Ich bin großer Wrestling-Fan. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich dafür öfter verwunderte Blicke und ungläubige Kommentare meiner Freunde ernte. „Max, dir ist schon klar, dass das alles vorgetäuscht ist, oder?“, „Max, da ist doch nichts echt, wo ist denn da der Sinn?“ So etwas und viele andere Kommentare durfte ich mir schon anhören. Zunächst einmal: Ja, ich weiß, dass alles vorher abgesprochen wird und Kämpfe vorher durchchoreographiert werden. Aber ist das so schlimm? Ist es schlimm, dass bei Breaking Bad ein Drehbuch existiert hat und Bryan Cranston einen krebskranken Meth-Koch gespielt hat? Ist es schlimm, dass bei Nightmare on Elm Street Freddy Kruger nicht wirklich in den Träumen seiner Opfer auftaucht, sondern es nur gespielt ist?

Genauso sehe ich auch Wrestling. Die offizielle Bezeichnung der Wrestler ist „Sports Entertainer“ und genau das sind sie. Es sind Darsteller, die die Zuschauer durch sportliche Fähigkeit und ein gewisses Schauspieltalent unterhalten sollen. Dass es dabei verschiedene Titel gibt, die nach festen Storylines vergeben werden, unterstreicht das nur. Wrestling ist keine Sportart, da gibt mir, denke ich, jeder Recht. Aber es gibt uns etwas. Menschen sind schaulustig. Wenn sich in der Straße zwei Typen prügeln, gibt es mindestens drei Leute, die ihr Smartphone draufhalten und filmen. Der Film „Fight Club“, dessen zentrales Handlungselement die Prügeleien sind, ist nicht nur für mich einer der großartigsten Filme aller Zeiten. Wir lieben „Herr der Ringe“ nicht nur wegen der wunderschönen Geschichte, sondern auch wegen der Kampfszenen, die auch eine vollständige Choreografie enthalten. Wieso ist es also etwas anderes, wenn wir Wrestling gucken? Ich habe da eine Theorie: Beim Wrestling wird so getan, als sei es etwas Reales. Durch die verschiedenen Titel und die Titelkämpfe bekommt das ganze etwas „offizielles“, obwohl es trotzdem eine Handlung nach einem Drehbuch ist. Da kann ich verstehen, dass Leute, die das als Sport sehen wollen, genervt sind, dass es Handlungsstränge gibt und nicht einfach der dominanteste Sportler den Titel bekommt.

Allerdings geht es auch mehr um die Sachen darum. Ich bin Anfang Februar in der Lanxess-Arena in Köln bei WWE Live in Deutschland und freue mich wie ein Schneekönig. Danke nochmal an meinen Bruder für das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten! Bei den WWE-Events treten Musiker auf, Schauspieler haben Gastauftritte, mit „MizTV“ gibt es eine eigene Talkshow und die Einlaufmusik ist grandios! Wrestling ist eben doch nicht nur Wrestling, es ist das Feeling, das dazu gehört und das Mutmaßen über den weiteren Verlauf der Storylines macht unglaublich viel Spaß. Ich habe schon so oft mit meinem Bruder darüber diskutiert, wer den World Heavyweight-Titel wohl als nächstes bekommt und wieso der aktuelle Träger ein A… ist. So etwas macht einfach Spaß. Und am Ende ist es genau das, was das ganze wirklich sportlich macht: Nicht das Ergebnis auf dem Platz zählt, sondern das Feeling als Fan und die Diskussionen bei einem entspannten Bierchen.

Falls ihr euch euer eigenes Bild machen möchtet, WWE Raw (die Flaggschiff-Show) läuft jeden Donnerstag um 22:15h bei Tele5 und online gibt es die aktuellste Folge zum gucken.

Eine Antwort

  1. Tobi

    Natürlich ist das gestellt. Würden die wirklich so auf einander einprügeln, wäre bald keiner mehr bei WWE unter Vertrag. Allerdings sollte man sich mit den Verletzungen nicht täuschen. Manchmal fällt da einer unglücklich, verliert einen Zahn oder kassiert eine Platzwunde. John Zena zum Beispiel musste sich einer OP am rechten Arm unterziehen. Der Schweizer Superman Cesaro war wegen seiner Schulter längere Zeit im Krankenstand. Nun ja, dass passiert eben. Im Großen und Ganzen ist es Entertainment. Man könnte sagen: Das Ganze ist so eine Art Wanderzirkus. Es dient rein der Unterhaltung. Und ich find´s echt ganz witzig. Man kann seine Zeit auch schlechter nutzen.

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