Ich will Spaß, ich geb’ Gas! „Mein Maserati fährt 210. Schwupp, die Polizei hat’s nicht gesehn’. Das macht Spaß. Ich geb Gas, ich geb Gas. Will nicht sparen, nicht vernünftig sein. Kommt nur das gute Super rein. Ich mach Spaß. Ich geb Gas, ich geb Gas […]“

Oder auch nicht. Über das erste eigene Auto freut man sich bekanntlich. Naja, nicht immer. Aber erstmal noch etwas zu meiner Vorgeschichte. Die Fahrschule habe ich schon im Alter von sechzehn Jahren besucht. Folglich hatte ich meinen Führerschein schon mit siebzehn Jahren in der Hand, nachdem ich zuvor die theoretische Prüfung mit null Fehlerpunkten bestanden habe. Dafür gelang es mir, bei der praktischen Prüfung einmal durchzufallen, weil ich ein „Vorfahrt-achten-Schild“ missachtet habe. Schlecht für euren Geldbeutel, ich sag’s euch! Nun gut, das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls konnte ich somit schon früh Praxiserfahrungen im Straßenverkehr sammeln. Die Fahrprüfung habe ich damals mit einem neuen VW Golf absolviert. Danach durfte ich das Auto meines Vaters, einen älteren Mercedes, nutzen, um nachts vom Discobesuch nach Hause zu kommen oder meine Freundin zum Essen auszuführen. Jeder kennt wohl diesen Satz: „Papaaaa, kann ich das Auto haben?“. Damit war dann irgendwann Schluss. Ich hatte Geburtstag und wurde 18 Jahre alt.

Tatsächlich, wie es wahrscheinlich oft der Fall ist, bekam auch ich zur Volljährigkeit mein erstes „eigenes“ Auto geschenkt. Für manche ein Segen, für mich nicht. Na gut, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber große Freude beim Fahren hatte ich nicht. Meine Großeltern waren so spendabel und haben mir einen Opel Corsa B, Baujahr 1992, vor die Tür gestellt. Der Wagen war so alt wie ich! Das habe ich auch direkt beim Fahren feststellen müssen. Bei meiner ersten Fahrt alleine war ich natürlich etwas nervös und aufgeregt. Nicht nur, weil ich alleine war, sondern auch, weil alles auf einmal so anders war. Mit den 45PS, die der Wagen hatte, war ich der Burner auf der Autobahn. Bei knapp 125 km/h war Schluss. Die Beschleunigung ließ zu wünschen übrig. Es klapperte und ruckelte überall im Auto. Bei hoher Geschwindigkeit roch es manchmal komisch. Mir kam nicht selten das Gefühl, dass das Auto gleich einfach in Flammen aufgeht, es explodiert oder sonst etwas passiert.

Die rechte Spur gehörte mir, Überholen gestaltete sich meistens etwas schwierig, ganz davon abzusehen, wenn es mal etwas bergauf ging. Hier haben unsere Eltern ja oft Angst, dass wir mit einem zu schnellen Auto auch dementsprechend über die Autobahn brettern und denken, wir seien der nächste Schumi. Doch ich bin der Meinung, dass ein gewisses Maß an PS schon gegeben sein sollte, denn sonst kann man in brenzligen Situation auf der Autobahn nicht ausweichen.

Auch das Parken mit diesem Auto war eine Strapaze. Genießt den Luxus einer Servolenkung, so lange ihr könnt. Ich wusste diesen in der Fahrschule damals nicht zu schätzen, da ich dachte, das sei heutzutage Standard. Bedauerlicherweise musste ich feststellen, dass dem ganz und gar nicht so ist. Das erste Einparken gestaltete sich für mich, ich nenne es mal „ungewohnt“. Plötzlich ließ sich das Lenkrad im Stillstand des Autos nicht mehr drehen. Plötzlich war Parken noch schwieriger als es sowieso schon ist, für mich jedenfalls.

Zu meiner Freude war es auch, dass dieses Auto eine Lüftung besaß und nicht, wie zuvor gewohnt, eine Klimaanlage. Dadurch hatte ich bei kalten Temperaturen immer viel Spaß, die Scheiben frei zu bekommen, wenn diese beschlagen waren. Ewig langes Warten, bis man losfahren kann, rumspielen an der Lüftung, mal warm und mal kalt, war Standard.
Viele kennen es sicherlich auch von ihrem ersten eigenen Auto. Das obligatorische Runterdrücken des „Pins“ an der Tür, da es keine Zentralverriegelung besitzt. Man muss jeden Mitfahrer immer wieder darauf hinweisen, beim Aussteigen darauf zu achten, dass auch ja der Pin unten ist und bei jedem Einsteigen muss dieser vom Fahrer an der Beifahrertür wieder hochgezogen werden.

Zu guter Letzt ist noch der quietschende Keilriemen zu erwähnen, der, immer wenn es geregnet hat, gequietscht hat wie ein kleines Schwein. Somit war man nicht nur rein optisch, sondern auch akustisch der Hingucker auf der Straße.
All´ diese Erinnerungen und wahrscheinlich noch viele Kleinigkeiten mehr, spiegeln meine Erfahrungen mit meinem ersten eigenen Auto wieder. Es hat natürlich gereicht, um von A nach B zu kommen. Die Frage dabei ist, wie komfortabel man sich fortbewegen möchte. Nach circa einem Jahr Fahrspaß, wenn man es so nennen kann, ist mein Opel Corsa an einem Motorschaden erkrankt. Kurze Zeit später verstarb er und wurde auf einem Schrottplatz beerdigt.

Heutzutage fahre ich einen VW Polo aus dem Jahre 2011. Dieses Auto kann ich diesmal wirklich mein Eigen nennen, denn im Gegensatz zu dem davor, habe ich es selbst bezahlt, komme selbst für Sprit und die Versicherung auf und bin somit eigenständig Fahrzeughalter dieses Wagens. Dieses Auto besitzt zwar auch keine Luxusausstattung, jedoch ist es zeitgemäß und hat alle nötigen Kleinigkeiten, die das Fahren angenehm machen. Als der Autokauf bevorstand, wollte ich unbedingt einen Audi A1 haben. Mit dem auditypischen Tagfahr- und Xenonlicht, dem internen Navi und am besten noch in S-Line Ausstattung. Doch auf Rat meines Vaters und des großen Preisunterschiedes wurde es dann doch der Polo, auch wenn ich einen solchen nie haben wollte, denn Polos sieht man, so weit das Auge reicht.

Auf den Fotos im Internet sah der Wagen gar nicht so cool aus, doch als ich dann davor stand, war ich überrascht. Auch die erste Probefahrt hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Alles war so viel besser als bei meinem Opel Corsa von 1992. Von daher war ich direkt überzeugt und völlig zufrieden. So bleibt wenigstens noch Luft nach oben, wenn in ferner Zukunft der nächste Autokauf ansteht.

Und immerhin habe ich inzwischen tatsächlich Freude am Autofahren gefunden und kann ein bisschen mehr Gas geben, auch wenn mein neuer nur 69PS hat. Es macht Spaß, es macht Spaß. Endlich.

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