Jahrelang habe ich davon gesprochen, mal einen Fallschirmsprung zu machen. Während eines Kuba-Urlaubs war es endlich soweit.

Was am Anfang nach Jux und Dollerei klang, wurde am Strand von Kuba von jetzt auf gleich ein gebuchter Fallschirmsprung. Quasi in Trance habe ich erst nach und nach realisiert, dass ich tatsächlich am nächsten Tag Fallschirmspringen werde – endlich! Jahrelang habe ich schon davon gesprochen und meine Mutter allein bei dem Gedanken ganz verrückt gemacht. Selbst vor dem Urlaub habe ich noch blöde Sprüche gerissen („Wer weiß, vielleicht mache ich ja diesmal einen Fallschirmsprung.“) und dafür böse Blicke geerntet.

Gesagt, getan. Der nächste Tag kam schneller als ich gucken konnte und ich stand abfahrbereit am Hotel. In mir noch völlige Ruhe, nach außen hin die pure Freude, dass ich zwei Stunden später einen weiteren Punkt meiner Bucket-List streichen konnte. Ich kann nicht einmal beschreiben, wieso ich jahrelang so scharf darauf war, einen Fallschirmsprung zu machen. Vielleicht war es eine atemberaubende Aussicht, die ich mir erhofft hatte, vielleicht der absolute Adrenalinkick, aber definitiv ein sicheres Ankommen auf dem Boden.

Mit Blick auf den Heli, der mich in die Luft bringen sollte, hatte ich gar keinen Bammel vor dem Sprung an sich, sondern war mir sehr unsicher, ob ich es überhaupt in die Luft schaffen würde. Das Teil hatte auf jeden Fall seine besten Tage hinter sich. Mit purer Zuversicht, dass das 1.000 andere Touris vor mir gemacht haben, ging es Richtung Heli. Und ob ich nun freiwillig springe oder notgedrungen, wieder nach unten kommen würde ich so oder so.

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Einmal im Heli drin, hieß es hinsetzen. Ab diesem Zeitpunkt stieg in mir die Nervosität und ja, ich muss zugeben, ich hatte einige Köttel in der Bux. Von meiner inneren Ruhe keine Spur mehr. Mit ernstem Blick und Unsicherheit habe ich die ganze Zeit versucht, einen Blick aus dem Fenster zu erhaschen. Das ist mir aber trotz größter Mühe aufgrund meiner Größe nicht gelungen. Im Nachhinein vermute ich, dass ich unter anderem deshalb so nervös wurde. Ich konnte einfach nicht sehen, wie hoch und wohin es genau ging. Sobald wir die Flughöhe erreicht hatten, konnte ich mich aber wieder hinstellen, was mir auch direkt den größten Teil meiner Nervösität nahm und zeitgleich meinen Gedanken brachte : „Das nächste Mal reicht Ponyreiten“.

Kurz vor dem Sprung dachte sich dann ein Begleiter „Die sieht so tiefenentspannt aus, der kannste ruhig mal nen Spruch drücken“. Auf die Frage hin „Is it your first jump?“ dachte ich zunächst „Och wie nett, der versucht, mich abzulenken“. Aber leider nein. Er setze direkt breit grinsend hinterher „No problem. It’s his too.“ Damit war mein netter Tandem-Begleiter gemeint, der mir während des Flugs brav die Schultern gelockert hat, um mich zu beruhigen. Im Nachhinein kann ich herzlich darüber lachen. In dem Moment hätte ich weinen können und dachte mir nur „Du Arschloch“.

Dann war es soweit. Mit jedem weiteren Schritt auf die Tür zu, habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, dass es endlich losging. Die Aussicht war ein Traum. Unter mir Kuba und der weite Ozean. Tatsächlich noch viel schöner und atemberaubender als ich es mir vorgestellt habe. Auf die Frage der Fragen „Ready?“ kreischte alles in mir vor Freude und auf ging‘s in 4.000 Meter Tiefe – juhu!

Am Anfang fühlte es sich an als würde ich den Boden unter den Füßen verlieren, was ja tatsächlich so war, aber ich hatte absolut kein Gefühl dafür, in welcher Position ich mich grade in der Luft befinde. Später stellte sich heraus, dass es daran lag, dass ich einen eleganten Salto hingelegt habe. 40 Sekunden freier Fall – der Wahnsinn! Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass mir die Luft zum Atmen wegbleibt, was in den ersten Sekunden ein wenig unangenehm war. Und da man nun mal nicht weiß wann dieses Gefühl wieder geht, kann man schon mal ein wenig das Gefühl bekommen, dass man das nicht überlebt. Von diesem Gefühl wurde ich dann aber sehr schnell abgelenkt, da sowohl Schutzbrille als auch meine normale Brille flöten gegangen sind. Schutzbrille hin oder her. Meine normale Brille zu verlieren wäre bei Dioptrienwerten von über -4,0 echt blöd gewesen. Im letzten Moment hat mein Begleiter die Brille jedoch zu fassen bekommen und meine Sicht war gerettet. Da sagt nochmal einer, die Höhe wäre der einzige Adrenalinkick bei einem Fallschirmsprung. Die ist nichts gegen das Gefühl, die Brille zu verlieren.

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Nach den 40 Sekunden freier Fall ging dann der Fallschirm auf und ich war erneut im Paradies. Vollkommene Ruhe und Stille in der Luft, konnte man den Ausblick nur genießen. Leos berühmte Worte „Ich bin der König der Welt“ trafen meine Gefühlslage auf den Punkt. Gefühlt habe ich die ganze Zeit auch nur „Wuhu“ und „Yeah“ geschrien oder meinem Begleiter zum zehnten Mal gesagt, wie atemberaubend die Aussicht ist und ich es gar nicht fassen kann. Er war bestimmt froh, dass er mich Quasselstrippe am Ende wieder los war.

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Witzig wurde es dann nochmal als er mir die Leinen zum Lenken überlassen hat. Ich habe mit großer Begeisterung immer das Meer angesteuert und uns von links nach rechts gedreht. Übermutig wurde ich dann als ich einige Pirouetten gemacht habe. Einmal so schnell, dass ich froh war, nicht mehr so viel Speed drauf zu haben, da ich Angst hatte, dass ich mich übergeben muss. So wäre es schließlich nur nach unten gegangen. Mit Highspeed hätte ich es vermutlich selbst abbekommen. Relativ schnell habe ich die Leinen danach auch wieder abgegeben. Schließlich sind wir nach rund 15 Minuten direkt am Strand gelandet und die umliegenden Urlauber haben einen mit lautstarkem Applaus begrüßt. Mit purem Adrenalin, das gefühlt noch für den ganzen Abend gereicht hat, ging es dann mit einem Bierchen an den Pool und es wurde auf den gelungenen Sprung angestoßen.

Ob ich es wieder machen würde? Definitiv! Es war eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle, Adrenalin pur und eine Aussicht, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde. Solltest Du also ebenfalls schon länger oder erst seit Kurzem überlegen, einen Fallschirmsprung zu wagen: Mach es, es lohnt sich!

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