Eine Fernbeziehung ist harte Arbeit. Klingt nicht angenehm, aber letztendlich kann ich immer nur wieder sagen, dass es sich lohnt. Auch wenn meine letzte Fernbeziehung in die Brüche gegangen ist und ich es kaum erwarten kann, zu meinem jetzigen Freund zu ziehen. Einfach weil es schöner ist, nahe bei dem Menschen zu sein, den man liebt und dem man vertraut.

Ich bin 20 Jahre alt und hatte bisher zwei richtige Beziehungen. Und wie ihr jetzt vielleicht schon verstanden habt, waren beide Typen nicht gerade um die Ecke. Ich habe mich zwar von rund 300 km auf 186 km verbessert, aber trotzdem kann ich nicht mal ebenso vorbeischauen, wenn etwas ist. Besuche müssen geplant werden. Wer geht zu wem und wie lange?

Mit Freunden treffe ich mich leider selten. Es passt einfach meistens nicht. Ich bin am Wochenende bei ihm, ich kann nicht zum Geburtstag gehen. Oder wir müssen unsere gesamte Planung wieder umschmeißen, wie für den kommenden Geburtstag meiner besten Freundin.

Die Arbeit und damit verbunden die Zusatzqualifikation, die ich gerade mache, spielen auch in meine Beziehung rein. Samstagmorgens Unterricht bedeutet, ich kann nicht zu ihm – oder erst einen Tag später. Und lohnen sich dann die 30€ für das Tanken oder die 40€, die ich mindestens für die Bahn zahlen muss, wirklich für zwei nicht ganze Tage?

Natürlich sehe ich ihn gerne, aber die Fahrten kosten mich nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Stress. Ich muss Tage früher gucken, dass ich möglichst günstig reisen kann, denn mein Geld hätte ich auch gerne, um mal ins Kino oder etwas essen zu gehen. Das geht aber nicht, wenn ich 80% meines selbstverschriebenen wöchentlichen „Taschengeldes“ alleine für die Fahrt bezahle.

Dazu kommt das Vermissen. Das ist, glaube ich, das Schlimmste. Es gibt für mich kein quälenderes Gefühl als nach einem gemeinsamen Wochenende alleine im Bett zu liegen. Es ist kalt, das Bett ist viel zu groß und es ist zu still. Ich vermisse dann meine persönliche Heizung, wie mein Freund sich gerne nennt, die mir den Platz klaut und mich mit seinem Schnarchen wissen lässt, dass ich eben nicht alleine bin. Dass auf mich aufgepasst wird. Und wenn mir was Gutes passiert oder eben das Gegenteil, kann ich nicht zu ihm, ich muss ihm eine Nachricht schreiben oder wenn es etwas Besonderes ist, ihn anrufen. Dabei hätte ich ihn dann viel lieber bei mir.

Die Frage ist jetzt wohl: Warum tue ich mir das immer wieder an? Es ist nicht so, als würde ich niemanden in meiner Nähe finden. Ich bin nicht unansehnlich und auch wenn meine Persönlichkeit nicht ganz normal ist, man kann mich gut ertragen. Aber es hat einfach nie gepasst hier in dem Dorf, in dem ich lebe, nicht so, wie es mit meinem Freund passt. Wir sind auf einer Wellenlänge, seit ich ihn 2011 kennengelernt habe. Ihm sind meine Macken egal und mir seine. Wir sind beide gleich bescheuert. Ich vertraue ihm vollkommen und egal, wo ich bin, solange er bei mir ist, bin ich zuhause. Und das macht die Fernbeziehung wert.

 

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