von Ines K.

Eine Bühne, ein Mikro und seine Gedanken.
Nur das hat der 18-jährige Poetry Slammer Oguzhan Dilbirligi, wenn er vor dem Publikum seine ganz persönlichen Texte und Geschichten beim Poetry Slam vorträgt. „Poetry“ ist Englisch und bedeutet Poesie. „Slammen“ bedeutet übersetzt so viel wie schlagen. Dies tut der gebürtige Kölner auch mit seinen melancholischen, aber auch politisch-kritischen Texten . Er spricht das aus, was jeder denkt, aber keiner sagt.
Angefangen zu schreiben hat der junge Künstler schon mit zwölf, damals jedoch noch kitschige Liebesgedichte für seine erste große Liebe. Heute versucht er, sein eigenes Ding zu machen und für sich zu schreiben. Er freut sich trotzdem, auch andere Menschen damit zu inspirieren.
„Jeden Text, den man schreibt, ist eine Unterschrift des Lebens“, philosophiert der Architekturstudent. Die Szene ist relativ jung. Die meisten Slammer und auch deren Zuschauer sind jugendlich. Es kann gerappt oder auch Texte und Kurzgeschichten vorgetragen werden.

Es gibt nur drei Regeln:
1. Der Text muss selbst geschrieben sein!
2. Es dürfen keine Requisiten oder Musik benutzt werden!
3. Der Auftritt muss in der vorgegeben Zeit (meistens 5 bis 6 Minuten) liegen!
Oguzhan beschreibt die Künstler oder auch die liebevoll genannten „Bühnenpoeten“ als „eine große Familie“. Und sie wächst. Jeder, der seine Gedanken vor einem  Publikum ausdrücken will, kann mitmachen.
In Mönchengladbach ist die Szene immer größer geworden. Mittlerweile finden jeden letzten Donnerstag im Monat Slams im Projekt 42 statt und auch beim Potpourri zeigen viele Bühnenpoeten, was sie bewegt. Letztes Jahr fanden sogar die NRW-Meisterschaften in Mönchengladbach statt.
Die Slams sehen von Veranstaltung zu Veranstaltung unterschiedlich aus und man weiß nicht immer, was auf einen zukommt. Slams im Dunkeln (hier ist es für den Künstler von Vorteil, seinen Text auswendig zu können), Zweierduelle oder spontane Slams, in denen man sich kaum vorbereiten kann. Doch das ist für den Poeten meistens kein Problem, der auch schon mit einem Text, den er zwei Stunden vor dem Auftritt geschrieben hat, einen guten Platz belegte.
Wer gewinnt, entscheidet entweder eine Jury oder auch die Zuschauer, die auf verschiedenste Weisen abstimmen können. Entweder mit einfachen Murmeln oder anderen Gegenständen, die für den jeweiligen Gewinner stimmen oder auch mit selbst mitgebrachten Gegenständen. Hier gewinnt derjenige, dessen Waage schwerer ist. „Einmal hat ein Zuschauer eine Waschmaschine mitgebracht, da stand sofort fest, wer gewinnt“, erzählt Dilbirligi.
Doch das Wichtigste bei der ganzen Sache ist ihm nicht das Gewinnen. „Es geht um den poetischen Erguss. Wichtig ist, nicht immer nur zu labern, sondern auch etwas zu machen. Ich möchte zu Dingen aufrufen.“ Die Quelle seiner Arbeit ist die Kreativität, die er nicht nur in seinen Texten auslebt, sondern auch beim Zeichnen und Harfe spielen. Poetry Slam bedeutet für ihn jedoch auch, neben seinem Text sich selbst zu verkaufen, ein bisschen wie im Theater. Man kann seinen Text schreien, leise vortragen oder rappen.

 

„Die Poesie ist eine Kunst, die auf den Zuhörer einwirken muss.“ Vorbild des kreativen Kopfs ist Schiller, der seine Gefühle, wie auch in seinem Lieblingsbuch „Kabale und Liebe“, ebenfalls stark ausdrückt. Sein Notizbuch hat Dilbirligi, wie Schiller selbst, auch immer mit dabei, um seinen mit Ideen und Gedanken vollen Kopf zu leeren und inspirierende Texte, vielleicht sogar für seinen nächsten Slam, aufzuschreiben.

 

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