Am 15.06.2016 fand im Walter-Eucken-Berufskolleg in Düsseldorf-Bilk ein von der Abschlussklasse der Medienkaufleute organisierter Poetry Slam statt. Aus sieben Klassen trugen in drei Runden verschiedene junge Menschen ihre Texte vor. In der Vielfalt dieser Texte fanden sich interessante Themen – lyrischer, komödiantischer oder Musiktexten nachempfundener Natur – sowie beeindruckende Gedankengänge wieder, während für die Meisten dieser Tag zudem ein Bühnendebüt war. Nach einer gelungenen Veranstaltung mit viel Spaß und Applaus werden in nächster Zeit einige der vorgetragenen Texte ihren Weg auf die Scribez-Leinwand finden, in Text- und Videoform. Seid gespannt auf das, was kommt, bald gibt es mehr!

Meinen Text könnt ihr hier schon heute lesen. Wer lieber auf das Video warten will: Dieses wird ergänzend zum Text in nächster Zeit unter dem Beitrag veröffentlicht. Viel Spaß!

Stell dir vor du würdest in einer Welt leben, die nicht real ist / in der alles, was du für wahr hieltest, surreal ist / in der alles, was du wusstest, nichts mehr wert ist / und alles, was du glaubst der Wahrheit entspricht.

Stell dir vor, wir säßen alle im Kreis; und jeder würde eine Geschichte erzählen / frei erfunden; in ruhigen Stunden, heruntergebrochen auf ein paar Sekunden / nur um einmal von der Realität Abstand zu nehmen; und dich in seine Welt einzuladen / in der Absicht, dich mit Träumen zu verzaubern – weil wir alle Träume haben.

Und Träume, finde ich, sind es wert, geträumt zu werden / in Friedensmomenten und in Krisenherden / an Feiertagen und in Doppelschichten / ob wir nun Trauer Tragen oder Freude sichten / in goldbehängten Sälen und an Zimmermannstischen / nur um der Wirklichkeit eins auszuwischen.

Stell dir vor, ich wäre es, der dir diese Geschichte erzählt / in einer anderen Welt, von anderen Welten / von denen man eigentlich nur erzählt wenn / man betrunken ist, müde, oder high / aber jetzt, ganz nüchtern, bist du dabei.

Und bevor es losgeht, zähle ich: Eins… zwei… drei.



Das Problem mit Träumereien ist, dass sie nie von Dauer sind / dass Geschichten eben nur Geschichten sind, gemacht, um uns in ihnen zu verlieren, und dem zu entkommen, was uns Woche für Woche in die Knie zwingt / was, mit Pauken- und Trompetenschlägen in unsere in Kissen gebetteten Köpfe dringt.

Wenn der Tag uns aus dem Schlaf reißt / der Wecker uns aus dem Bett schmeißt / wenn der Kalender wieder Unheil verheißt / weil da Montag steht… und das ganze Chaos wieder von vorn losgeht.

Und wir jammern und fluchen / während wir vorm Auto noch den Schlüssel suchen / bevor wir dann aufgeben und merken dass das verdammte metallene Ding das uns die Türen in unsere eigenen Welten öffnet die ganze Zeit in der Hand lag / aber abgelenkt vom Alltag irgendwie nie so wirklich da sein mag, wo wir es vermuten.

Wenn wir im Stau stehen und die Autos zählen / die uns für die nächste halbe Stunde mit Stillstand quälen /

wenn wir nach würdelosem Warten ins Arbeitsleben starten / und uns Verantwortung und all die Fragen wortlos überragen, dann zweifeln wir…

Dann sind Träume nur Schäume und Gedanken Illusionen / dann sind‘s Gesetze und Variablen die in unseren Schädeln wohnen.

Dann starren wir die Fenster an und das was darin thront / ist die freie weite Welt so unantastbar ungewohnt / weil das Bild was wir dann eben jeden Tag vor Augen haben / Windows 7 oder 10 ist und dazu ein dutzend… Aufgaben.

Während wir Buchstaben in Tastaturen hämmern und die Hände vom Schreiben schmerzen / und wir gerademal 30 Minuten übrig haben um in der Pause ein wenig zu scherzen.



Aber so ist das Leben, könnte man sagen / blieben da nicht Millionen weiterer Fragen.

Und Fragen? Bringen Zweifel; das sollte jeder wissen / doch ein bisschen Träumerei wollen wir dabei auf keinsten missen / und so gehen wir nach Feierabend nicht mehr aus dem Haus / und schlafen lieber wie im Vollrausch bis zum frühen Abend aus / dann ist der Tag wieder vorbei und das Geschrei ist wieder groß / und man fragt sich wo bleibt zwischen alldem meine Freiheit bloß?

Und wenn mir diese Gedanken dann am späten Abend kommen / taumel ich zurück ins Bett vom Mittagsschlaf noch halb benommen / um dann doch nur wach zu liegen / und fast keinen Schlaf zu kriegen / Aber was ist schon dabei… Wo war ich? Eins… zwei… drei? Vier… fünf… sechs… sieben… / Bin ich doch nur noch für einen Augenblick im Wachen geblieben? / Mich umgesehen und ungesehen vom fernen Ufer abgetrieben? / Ja.

Und so lasse ich die Wirklichkeit dann doch im Regen stehen / um dann erhob‘nen Hauptes immer weiter Richtung Ziel zu gehen / und Pfade winden sich durch jeden Winkel dieser Welt / mit tausend Türen von der jede einen and‘ren Traum enthält. / Hinter jeder warten wundersame Weiten die entzücken / und die Illusion der Wünsche greifbar nah ins Licht verrücken / dort wo grenzenlose Wälder selbst in toten Wüsten wachsen / und die Städte ferner Länder in Pralinenschachteln passen / wo die Herzen aller Menschen ihren eignen Rhythmus schlagen / ohne Tag um Tag den Gleichklang der Gesellschaft zu ertragen / wo man frei ist – ohne das Ende des Horizonts zu sehen / wo man wirklich frei ist: Alles zu tun, alles zu lassen, und überall hin zu gehen.

Aber irgendwo trifft jeder wieder auf die Wirklichkeit / und mit der Zeit verblasst der Traum in dunkelster Vergangenheit / dann liegt ein Nebelgewand auf dem Bilderbücherland / und Wörter und Seiten verlaufen wie Regen im Sand



Und ich wache auf, bin wieder hier, In der echten Welt / und kann nicht mehr tun und lassen was mir eigentlich gefällt / und Ja, ich bin Zweifler – und ein sehr guter eigentlich / und selbst mit Wünschelrutennavi fände ich die Sonne nicht / denn all die grau gebrannten Mauern, sie versperren mir die Sicht / die leise Hoffnung bleibt mir aber… auf ein allerletztes Licht.

Denn gegen Windmühlen zu kämpfen, ist zwar lyrisch und dramatisch / aber wenn ich weiter Träume werde ich bald Soziopath; ich / bin ein Tagträumer, der seine Fantasie nie loslassen will / erfinde grandiose Geschichten ist‘s ‘ne Sekunde lang still.

Werde mein ganzes Leben lang Illusionen hinterherhängen / wie Seefahrer Sirenen und ihren Singstimmenklängen. / Irgendwann muss aber jeder seine Träume fallen lassen / um dann ein für alle Mal in der Wirklichkeit Fuß zu fassen.

Und ich? Wenn ich nicht mitziehe… ist‘s irgendwann zu spät / dann werd ich nicht mehr wissen wie man in der echten Welt lebt / dann werd ich ewig weiter zweifeln und die Fragen werden bleiben / Während die Bilderbücherwelten in der Dunkelkammer treiben. / Also nehm ich meine Träume und Gedanken mit in die Realität / denn noch… ist es nicht zu spät.

Was bleibt mir dann aber, zwischen Bergen aus Beton / in deren Dachgeschosswohnungen Depressionen wohn‘. / Was bleibt mir, zwischen all dem Müll gestapelt in Gassen / zwischen all den ganzen Menschen die sich gegenseitig hassen / wo Straßen alles pflastern und der Erde den Atem rauben / und ihre Kinder nur auf sich schaun und an nichts mehr glauben / wo Macht mehr Wert hat… als Poesie / und das Gedankengut unserer Fantasie. / Was mache ich dann? Wenn ich nicht mehr weiß wohin…



Einstein sagte mal Fantasie sei wichtiger als Wissen / denn Wissen ist begrenzt / und letztendlich ist nicht immer alles Gold was glänzt.

Was die meisten nämlich vergessen: die Erde hält die Balance / und wenn man seine sieben Sachen packt und aufwacht aus der Trance / Kann man die andre Seite sehn und auch dort den Traum entdecken / und alle Wahnwitzfantasien an fernen Stränden neu erwecken

Wenn zwischen Hagelkaskaden und Nebelschwaden / lichtbrechende Regentropfen den Himmel bemalen / werd ich auf Meeren, auf Wolken, auf Straßen und Gleisen / alle Ecken und Enden dieser Erde bereisen / dann wird der einstige Traum zur jetzigen Wirklichkeit / und kein Gedanke wird mehr verschwendet an verfliegende Zeit.

Dann werd ich reisen, vom einen zum anderen Ende der Welt / dann werd ich alles sehn und tun und lassen, was mir gefällt / denn es gibt viele schöne Länder und noch viel mehr schöne Leben / und vielleicht bleibe ich irgendwo da draußen einfach kleben. / Das ist offen, ich finde, wir sollten es einfach wagen / dann beantworten sich irgendwann auch all unsere Fragen.

Man muss sich nur trauen, auf die eignen Stärken bauen / eigne Schwächen akzeptieren / ohne sich darin zu verlieren. / Und dann… Eines Tages…

Wird die ganze graue Gegenwart verblassen / eines Tages kann man dann auch alte Ängste fallen lassen / eines Tages werde ich aufstehen und gehen / und zähl ein allerletztes Mal noch… acht… neun… zehn.

Und wenn ich zurückkomme… werde ich all meine Geschichten erzählen.

Kommst du mit?

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