Am Ende ist er wieder da, der Bond-Charme. Wenn Daniel Craig in der Schlusszene mit dem Aston Martin DB5 untermalt vom Bond-Theme gen Horizont fährt, fühle ich dieses alte, schöne Bond-Feeling wieder. In den gut 130 Minuten vorher ist davon allerdings nicht viel zu merken.

Für mich hatte James Bond immer etwas mit Eleganz, Charme und Unbesiegbarkeit zu tun. Diese Unbesiegbarkeit bröckelt spätestens seit Skyfall. Aber dass auch die Eleganz und der Charme darunter leiden, ist schade.

Im Vorfeld des Films wurde angekündigt, der typische Humor der älteren Filme der Reihe würde mehr in den Vordergrund gerückt. Dies geschieht allerdings eher krampfhaft. Hatte Bond nach der Erledigung eines Gegenspielers immer einen lockeren Einzeiler parat, wirken diese in „Spectre“ eher gewollt lustig als voller Charme.

Aber kümmern wir uns erst einmal um die positiven Sachen in „Spectre“. Dabei zu nennen ist die Action, die, egal ob am Boden, an Wasser oder in der Luft immer kurzweilig ist und mit einem Flugzeug-Stunt etwas auf die Leinwand bringt, was ähnlich wie der Auto-Stunt in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ oder die Panzerverfolgungsjagd in „Goldeneye“ eine bleibende Erinnerung an „Spectre“ bilden könnte. Die Kampfszenen sind hart, so wie man es von Craigs Bond kennt, aber sie sind nicht willkürlich. Sie verlagern das Geschehen geschickt an andere Schauplätze, treiben die Spannung hoch und sind sehr gut inszeniert.

Womit wir beim Thema Schauplätze wären. Auch dieses Mal gibt es wieder wunderschöne und exotische Orte, ganz nach Bonds Geschmack. Sei es Tanger in Nordafrika, Altausee in Österreich, Rom oder Mexiko-Stadt, die Orte passen perfekt zu James Bond und zur Grundstimmung des Films, immer schwankend zwischen Depression und Größenwahn.

Ein Schwachpunkt des Films ist die Aufmachung. Weder die Musik noch die Bildunterschriften oder Kameraeinstellungen vermitteln bei mir das Gefühl, ich guckte den 24. Bond-Film. Es kommen fast keine klassischen Bond-Themes vor, wenn überhaupt ein Sample in abgewandelter Form. Ich finde das schade, weil es so viele schöne Kompositionen gibt, die man hätte verwenden können, auch für düsterere Filme. Der Film wirkt von der Musik, von der Aufmachung her wie ein 08/15-Actionfilm. Schade!

Auch die Geschichte des Films ist ein Kritikpunkt. Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, dass es um Bonds Vergangenheit geht. In diesem Teil der Reihe aber wirkt die Story undurchdacht und zusammengewürfelt. Der Bösewicht hat keine wirkliche plausible Motivik, jedenfalls wird diese nicht erklärt. Auch die Zusammenhänge aller Daniel-Craig-Filme wirken in aller Eile ausgedacht und zusammengesetzt. Irgendwie lieblos nach dem Motto „Das würde ja gut passen, wenn das jetzt so wäre, dann machen wir das so“. Dies ist schon etwas traurig, wenn man bedenkt, welches Potenzial in der Vergangenheit des Agenten ihrer Majestät steckt. Hat das Konzept des Wühlens in Bonds Vergangenheit in den vorangegangenen Filmen noch prächtig funktioniert, scheint es hier eher gezwungenermaßen in die Story eingebaut worden sein. Es wirkt, als müssten Regisseur Sam Mendes und die Produzenten Michael Wilson und Barbara Broccoli etwas krampfhaft, und da wären wir wieder beim Thema, zu Ende bringen.

So schwach die Hauptstory ist, so gut ist das Ende. Es entschädigt für vieles, wenn nicht sogar für alles, was vorher passierte. Bis zum finalen Showdown kommt der Film nie richtig in Fahrt, auch wenn es immer wieder gute Sequenzen gibt. Das Finale ist zu Beginn eher ein perfides Versteckspiel, ähnlich wie der Showdown zwischen Roger Moore und Christopher Lee in „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Danach ist es aber das gewohnt actionreiche Finale, was mich als Zuschauer dann doch zufriedener aus dem Film gehen lässt. Vor allem, weil ich ihn am Ende doch noch spüre, den alten Bond-Charme.

Fazit: Der Film besticht durch tolle Schauplätze, ein sehr gutes Ende und klasse Action, er enttäuscht mit dem krampfhaften Humor, einer undurchdachten Story und einer lieblosen Aufmachung. Es ist ein guter Action-Film, aber nur ein mittelmäßiger James Bond.

 

 

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