Am Freitag startete die Europameisterschaft in Frankreich und Deutschland schickt sich an, als amtierender Weltmeister auch das Turnier in Frankreich zu gewinnen. Andere Mannschaften wollen das natürlich verhindern. Doch wer sind die größten Konkurrenten, welche Mannschaften können für Überraschungen sorgen?

Deutschland

Einer der größten Favoriten. Klar, als Weltmeister ist man der Gejagte. Doch in der Zeit nach dem WM-Triumph präsentierte sich „Die Mannschaft“ nicht immer weltmeisterlich. Durch die Verluste von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker ist der Mannschaft viel Erfahrung und Klasse abhanden gekommen. Die, die diese Lücke schließen sollen zeigen sich bisher nicht als gleichwertiger Ersatz. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Mannschaft im neuen, frischen Gewand präsentiert. In Normalform ist sie einer der großen Favoriten auf den Titel. Ein klarer Vorteil ist die starke Achse, die Weltklasse verkörpert mit Neuer, Boateng, Hummels, Khedira, Kroos, Müller und Özil. Offensiv eine Wucht, zentraldefensiv mit dem besten Torhüter und dem besten Innenverteidiger der Welt so gut aufgestellt wie keine andere Mannschaft.

Probleme: Problemstellen sind die Außenverteidigerpositionen, vor allem die rechte. Viele Kandidaten wurden getestet (Rudy, Can, Rüdiger, Höwedes), fast keiner konnte vollends überzeugen. Des Weiteren ist die Besetzung des linken Flügels ein kleineres Problem. André Schürrle ist formschwach, wenn auch in den letzten Wochen besser in Form gewesen, Julian Draxler bringt nicht die nötige Schnelligkeit mit und ist im Zentrum besser aufgehoben, Leroy Sané ist unerfahren und noch nicht so konstant, Lukas Podolski eine einzige Wundertüte. Hinzu kommt möglicherweise das Problem, dass manche Spieler, in erster Linie die Weltmeister, zu Beginn des Turniers noch nicht die nötige Motivation gefunden haben. Aber Deutschland ist ja eine Turniermannschaft…

Tipp: Europameister

Beste Aufstellung: Neuer-Höwedes, Boateng, Hummels, Hector- Khedira, Kroos-Müller, Özil, Götze- Gomez

Frankreich

Der Gastgeber, in den meisten Fällen Mitfavorit. Auch dieses Mal. Die Franzosen schicken eine Mannschaft, die einen guten Mix aus Erfahrenen (Lloris, Koscielny, Matuidi, Pogba) und aufstrebenden jungen Talenten (Coman, Martial) an. Nach der verkorksten Skandal-WM 2010 und dem Aufbau bei den anstehenden Turnieren 2012 und in Brasilien 2014 ist die Mannschaft nun reif für den Titel.

Probleme: Frankreichs Mannschaft hat keine Pflichtspielpraxis. Da sie sich nicht qualifizieren mussten, traten sie immer nur in Freundschaftsspielen an. Dies könnte sich zu Turnierstart negativ auswirken. Das größte Problem bildet aber die Innenverteidigung. Durch die Ausfälle von Varane, Mathieu, Zouma und Laporte  muss Deschamps auf unerfahrene Spieler  (Umtiti) oder Notlösungen (Rami) zurückgreifen. In den letzten Testspielen hagelte es Gegentore en Masse für die „Equipe Tricolore“. Dazu kommt die Frage, wie die Mannschaft und das Trainerteam auf den massiven öffentlichen Druck reagiert. Frankreichs Situation ist gelinde gesagt nicht die allerbeste und die Öffentlichkeit legt viel Hoffnung auf die Mannschaft und das ganze Turnier. Das könnte einige Spieler aufgrund der ungewohnten Situation hemmen. Aber, es gilt: Wenn sie diese Probleme abstellen, sind sie ein großer Favorit.

Tipp: Einzug ins Finale

Beste Aufstellung: Lloris-Sagna, Koscielny, Rami, Evra- Kanté, Matuidi, Pogba-Griezmann, Giroud,Payet

England

Ja, du hast dich nicht verlesen, da steht wirklich England. Hatten die Genossen von der Insel in den letzten Turnieren oft mit Altlasten zu kämpfen (auch aufgrund der guten finanziellen Lage der Premier League und der dadurch vernachlässigten Jugendarbeiten), stellt Roy Hodgson nun eine Mannschaft an den Start, die Großes erreichen kann. Nicht unbedingt jetzt schon, spätestens aber 2018 in Russland. Mit Hart, Smalling, Dier, Alli, Vardy, Rooney und Sturridge steht sehr viel Klasse in Englands Kader. Vor allem auf Wayne Rooney kommt es an, die junge Mannschaft zu lenken.

Probleme: Die Defensivarbeit gehört nicht unbedingt zu den Lieblingsaufgaben der „Three Lions“, oder um es anders auszudrücken: Die Defensive neigt zu Fehlern. Joe Hart, früher für viele Patzer zu Recht kritisiert, hat sich zu einem Torhüter von internationalem Format gemausert, obwohl auch ihm manchmal entscheidende Fehler passieren. Die Außenverteidiger Walker/Clyne und Rose gehen gerne mit nach vorne und trinken bei Ballverlust hinter der Mittellinie gerne auch mal einen Tee. Defensivtaktisch hat die Mannschaft noch einiges aufzuholen. Dazu kommt die Unerfahrenheit. Dier, Alli, Walker, Rose, Vardy und Kane haben alle wenn überhaupt nur sporadisch international gespielt, der Rest hat diese Saison international auch nicht wirklich geglänzt (außer Henderson und Sturridge mit Liverpool). Schwierig einzuschätzen, wie sich die Mannschaft in Drucksituationen verhält. Die locker gewonnene Qualifikationsgruppe bringt angesichts so hochkarätiger Gegner wie Slowenien, San Marino oder Litauen nicht wirklich Licht ins Dunkel. Ein Problemfall könnte auch die Besetzung der Offensive werden. Wohin mit Rooney, Alli, Vardy, Kane und Sturridge? Kane, Vardy und Sturridge fühlen sich im Sturmzentrum am besten aufgehoben, Rooney und Alli auf der Zehn. Unzufriedenheit könnte ein negativer Faktor werden.

Tipp: Aus im Halbfinale

Beste Aufstellung: Hart-Walker, Smalling, Stones, Rose- Milner, Dier- Vardy, Rooney, Sterling- Kane

Spanien

La Roja, die Dominante der letzten Europameisterschaften will nach der verkorksten WM inklusive Vorrundenaus seinen Titel verteidigen. Doch der Umbruch geht nicht ruckelfrei von statten. Niederlagen gegen die Slowakei in der Quali oder in der Generalprobe gegen Georgien (0:1) stören das Bild der eigentlich souveränen Qualifikation. In Normalform sind die Mannen von der iberischen Halbinsel ein Mitfavorit, aber momentan noch nicht reif für den Titel.

Probleme: Wenn man ehrlich ist, gibt es nicht viele Problemzonen, aber das Tor könnte sich zu einer entwickeln. Zur Wahl als Nummer 1 stehen „San“ Iker Casillas, verdienter Rekordnationalspieler, zweimaliger Europa- und einmaliger Weltmeister, als Held gefeiert, früher zumindest. Die Zeiten sind seit zwei, drei Jahren vorbei. Casillas´ Leistungskurve hat rapide abgenommen, er leistet sich kapitale Aussetzer und viele Fans und Journalisten fordern De Gea als neue Nummer 1. Was auch vernünftig wäre. Seit Jahren einer der besten Torhüter der Premier League, immer der beste Spieler der Saison bei Manchester United wäre er der logische und verdiente Nachfolger des Iker. Doch was wenn Vicente del Bosque Casillas ins Tor stellt und der einen Fehler macht? Dann wird nicht nur De Gea murren, dann werden mit Sicherheit auch andere Spieler und vor allem die Medien murren. Ein weiteres, kleines Problem betrifft die gesamte Mannschaft. Der Leistungsverfall nach der EM 2012 ist offensichtlich. Fraglich ist, ob die seit der WM neu dazugekommenen Spieler genug Ehrgeiz mitbringen, um die verdienten Titelträger (Pique, Ramos, Iniesta, Silva,….) neu zu motivieren. Das könnte ein Problem werden.

Tipp: Aus im Halbfinale

Beste Aufstellung: De Gea- Juanfran, Ramos, Pique, Alba- Busquets, Iniesta, Koke, Silva, Nolito- Morata

Belgien

Ja, ich bin ehrlich: Das ist kein wirklicher Geheimtipp mehr. Die Mannschaft von Marc Wilmots hat schon in Brasilien ihr Können aufblitzen lassen. In der Offensive teilweise weltklasse besetzt mit Kevin de Bruyne, Eden Hazard und Romelu Lukaku, um nur einige zu nennen, glänzt auch die Defensive, allen voran Torwart Thibaut Courtois vom FC Chelsea.

Wilmots hat einige junge Talente in den Kader eingebaut wie zum Beispiel Jason Denayer (Abwehr) oder Michy Batshuayi, dazu kommen die in ihren Vereinen und durch die Weltmeisterschaft erfahrenen Spieler wie Nainggolan, Witsel, Mertens oder Vertonghen. Die Mannschaft ist seit fünf Jahren kontinuierlich gewachsen und gereift und ihr steht eine große Zukunft bevor.

Probleme: Wirklich gravierende Probleme haben die „Red Devils“ nicht. Die Abwehr bleibt aufgrund von Verletzungen (Kompany) und Blessuren (Vermaelen) ein Unsicherheitsfaktor, vor allem der Ausfall des Kapitäns Vincent Kompany (Manchester City) wiegt schwer. In manchen Spielsituationen fehlt der Mannschaft die letzte Abgeklärtheit und die letzte Ruhe, was man vor allem bei der letzten WM beobachten konnte. Gegen tiefstehende Gegner, die Belgien größtenteils erwarten kann, finden sie noch keine Lösungen.

Tipp: Aus im Halbfinale

Beste Aufstellung: Courtois-Denayer, Alderweireld, Vertonghen, Lukaku- Nainggolan, Witsel- de Bruyne, Mertens, Hazard-Lukaku

Natürlich gibt es neben den Favoriten auch Mannschaften, die anderweitig für Überraschungen sorgen.

Eine positive Überraschung könnte folgende Mannschaft werden:

Island

Die Skandinavier, die ihre seit vier Jahren gute Form nun endlich für eine Endrundenteilnahme genutzt haben (2014 sind sie in den Playoffs an Kroatien gescheitert), können in einer Gruppe mit Österreich, Ungarn und Portugal weiterkommen. Die Stärken sind die kollektiv gute Defensivarbeit und die strukturierte, eingespielte Offensive, in der vor allem Gylfi Sigurdsson, ehemals bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, glänzt, gleichermaßen als Torschütze wie auch als gefährlicher Freistoßschütze.

Probleme: Eine Schwäche ist ganz klar die fehlende internationale Erfahrung bei vielen Spielern sowie die fehlende individuelle Klasse, die nur durch das Kollektiv aufgefangen werden kann. Klar ist allerdings auch, dass von der Stammelf keiner verletzt ausfallen darf, da dies nicht aufgefangen werden kann.

Tipp: Aus im Viertelfinale

Beste Aufstellung (falls ihr dies auseinander halten könnt): Halldorsson- Saevarsson, Arnason, Sigurdsson, Skulason- Gunnarson- Gudmundsson, Sigurdsson, Bjarnason. Bödvarsson, Sightorsson

Natürlich gibt es auch negative Enttäuschungen, wie zum Beispiel:

Portugal

Die Portugiesen, wie bei jedem Turnier mit nicht gerade kleinen Ambitionen gestartet, bestehen in erster Linie aus Cristiano Ronaldo. Und der ist nicht hundertprozentig fit. Haben es die Portugiesen bei Weltmeisterschaften in den letzten Jahren nie wirklich weit geschafft, scheint die Situation vor dieser EM auch nicht wirklich verheißungsvoll. Die Portugiesen haben es immer noch nicht wirklich geschafft, eine schlagfertige Mannschaft auf den Rasen zu bringen, trotz guter und erfahrener Spieler wie Pepe, Quaresma oder Ronaldo und hoffnungsvollen Talenten wie William Carvalho oder Bayern-Neuzugang Renato Sanches. Vor allem gegen tiefstehende Gegner tut sich die Mannschaft schwer, was in einer Gruppe mit Österreich, Island und Ungarn wahrscheinlich auf die Portugiesen zukommen wird. Deswegen wird es nichts mit dem großen Wurf bei dieser EM.

Tipp: Vorrundenaus

Italien

Auch Italien hat Probleme bei Weltmeisterschaften (Vorrundenaus jeweils 2010 und 2014), aber sie waren letzter EM-Finalist. Doch von solchen „Erfolgen“ kann sich die Squadra Azzurra nichts kaufen. Eine starke Defensive mit Buffon, Chiellini, Bonucci und Barzagli (alle Juventus) reicht nicht bei einem großen Turnier. Mit Verratti, Marchisio (verletzt) und Pirlo (nicht nominiert) fehlen ganz wichtige Spieler im Mittelfeld, das größte Problem ist aber die Offensive. Da hakt es vor allem im Abschluss, ein wirklich international starker Stürmer fehlt. So kann Italien mit Mühe maximal Gruppendritter werden gegen Belgien, Schweden und Irland. Vielleicht reicht das ja für das Achtelfinale, weiter geht es aber nicht. Was ist bloß aus Italien geworden?

Tipp: Vorrundenaus

Was meint ihr? Wer wird Europameister? Welche Mannschaften sind die Favoriten, wo seht ihr Stärken und Schwächen der deutschen Mannschaft? Und welche Mannschaften überraschen? Schreibt es in die Kommentare!

Gut Kick!

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