Was hat Tinder eigentlich mit mir gemacht?

In erster Linie hat es wohl CandyCrush ersetzt. Der Zeitvertreib schlechthin: Wisch links, Biss vom Brot. Wisch links, ein Programm weiter schalten am TV. Oh! Wisch rechts, eben Haare föhnen.

So langsam tut mir die Hand weh, kann als Rechtshänderin aber sogar schon mit Links wischen, bin geschult, auf was für Merkmale ich achten muss und kann schon am ersten Bild entscheiden, ob ich mit dieser Person gute Gespräche führen kann oder nicht. Klopfer auf meine Schuler als Lob nehme ich gerne entgegen! 😁
Aufgrund meiner gewachsenen Tinder-Professionalität kann auch schnell aussortiert werden. Heißt aber auch: SuperNopes können direkt erkannt werden. 20 SuperNopes in Folge lassen den Glauben an nette Menschen in der Umgebung schwinden, 40 Stück haben mich schon dazu gebracht, den Umkreis von 18km auf 26km zu vergrößern und bei 50 wirklich fatalen Tinder-Profilen hört der Spaß auf! „Ich habe heute leider kein Match für dich!“ Jetzt erst einmal ein Nutella-Toast. 😑 Reizbarkeit: Level 1000!

Im Real-Life ist meine Nase höher denn je. Denn, oh ja, wenn ich wollte könnte ich mit meinen 16 Superlikes JEDEN haben! Ich sitze in der Bahn gegenüber von einem eigentlich ganz passablen Typen und alles was mir dazu einfällt ist „Um Gottes Willen, NOPE!“ und der Gedanken, dieses Bild vor mir krampfhaft nach links zu wischen. Und Jungs, vor deren Schönheit ich mich vorher verbeugt hätte, bekommen von mir ganz easy ein mentales „Like!“ und vielleicht ein kleines Zwinkern zugesteckt. „Hey Baby, auf Tinder hätten wir locker ‚n Match“ könnte es mir über die Lippen flutschen. 💁

Tut es aber natürlich nicht. Bin immer noch die Gleiche wie vorher, kenne zwar ein paar Leute mehr in meinem Umkreis und meine Screeshot-Sammlung ist um einiges gewachsen: Zum einen mit Bildern von ganz netten Anblicken, bereit, um mit dem Titel „Und, wie findeste den?“ verschickt zu werden – zum anderen aber mit wirklich weirden Profilen, für die ich keine Worte finden konnte (dafür Teil IV…) – Aber im Großen und Ganzen bin ich halt einfach immer noch Single, um keinen Verehrer reicher und der Spaß wuchs nur an den unsinnigen Texten, die über Tinder verschickt wurden!

Eins hat mich Tinder aber trotzdem wieder bewiesen: Jungs sind Jungs! (Hihihihihihi) Redselig, spontan, kreativ und interessant! (Achtung, leichte Ironie)

Das wohl interessanteste Gespräch! – Ja, ich gebe zu, ich war ebenfalls nicht sehr redefreudig. Denke, das beruht auf… Gegenseitigkeit? 😀 Aber schön, dass du mir noch einmal geschrieben hast

 

Ich und meine Selbstdarstellung? Wie kommt was eigentlich an? Jetzt wird es statistisch und sehr platonisch:
Das Profil, auf welchem ich ein lachendes und ein schmunzelndes Schwarz/Weiß Bild habe, bekam zwar viele Likes, aber nur bescheuerte Nachrichten. Qualitativ hochwertiger dagegen waren die Reaktionen auf das Profil der dritten Woche: Das Schwarz/Weiß-Bild wurde durch mich beim Reisen und durch mich am Rhein ersetzt. (Yaay, mal keine Selfies!) Das, was dabei an Matches und Gesprächen heraus kam, war deutlich besser! Aber vom Klientel her auch irgendwie älter.

Und auch meine eigenen Gedanken:

Ich habe Angst, ein bisschen Schizophren zu sein, weil ich mich einfach ständig meinen Gesprächspartnern anpasse. Du isst gerade Joghurt? Okay, hey, ich habe eben auch Joghurt gegessen! Du reist viel mit einem Rucksack? Klar, hey, schon gewusst, dass ich Pfadfinder bin? Der Typ ist eher mit einem Koffer unterwegs? Na klar, ich auch – Koffer über alles!

Ich glaube aber, das macht man wirklich immer: sich anpassen. Aber so richtig bewusst ist es mir erst hier geworden. 5 Chats gleichzeitig: Einmal bin ich die Coole und schreibe Sachen wie „Ja, ne, also ich fahre auch immer mit dem Longboard zur Arbeit“, der Nature-Lover („Ich genieße jede Minute, die ich an der frischen Luft sein kann!“), oder die Süße: „Ja, finde dich auch mega nett. Meld dich total gerne mal, wenn du in der Nähe bist! Würde mich total freuen“. In zwei anderen Chats versuche ich zeitgleich zum einen den lustvollen Lurch darin zu belehren, dass ich WIRKLICH schwer zu haben bin („Oha, wer ist denn bitte schon alles auf diesen Anmach-Spruch reingefallen? Haha“) und den zweiten lustvollen, aber relativ gut aussehenden Mulch gespannt zu machen: „Kann mir auch vorstellen, dass wir uns in der Horizontalen ganz gut verstehen können ;)“  SCHLUSS NUN. ☝️

Schizophren

Klar, eigentlich wissen die Matches nicht mehr über mich, als irgendein Rheinbahn-Fahrer, bei dem ich mich bedanke, dass er die Tür noch offen hält, weil ich zu langsam bin – aber zu wissen, DASS eventuell Interesse bestehen könnte, einfach aufgrund dessen, wie ich auf 3 Fotos (die wirklich nicht gephotoshopped sind) wirke und im Chat nach 5 Sätzen herüber komme, schmeichelt mir. 🙉
Ich hoffe, Du packst Dir jetzt nicht an den Kopf und lachst mich aus: Ich lege es Dir herzlich ans Herz: Meld Dich einfach mal aus Jux an! Kannst ja auch den Grund vorschieben, dass eine aus dem Internet gesagt hat, dass man es einfach mal ausprobieren soll – ist ja auch vollkommen legitim! 🚀

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