Wenn man diese Überschrift liest, möchte man meinen, ich sei schon seit meiner Kindheit ein eingefleischter Fußballfan, der schon immer zu einem bestimmten Verein steht und die Spiele verfolgt. So ist es aber nicht, ganz im Gegenteil! Wenn ich ehrlich bin, habe ich in meiner Kindheit oft ein wenig geswitched: Die Bayern mochte ich, weil sie erfolgreich sind. Borussia Mönchengladbach ist mein Heimatverein und Arsenal London habe ich immer beim Spielen auf der PlayStation ausgewählt. Somit war ich ganz und gar nicht festgelegt. Das spiegelt mehr oder weniger meine Kindheit in Bezug auf Fußball wider. Keine Ahnung von nichts, kein richtiger Fan und selten mal bei einem Spiel dabei gewesen.

Eines Tages, circa acht Jahre, nachdem ich mit meinem Vater das letzte Mal bei Borussia im Stadion war, entschloss ich mich, rein aus Langeweile, noch einmal ein Spiel zu besuchen. Besonders reizte es mich, dass Gladbach nun sogar in der Europa League spielte und da ich zuvor noch nie ein Spiel gegen einen internationalen Gegner gesehen hatte, zog es mich dann spontan in den Borussia Park. Südkurve. Block 4A, Reihe 11, Platz 41. Donnerstag, 11.12.2014 um 19:00 Uhr. Der Shuttlebus vom Mönchengladbacher Hauptbahnhof brachte mich sicher zum Stadion. Es war irgendwie ein komisches Gefühl, zwischen all‘ den „richtigen Fußballfans“ im Bus zu stehen. Links und rechts hörte man Gespräche rund um die Mannschaft, über andere Partien, den Trainer und sonstige Fußball News und selbst wenn ich gewollt hätte, nirgends hätte ich mitreden können.

Nach einer Wurst und einem Bier ist es schnell kurz vor Anpfiff. Eine Melodie ertönt und die Fans stehen auf und schwingen ihre Schals zum Takt. Die Mannschaftsaufstellung der Fohlenelf wird angesagt und alle schreien die Namen ihrer Stars mit. Ich kannte keinen einzigen Spieler, habe von der Anzeigentafel abgelesen und versucht, mitzumachen. Als nächstes schallt „Die Elf vom Niederrhein“ durch das Stadion, alle Fans singen lautstark mit! Mit einem Schmunzeln im Gesicht habe selbst ich es hinbekommen. Dann laufen die Mannschaften ein.

Das Spiel verlief für Gladbach sehr gut, eine frühe Führung und die abendliche Atmosphäre bei Flutlicht war großartig. Schon in der Halbzeitpause wusste ich, dass ich jetzt „öfter“ zum Spiel gehen werde. Nach dem 3:0-Sieg war es fast komplett um mich geschehen und das nächste Spiel ließ nicht lange auf sich warten.

Mit einem guten Freund ging es auswärts mit dem Zug nach Dortmund. Wir hatten einen Sitzplatz im Gästebereich. Jeder Fangesang stimmte mich euphorisch, ich musste schon leise vor mich hinsingen, obwohl ich den Text gar nicht kannte. Nun gut, ich habe es wenigstens versucht. Mit einer 0:1-Niederlage fuhren wir ohne die begehrten drei Punkte wieder zurück nach Hause. Trotzdem wusste ich auch jetzt schon: „So ein Auswärtsspiel kann man nochmal machen“. Und so kam es auch. Im Internet bot ein anderer Borussia-Fan eine Mitfahrgelegenheit plus Stehplatz-Ticket nach Augsburg an. Nicht lange habe ich überlegt und bin mit zum nächsten Auswärtsspiel gefahren, wo mir spätestens dann ganz klar wurde: „Ab jetzt bin ich immer dabei“. Für dieses Spiel habe ich sogar ein Date sausen lassen, das will schon was heißen!

Copyright Robin Lukanz

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Mit gemischten Gefühlen jedoch bin ich als Mitfahrer mit einer damals noch fremden Person zum Spiel gefahren (Heute fahren wir fast immer zusammen!). Ich wusste nicht, was mich erwartet. Ein Typ, der die ganze Zeit nur über Fußball reden möchte und Gladbachlieder hört? Und das bei einer Fahrt über sechs Stunden? Oh Gott! Und wie ist denn ein Stehplatz im Gästeblock? Sind da nicht nur die Hooligans und irgendwelche Hardcore-Fans? Fragen über Fragen. Doch die Fahrt war sehr angenehm. Das Publikum im Gästblock war gemischt, von Jung bis Alt, von Groß bis Klein, von Hardcore Fans bis hin zu „Normalos“ und mir. Zugegeben: Es war ein komisches Gefühl, dort in der Menge zu stehen, ich kannte keines der zu singenden Lieder. Zur Tarnung habe ich nur meine Lippen bewegt und versucht, die oft recht simplen Lieder mitzusingen. Aber die Stimmung war sensationell, auch wenn Gladbach 0:1 gegen Augsburg verloren hat. Jubeln, Klatschen, Hüpfen und ich mittendrin! Die anschließende Rückfahrt war natürlich etwas nervig und anstrengend, bis ich mitten in der Nacht wieder zu Hause war.

Wie der Zufall so wollte, hatte mich das Fußballfieber ab diesem Zeitpunkt total gepackt. Von da an habe ich versucht, für die restlichen Heimspiele noch Tickets zu ergattern sowie auswärts immer mitzureisen. In den meisten Fällen hat es auch geklappt. Auswärts war ich immer mit von der Partie, habe die Lieder lautstark mitgegrölt und bin inzwischen zum wahren Borussen mutiert, was mich sogar eine Vereinsmitgliedschaft abschließen ließ. Doch was ist es, was mich so reizt?

Ich glaube, es ist einfach dieses Gefühl, mit so vielen anderen Leuten hinter dieser „einen Sache“ zu stehen, mit all‘ den tausenden Fans mitzufiebern, zu leiden, zu zittern, aber auch zu feiern. Jedes Spiel ist für mich wie eine kleine, private Party im Gästeblock, nur unter Fans. Jeder kennt die Lieder, inzwischen auch ich, jeder singt mit und unterstützt das Team auf dem Platz! Wenn die Mannschaft dann noch siegt, ist alles perfekt.

„Wir singen und tanzen auf jedem Fußballplatz. Ein Schuss, ein Tor, Borussia!“ 

Wenn es beispielsweise nach München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg oder Berlin geht, lässt sich die Auswärtsfahrt auch optimal mit einer kleinen Reise kombinieren. Ein wenig die Stadt erkunden, dann ins Stadion und abends das Nachtleben kennen lernen. Am nächsten Tag geht es dann entspannt nach Hause. Das ist für mich der ideale Weg, eine spannende Reise mit der Leidenschaft Borussia zu verbinden.

Und nein, nur weil man zu jedem Spiel fährt, ist man noch lange kein Hooligan oder Sonstiges! Es macht einfach nur Spaß, entweder man liebt es oder man hasst es. Inzwischen ist es sogar schon so weit, dass ich zur Einstimmung mehrere Tage vor einem Spiel die Lieder vor mir her singe, sowie bei einem nächtlichen Umtrunk in der Altstadt vor mir herlalle. Ich selbst hätte niemals gedacht, dass ich mal Fußballfan werde, doch hat es dich einmal gepackt, kommst du nur schwer wieder los. Diese Sucht VFL …

5 Responses

  1. Henning
    Henning

    Sehr schön geschrieben, wenn auch über den falschen Verein, aber das lassen wir dann mal durchgehen…. 😀

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    • Isabelle
      Isabelle

      Hast du echt gut geschrieben!
      Ich stimme zu: Falscher Verein 🙂
      Trotzdem merkt man deine Leidenschaft… Und das zählt 😛

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  2. Stefan

    Aaaaaaaiaaaaaiiiiaaaaiaaaaaaiiii Borussia Mönchengladbach! Finde mich in deinem Artikel sehr gut wieder

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