Ich denke, spätestens nach Hennings Version von „Aushalten“ war jedem klar, dass ich Rap-Fan bin. Daher war es für mich nur selbstverständlich, mir das „Zuhältertape 4“ von Kollegah im Box-Set vorzubestellen. Als ich dann Freitagnacht um 0 Uhr die Benachrichtigung bekam, dass die MP3-Version zum Download bei Amazon bereit steht, wusste ich, dass der Freitag ein guter Tag wird. Also runtergeladen und direkt angemacht, als ich morgens das Haus verlassen habe.

Bereits das Intro hatte mich gehookt. Denn der Beat ist sehr angenehem und passt perfekt auf die Stimme des Zuhälterrappers, wie sich Kollegah ja gerne nennt. Das Album ist wieder sehr nah am Flow der ursprünglichen Zuhältertapes, was Kollegah aber gar nicht schlecht findet.

Zuhältertape 4, schon vor 10 Jahren der selbe Sound,
Ich erfind das Rad nicht neu, doch hau paar Platinfelgen drauf
– Kollegah – „Blutdiamanten“

Er zeigt auf dem Album eine Mafia-Welt, die von Gewalt und Korruption geprägt ist. Obwohl die wenigsten Kollegah-Fans in so einer Welt leben, ist es vergleichbar mit Leuten, die Breaking Bad feiern. So wie bei Breaking Bad eine Parallelwelt gezeichnet wird, tut Kollegah das seit 10 Jahren und seiner „Sign mich oder Fick‘ dich“-Mail, die für ihn und Selfmade Records (ein Düsseldorfer Label übrigens) mehr als gut ausgegangen ist. Die interessantesten Tracks auf dem Album sind wohl „Kool & The Gang“, „John Gotti“ und „V.I.P.I.M.P.“ Die hatten für mich allesamt sehr viel Ähnlichkeit mit den Classic-Songs von Bushido und Shindy. Allerdings hat es Kollegah besser geschafft, sich den Beat zu eigen zu machen, wodurch man bei ihm mehr auf den Text hört – was ja seine größte Stärke ist. Die Beatauswahl ist insgesamt ähnlich, basslastig und eben perfekt für Rap. Allerdings zeigt er auf dem Zuhältertape nicht nur, dass er der größte Zuhälter der Welt ist, sondern auch eine melodischere Seite seiner Musik. Das beste Beispiel hierfür wäre wohl V.I.P.I.M.P.

Ich bin kein V.I.P., ich bin V.I.P.I.M.P.
Guns unter Pythonschlangenmänteln
Gefühle werden von mir strikt als Mythos abgestempelt
Bitch, ich bin kein V.I.P., ich bin V.I.P.I.M.P.
Der unerreichte Mac zeigt dir Tunte kein Respekt
Links ne Gun und deine Mama an der Hundeleine rechts
– Kollegah – „V.I.P.I.M.P.“

Das ist der vermutlich melodischste Track auf dem Album und es ist tatsächlich ein sehr witziger Track. Außerdem baut er auch hier wieder seine fast unübertroffenen Double-Time-Skills ein, um mal wieder alles zu zerreißen. Interessant ist auch, dass das Album überhaupt veröffentlicht wurde. Aber so wie man Kollegah kennt, wird er das mit Farid zusammen auf JBG3 wieder eine Stufe nach oben heben. Mal gucken, ob das dann auf den Index wandert.

Einen Blick hinter die Marke Kollegah liefert wohl der Track Genozid, auf dem er seinen Werdegang von seinen Battle-Rap-Tagen bis zu „King“ und nun auch zum „Zuhältertape 4 “ aufbaut. Darin erwähnt er auch, wie er in seinem ersten Studio in Flingern seine ersten Tracks mit Rizbo (Kollegahs Haupt-Produzent) zusammen aufgenommen hat. Außerdem macht er mehrere Verweise auf seine Mutter.

Bevor ich Autos kauf‘, badet meine Mum haushoch im Cash
Unterwegs mit der deutschen Bahn
Und meine Mutter weinte, als ich ihr den Koffer mit den Zehntausend Euro gab
– Kollegah – „Genozid“

Niemals! – Ich werd auch, wenn ich im Knast wohn, krass flowen
Denn ich marschier weiter so lang meine Mutter nicht in ’nem Palast wohnt
Ich weiß, dass du diesen Track hörst, Mama
Die 120.000 für dich waren nur der Anfang.
– Kollegah – „Genozid

Und spätestens da wird auch dem letzten klar, dass Kollegah nur eine Rolle spielt. Jemand, der seine Mum so sehr liebt – und da hat Kolle eine große Gemeinsamkeit mit Shindy – und erst aufhört, wenn seine Mutter für den Rest ihres Lebens abgesichert ist, der kann Frauen gar nicht so sehr hassen.

Die Box

Da ich ein sehr großer Raphead bin, habe ich mir die Box gekauft. Ich muss sagen, die Inhalte gefallen mir. Einerseits ein Dobermann-Shirt (in Referenz zu Hoodtales IV und Dobermanns&AKs), außerdem der offizielle 19-seitige Hoodtales IV-Comic, der von Kollegah getextet und gezeichnet wurde. Ich muss sagen, der Kerl hat echt Talent.

Inhaltsbeschreibung gefällig? „Hoodtales IV erzählt eine Episode aus dem turbulenten Leben eines Hoodbosses, die stellvertretend zeigt, dass es bei jeder Widrigkeit, jedem Hindernis, das sich einem jungen Hustler auf seinem steinigen Pfade auch in den Weg stellen mag, immer eine vernünftige humane Lösung gibt.
Eine fesselnde, philosophisch angehauchte und moralisch wertvolle bebilderte Kurzgeschichte mit unerwarteten Wendungen für Jung und Alt.“

Das klingt ja schon heftig – aber er wird dem Inhalt in feinster Zuhältertape-Manier gerecht. Das für mich wichtigste waren aber sowohl die Lost-Tapes-CD, auf der bisher unveröffentlichte Kollegah-Tracks zu finden sind und etwas, das heute sehr selten ist: Ein Textbuch. Aus irgendeinem Grund hat Deutschrap irgendwann entschieden, die Druckkosten zu sparen und keine Textbücher mehr zu veröffentlichen. Schade eigentlich, da sind Bushido, Shindy und eben Kollegah Vertreter einer beinah ausgestorbenen Art. Das ist aber ein gutes Zeichen, wenn einer der größten deutschen Rapper das nun auch wieder macht. Insgesamt ist die Box ihr Geld – für mich – wert gewesen und das Album werde ich definitiv häufiger hören.

Fazit

Was kann man über das „Zuhältertape 4“ sagen? Es zeigt, dass alles eine Frage der Attitüde ist. Wer hätte 2004 gedacht, dass jemand mit dem Namen Felix Antoine Blume irgendwann der größte Gangster-Rapper Deutschlands wird? Außerdem geht er den Weg, den er mit „King“ begonnen hat, konsequent weiter. Eine Kombination aus melodischen und harten Tracks, aber ohne, dass er sich irgendwann einmal zu weit von der Zuhältertape-Art entfernt. Definitiv für mich das beste Gangster-Rap-Album in 2015.
Kleiner Kommentar zum Schluss. Die ganze Zeit beim hören hatte ich eine Zeile von Prinz Pi im Ohr, die auf Kollegah auch zutrifft.

Meine Bibel hat sechs Worte:
Ich bin tight, ihr seid whack!
-Prinz Pi – „Keine Liebe“

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