Ich werde euch in den nächsten Wochen jede Woche eine psychische Störung vorstellen, damit ihr vielleicht ein Bild bekommt, wieso Begriffe wie „Modekrankheit“ falsch sind und was wirklich dahinter steckt: Heute ist Anorexia nervosa – die Magersucht – dran.

Warnung: Der folgende Text könnte triggernd sein, wenn ihr also leicht beeinflussbar seid, bitte ich euch, nicht weiter zu lesen!

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Menschen mit verschiedenen Problemen kennengelernt. Das hat meinen Blick für viele Krankheiten geöffnet. Früher dachte ich auch bei Magersucht, dass die ja einfach nur dünn sein wollen, dabei steckt viel mehr dahinter. Der Einfachheit halber werde ich die Magersucht-Erkrankten in diesem Text Aileen nennen. Natürlich gibt es auch Männer, die Magersucht haben können, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, an Anorexie zu erkranken bei Mädchen größer. Außerdem habe ich in meinem Leben nur Frauen mit dem Problem kennen gelernt.

So eine typische Aileen gibt es eigentlich gar nicht. Die Gründe, wieso sich eine Magersucht entwickelt, sind vielfältig. Was man auf jeden Fall sagen kann: Wenn sie in den Spiegel guckt, dann sieht sie keine fette Frau, sondern eine dünne Frau. Aber ihr Kopf sagt ihr im gleichen Atemzug: „Aileen, wir wissen beide, dass du fettes Miststück noch dünner sein könntest.“ Das wirklich Gemeine an der Krankheit ist, dass sich so eine Aileen den ganzen Tag nur mit Essen beschäftigt. Wie vermeide ich Essen? Welches Essen hat möglichst wenig Nährstoffe? Wie viele Kalorien habe ich zu mir genommen? und so weiter und so fort.

Habt ihr schon mal versucht, etwas zu lassen, wenn ihr ständig darüber nachdenkt? Wenn ja, dann versteht ihr, wie schwer die Krankheit ist. Magersucht hat nichts damit zu tun, irgendeinem medialen Schönheitsbild zu entsprechen, es hat damit zu tun, dass das eigene Schönheitsideal und vor allem das eigene Selbstbild völlig gestört ist. Aileen sieht in ihrem Spiegel eine schlanke Frau, aber sie nimmt sich als fettes Monster wahr. Sie konzentriert sich auf die Zonen, wo Fett ist, weil es da sein sollte: Hüften, Oberschenkel, Brüste. Die Krankheit hat also wesentlich mehr mit einer gestörten Wahrnehmung zu tun als mit dem Drang, wie die Models auszusehen. Was Magersucht so gefährlich macht, ist nicht zwangsläufig der starke Gewichtsverlust, sondern die Methoden, diesen herbeizuführen. Einerseits hungert so eine Aileen, also sie weigert sich, so viel zu essen, wie ihr Körper braucht. Das ist gefährlich, da dem Körper so die Nährstoffe fehlen, um richtig zu funktionieren. Die andere Methode ist übertriebener Sport bei zumindest regelmäßiger (wenn auch meist zu geringer) Nahrungsaufnahme. So bekommt der Körper zwar Nährstoffe zugeführt, diese werden aber sofort in die sportliche Betätigung geführt. So kann der Körper trotzdem nicht richtig arbeiten. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 leiden in Deutschland 0,3% der Männer und 1,1% der Frauen zwischen 18 und 79 an Anorexie. Das mag zwar so nicht viel klingen, allerdings sind das immer noch alleine ungefähr 460.000 Frauen, die an einer solchen Krankheit leiden.

Das Problem von Aileen ist auch gar nicht, dass sie sich zu dick findet, sondern, dass sie Kontrolle braucht. Daher wird das gesamte Selbstwertgefühl davon abhängig gemacht, wie gut man sein eigenes Gewicht kontrollieren kann. Darum wird alle Energie darauf konzentriert. Das dünn sein ist also nur eine Folge der Krankheit und gar nicht die Krankheit selber.

Solltet ihr an diesem Problem leiden oder Bekannte haben, die darunter leiden müssen, dann schaut euch doch mal magersucht.de an. Gerade bei dieser Krankheit ist eine frühe Erkennung und Hilfe wichtig, da vor allem bei einem Auftreten in der Pubertät die Krankheit die körperliche Entwicklung stark beeinträchtigen kann.

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