Vor dem Hintergrund der letzten Wochen und Monate haben sich Henning und Max mal zusammen gesetzt, um sich über das Thema zu unterhalten. Die Flüchtlingskrise – Ein Gespräch.

H: Bei Asylsuchenden sollte man prüfen, wer es wirklich nötig hat und denen helfen. Kriminelle sollten aber das Land verlassen müssen. Aber wer Hilfe braucht, der braucht Hilfe. Und auch das in Köln – daraus jetzt diese Diskussion über alle Asylanten zu stricken, ist nicht angebracht.

M: Da gebe ich dir Recht. Aber wie willst du prüfen, wer es nötig hat? Wer mit einem Vollzeitjob seine Familie nicht ernähren kann, braucht meiner Meinung nach genauso viel Hilfe wie jemand, der vor Krieg flieht. Asyl darf keine Grenze kennen. Zu dem, was in Köln passiert ist: An Karneval hast du solche Meldungen jedes Jahr, aber weil es dieses Mal zum Teil Asylanten waren, ist es jetzt der Grund für einen Aufschrei. Das war nicht okay, was passiert ist, aber nur, weil es schwarze Schafe gibt, kannst du nicht alle über einen Kamm scheren.

H: Wie sind denn momentan die Kriterien für die Aufnahme?

M: Dass sie nicht aus einem sicheren Herkunftsland kommen zum Beispiel. Außerdem muss der Grund, wieso sie Asyl suchen, real sein.

H: Werden denn jetzt nur die aufgenommen, die aus unsicheren Ländern kommen?

M: Praktisch ja, aber das Ausweisen dauert seine Zeit und zB. Behinderte können trotzdem bleiben, weil das ja – logischerweise – nicht möglich ist, die zurückzuschicken. Aber auch das ist je nach Land eine Sauerei. Guck dir nur Albanien an.

H: Da muss ja die ganze Wahrnehmung geändert werden, nur weil es kein großer Konflikt ist und das Land von uns als ‘sicher‘ bezeichnet wird, kann man die Leute nicht zurückschicken, wenn die Länder nicht sicher sind. Wir haben auch nur begrenzt Platz, wahrscheinlich muss man es begrenzen, ist halt eine Frage der Kriterien. Wir können nicht jedes Jahr zwei Millionen Flüchtlinge aufnehmen, das muss begrenzt werden, aber die Liste der sicheren Länder muss geändert werden.

M: Willkommen in der deutschen Bürokratie. Das Dublin-Abkommen beispielsweise war unser Schutzwall gegen Flüchtlinge. Wenn du als Flüchtling irgendwo in Europa schon registriert warst, konnten wir dich ohne zu zögern, dahin zurückschicken.

H: Das kann doch aber nicht funktionieren, irgendwann landen die immer irgendwie hier. Nur, um das eigene Land zu schützen, kannst du andere nicht überfüllen! Die ganze Überlegung ist grundlegend falsch.

M: Besonders Griechenland haben wir keinen Gefallen getan, das Land steckt so schon in einer humanitären Krise, die können ihre eigenen Staatsbürger nicht ernähren und haben das größte Problem mit Flüchtlingen, nur aufgrund der Menge.

H: Kein Land darf sich vor der Verantwortung drücken!

M: Genau das meine ich. Das war der Sinn des Dublin-Abkommens. Dass die Grenzländer der EU die ganzen Flüchtlinge aufnehmen müssen und Länder wie Polen, Deutschland, Niederlande, Belgien, Großbritannien usw. keine Flüchtlinge aufnehmen mussten, da sie dort nicht ankommen konnten. Also haben wir einfach nur auf unserm Arsch gesessen und zugeguckt.

H: Das kann ja nicht funktionieren und muss verändert werden.

M: Richtig und deswegen hat sich Angela Merkel Anfang vergangenen Jahres darüber hinweggesetzt…

H: Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, die anderen Länder müssen auch Flüchtlinge aufnehmen, es kann sich nicht auf Deutschland konzentrieren, wir können zwar viele aufnehmen, aber auch nicht alle.

M: Ne, klar, da hast du vollkommen Recht, aber das Problem sind halt solche Länder wie Großbritannien allen voran, da die sich komplett weigern. Die denken sich halt, dass das Sache des europäischen Festlandes ist und nicht ihr Problem.

H: Wie kann das denn geduldet werden? So kann das Kartenhaus nicht stehen bleiben.

M: Offiziell nehmen sie welche auf, aber wer kommt denn in Großbritannien an, es geht nur durch Frankreich und die Grenze ist bestens geschützt.

H: Es ist doch offensichtlich, dass sie nur so tun, als ob sie welche aufnehmen. Bei so einem offenen Geheimnis muss es doch Mittel und Wege geben, sie zu zwingen.

M: Das Problem ist, dass die etwas in der Hand gegen Deutschland haben. Die ausgesprochene Drohung des Austritts aus der EU wegen der wirtschaftlichen und letztlich auch der Asylprobleme.

H: Da frage ich mich wieder: Ist das höher zu bewerten als Flüchtlinge? Ich glaube nicht, dass sie das wirklich wahr machen würden.

M: Nein, würden sie nicht.

H: Das darf auch kein Hindernis sein, so eine Drohung.

M: Ja klar, aber da steckt ja noch mehr hinter: Weil rechtlich gesehen musst du auf Staatsboden nach Asyl fragen.

H: Also offiziell sagen sie, sie nehmen Flüchtlinge auf, aber es kommt keiner an?

M: Das stimmt.

H: Was machen die denn mit Flüchtlingen, die versuchen anzukommen?

M: Das Problem dabei ist ein anderes: Die versuchen sich über die Grenze zu schmuggeln, damit dürfen sie auf dem Weg gestoppt werden…

H: Das ist verboten, das kann man nicht leugnen, das ist der falsche Weg.

M: Natürlich, da hast du Recht, aber der Punkt ist auch, dass deswegen Merkels Kontingentlösung abgelehnt werden kann. „Wir müssen niemanden aufnehmen, der nicht bei uns im Staatsgebiet landet.“ Und solange man das so sieht, können wir niemandem verbieten, Zäune zu bauen oder ihnen befehlen, Menschen aufzunehmen.

H: Für mich ist das menschenverachtend.

M: Da gebe ich dir recht. Die Charta der Menschenrechte sagt eindeutig: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das wird damit mit Füßen getreten.

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