Liebe Leser, ich bin Feminist.

Nein, ich glaube nicht, dass ich als Mann ein potenzieller Vergewaltiger bin und ich möchte auch Dornröschen verbieten, weil der Prinz nicht gefragt hat, ob er das Dörnröschen küssen darf. Ich bin nur persönlich der Überzeugung, dass Feminismus genauso wichtig ist wie Antirassismus. Ich meine, ich habe eine Frage an die Feminismusgegner: Seid ihr als Kind zu oft vom Wickeltisch gefallen? Es macht keinen Unterschied, ob du mit einem Y-Chromosom oder zwei X-Chromosomen geboren wurdest. Frauen haben genauso ein Recht auf Gleichbehandlung und Respekt wie Männer. Aber da wir lange in einer patriarchischen Welt lebten, haben sich die Männer über Frauen hinweg gesetzt. Und Feminismus ist am Ende gut für uns alle. Was hat die patriarchische Weltordnung uns gebracht? Männer gelten als potenzielle Triebtäter, als starkes Geschlecht und blah. Wenn eine Frau hingegen mal einen Mann vergewaltigen sollte, dann wird der Mann dafür belächelt, weil, „wie soll denn das gehen?“ – Kurzer Fakt am Rande: Männer können genau wie Frauen auch durch Angst erregt werden. Nicht im psychischen, sondern im rein physischen Sinne. Und dann kann auch ein Mann vergewaltigt werden. Dann denkt man immer: Wieso hast du dich denn nicht gewehrt, du bist doch stärker als jede Frau. Ich persönlich beispielsweise kenne genug Frauen, die mich ohne Probleme überrumpeln können – zum Beispiel unser Kickboxerin Alyssa. Macht mich das weniger zum Mann? Ne, faul vielleicht, aber nicht weniger männlich.

Feminismus setzt sich nie nur für Frauen ein. Denn wenn Frauen genauso von der Gesellschaft behandelt werden, dann werden auch Männer nicht mehr unter Druck gesetzt. Und wenn ich mal meine Ausbilderin mit dem Ausbilder meines Bruders damals vergleiche, dann kann ich auch sagen, dass es keinen Unterschied macht, ob man eine Frau oder einen Mann als Vorgesetzten hat. Im Beruf zählt sowieso Fachkompetenz. Natürlich hat der Feminismus Hardliner-Auswüchse, aber die gibt es überall. In Myanmar gab es schon Anschläge buddhistischer, radikaler Extremisten und diese Religion hat als obersten Grundsatz, Mitgefühl zu zeigen. Hardliner gibt es immer dann, wenn es darum geht, für seine Werte und Ideale einzutreten. Guckt euch den Islamischen Staat, die AfD, Pegida und Konsorten an. Alles verblendete Hardliner, die sich so kilometerweit von den ursprünglichen Werten entfernt haben. Da kann man dann auch keine logische Diskussion mehr erwarten, sondern nur noch Totschlagargumente. Solche Deppen muss man dann ignorieren. Die gibt es genauso auf der Gegenseite. Es gibt Feminismusgegner, mit denen kann man darüber wirklich diskutieren, aber halt auch solche, für die eine Frau doch, wie Marcus Staiger im Bezug auf solche Frauenhasser schon so eloquent sagte: „nur ein Fickstück ist, dass nur dann noch besser wäre, wenn es sich nach dem Blowjob in einen Kasten Bier verwandeln würde.“ Und ja – auch solche gibt es. Hab´ mich neulich mit einem unterhalten, der sich tierisch über seine „beste Freundin“ aufgeregt hat, weil sie ihm keine Nacktbilder schicken will. Leute, glaubt ihr wirklich, dass Frauen so funktionieren? Tun sie nicht. Nacktbilder sind allein sicherheitstechnisch schon eine dumme Idee (ich sag nur Fappening), mal abgesehen vom Status, den man damit erwirbt. Ihr solltet lernen, dass Frauen auch Menschen sind. Das heißt, man muss sie weder in eine Eierschale packen, aber auch nicht wie Eigentum behandeln. Ich persönlich habe zum Beispiel mehr Freundinnen als Freunde, aber ich behandle die Männer nicht wie Männer und die Frauen wie Frauen, sondern meine Freunde wie meine Freunde. Ich rede mit meiner besten Freundin genauso über Games wie mit meinem besten Kumpel. Und Jungs, nur weil eine Frau nicht direkt nach dem ersten Treffen mit euch ins Bett hüpfen will, ist sie weder

a) eine frigide Kuh

b) eine Kampflesbe

oder c) ein Feminazi.

Auffällig ist nur Folgendes – die gleichen Volldeppen, die Feminismus verurteilen, verurteilen auch, dass LGBTQ gleiche Rechte bekommen, wie Heterosexuelle also beispielsweise heiraten dürfen. Macht aber Sinn, denn auch dafür steht Feminismus: Vorurteile abbauen und gleiche Rechte für alle. Das beste Beispiel dafür ist, dass Homosexualität nicht mehr strafbar ist.

Ihr könntet euch jetzt natürlich fragen, was für Vorteile das nun für die Herren der Schöpfung hat. Ein einfaches Beispiel: Dass Männer heute in Elternzeit gehen können, ist ein Verdienst des Feminismus.

Wie man also sieht, geht es bei Feminismus nicht darum, Männern alle Rechte wegzunehmen, sondern darum, dass wir vor dem Staat nicht mehr Mann oder Frau, hetero oder LGBTQ sind, sondern einfach nur Menschen. Und wie Karl Marx bereits festgestellt hat: Alle Menschen sind gleich.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

8 + 13 =