: „Wo war dieser Track vorher und wieso hast du ihn nicht bemerkt?!“ Ich finde der große Unterschied zu Kompass ist, dass Im Westen Nix Neues nicht so stringent ist. Der rote Faden ist dieses Mal sehr locker durch das Album geführt. Dadurch hört sich das Album je nach Stimmung sehr unterschiedlich an.

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      • Ares

        Dem kann ich nur zustimmen. Wenn ich so recht darüber nachdenke, ist in Kompass ohne Norden alles miteinander verknüpft gewesen, jeder Song hatte etwas mit den anderen zu tun. Wobei ich sagen muss, dass ich nie das Gefühl hatte, den gleichen „Kram“ nochmal zu hören. Da war in jedem Track eine Message, die verfolgt wurde und hinterher hat man gesehen, dass das Ganze ein Gesamtkonzept ergab. Nicht so oberflächlich und gewollt, eher unterschwellig, ja, wie ein roter Faden.

        Der fehlt bei Im Westen nix Neues aber nicht unbedingt, die Message ist einfach eine andere. Beide Alben haben ihre eigenen Stärken. Dass hier der Stil und der Inhalt dem letzten Album abweicht, finde ich aber durchaus interessant. Ein bisschen was altes, ein wenig neues, eine andere Message und weniger von der „großen Geschichte“. Stattdessen viele kleine – und nach mehrmaligem Hören auch durchaus brillante!

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