Von Ameli M.

Für die Meisten beginnt Karneval mit Weiberfastnacht und hört am Rosenmontag wieder auf. Für mich beginnt Karneval am 1. April und endet frühestens am Aschermittwoch.

Warum? Ich bin Funkemariechen und an und vor Karneval schwer beschäftigt.

Kaum sind die letzten Kamellen im Straßenzug verworfen, fängt auch schon das Training für die nächste Session an. Von April an beginnen die Gruppe und ich zweimal die Woche zu trainieren. Die neuen Tänze müssen erstellt und einstudiert werden. Aber auch die Kondition und das Krafttraining müssen sitzen. Denn einen peinlichen Auftritt möchte keiner von uns auf die Bühne bringen. Je nach Länge der Session haben wir um die 80 Auftritte in der „jecken“ Zeit.

Vor dem ersten Auftritt am Abend ist spätestens eine halbe Stunde vorher Treffen, dann wird sich warm gemacht, gedehnt und die letzten Änderungen besprochen. Und schon geht’s los. Ein Lächeln ins Gesicht und es ist Showtime.

Je nach Zeitplan des Abends wird es aber dann schon stressig: Auf die Bühne, von der Bühne, direkt in den Bus und weiter geht’s. Unsere Trainerin und Betreuerin wird im Bus ganz schön eingespannt, sofort werden Nadel und Faden gezückt und die Wunden geheilt. Denn gar nicht zu selten fliegen die Knöpfe ab oder die ein oder andere Hose reißt.

Leider kann es aber auch immer wieder zu Verletzungen kommen. Von blutender Nase bis hin zum gebrochenen Bein war schon alles dabei. Deswegen ist Alkohol für uns während und zwischen den Auftritten strengstens verboten.

Doch das Tanzen bedeutet für uns nicht nur Schweiß, Anstrengung und Schmerz, sondern vielmehr Liebe, Lachen und Freundschaft. Karneval ist eben, wie der Kölner sagen würde, ein Hobby mit „Hätz und Sil“. Durch die viele Zeit, die wir alle so intensiv miteinander verbringen, sind wir wie eine große Familie. Das müssen wir auch sein, denn durch die unterschiedlichen Hebungen und Würfe brauchen wir gegenseitiges Vertrauen. Das hat sich schnell entwickelt.

Später am Abend ist dann auch Auftritt fünf geschafft und für uns heißt es dann endlich auch anstoßen und feiern. Dazu fahren wir natürlich ins Kölner „Jan von Werth“. Hier trifft man alle Karnevalstänzer, die „Feierabend“ haben . Einen Vorteil muss es als Tanzmariechen natürlich geben. Nur, wer eine Uniform trägt, darf das Lokal in der Karnevalszeit überhaupt besuchen.

Das ist auch immer ein guter Ort, um sich über Veranstaltungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Aber auch um den Abend bei Musik und Bier ausklingen zu lassen.

Besonderes Lampenfieber herrscht dann auf unserer eigenen Prunksitzung. Alle Freunde und Verwandte haben sich eine Karte gekauft, sitzen kostümiert am Tisch und warten auf uns. Naja, es sind nicht alle NUR wegen uns da, natürlich werden auch die großen Karnevalsbands wie Höhner, Brings und so weiter auftreten. Diese Sitzung ist für uns immer ein karnevalistisches Highlight im Jahr. An dem Abend können wir mit all unseren Liebsten und anderen Gästen lachen, singen und schunkeln. So eine Sitzung ist auch immer ein guter Anlass, um besonders engagierte Mitglieder zu ehren und Danke zu sagen.

Weiberfastnacht & Co. rückt immer näher. Für uns die stressigste, aber gleichzeitig auch die schönste Woche im Jahr. Urlaub nehmen oder sich in der Schule entschuldigen lassen ist ein Muss für jeden Karnevalstänzer. Donnerstags treffen wir uns schon früh morgens zum gemeinsamen Frühstück. Ein letztes Zöpfe flechten und Lippenstift nachziehen und schon hält der Bus vor der Tür, der uns zu unseren rund 15 Auftritten an diesem Tag fährt. Erfahrungsgemäß spüre ich ab Auftritt fünf meine Beine nicht mehr. Um ca. 18 Uhr haben wir es dann geschafft und kommen in unserem vereinseigenen Funkenkeller an. Dort sind dann immer alle Freunde und Verwandte eingeladen und können mit uns feiern.

Karnevalsfreitag ist dann, wie es der Name schon sagt, mein freier Tag und ich kann mit meinen Freunden in „zivil“, beziehungsweise kostümiert am Straßenkarneval teilnehmen.

Und schon ist er da – der Tag auf den wir das ganze Jahr lang warten: Rosenmontag! Wieder einmal wird sich morgens getroffen und gemeinsam fertig gemacht und gefrühstückt. Traditionell gibt es an Rosenmontag immer ein Erbsensuppen-Frühstück. Denn für den langen Zug müssen alle gut gestärkt sein. Jetzt noch schnell alle Zwiebelschichten anziehen und schon geht’s auf zum Treffpunkt.

Auf dem Weg zum Start des Rosenmontagszuges trifft man schon die ersten Kinder, die einen guten Platz am Rand ergattern wollen.

Vor dem Zug sieht der Startpunkt aus wie eine kleine Karnevalsstadt. Alle großen Wagen der Vereine stehen hintereinander aufgereiht. Es herrscht immer wieder gute Laune und es ist laute Musik zu hören. Ich kämpfe mich durch die „Karnevalsstadt“, bis ich endlich den Wagen von meinem Verein erreicht habe. Alle Karnevalisten wünschen sich viel Spaß und dann rollt auch schon der erste Wagen an.

Es ist endlich soweit und ich kann all die Süßigkeiten in Menge werfen. Man hört nur noch „Kamelle“ „Alaaf“ oder „Bützje“.

Der Rosenmontagszug macht uns allen immer besonders viel Spaß. Doch jedes Mal bin ich dann auch froh, wenn wir es geschafft haben. Dieser Tag wird auch wieder mit einer großen Abschiedsparty im Funkenkeller beendet, zu der immer alle Zugteilnehmer- und Zuschauer eingeladen sind.

Sobald ich zu Hause angekommen bin, hänge ich die Uniform in den Schrank und gehe ins Bett und träume schon von der nächsten Session.

Ruckzuck ist der 1. April und es geht schon wieder von vorne los…

 

 

 

 

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