Da ich neulich schon über Schlafstörungen geschrieben habe, dachte ich mir, schreibe ich am besten direkt über mein Nächstes Problem: Die Volkskrankheit die Depressionen. Also hier die Top-5-Sätze, die kein Depressiver mehr hören kann!

#5 – „Jeder hat mal schlechte Laune“

Okay, das stimmt. Aber – und das werde ich euch noch öfter sagen – Depressionen haben so viel mit schlechter Laune zu tun, wie ein Papierschnitt mit einem gebrochenen Arm. Depressionen sind eine Krankheit, die Niedergeschlagenheit ist nur ein Symptom. Es gibt noch viel mehr, zum Beispiel (davon müssen nicht alle zustimmen): Zu viel oder zu wenig Schlaf, Überfressen oder Hungern, dementsprechend auch Gewichtszu- oder Abnahme, Konsum, Drogenkonsum (Alkohol / Tabak), kurzfristiges Absagen von Treffen, Probleme mit Selbstvertrauen/-bewusstsein, Verminderte Aufmerksamkeit, Suizidales Verhalten, Abnahme des sexuellen Interesses, eine gewisse Distanziertheit zur Umwelt, grundlose Schuldgefühle und Vieles mehr. Ihr erkennt das Muster. Schlechte Laune ist eins von vielen Symptomen, aber im Volksmund das bekannteste. Heißt nicht umsonst „Ich bin heute irgendwie depri drauf“.
Wichtig ist: Depressionen sind keine schlechte Laune, sie sind viel mehr als das!

#4 – „Willst du dich umbringen?“

Ja, Suizidgedanken oder –versuche sind ein Symptom. Aber eins der selteneren. Depressionen bedeuten nicht, dass man über Suizid nachdenkt. Viele Depressive sind per se gar nicht so unglücklich mit ihrem Leben, nur die depressiven Episoden drücken das Glück herunter. Uns ist klar, wofür wir dankbar sein sollten, nur können wir es oft nicht so wahrnehmen. Aber nur deswegen bringt sich niemand um. Meist steckt viel mehr hinter einem Suizid. Fehlendes Verständnis, fehlende Unterstützung, falsche Therapie, familiäre Belastung und so viele Gründe mehr. Außerdem gibt es noch viel mehr Krankheiten, bei denen suizidales Verhalten zu den Symptomen gehört. Darunter fallen beispielsweise die Posttraumatische Belastungsstörung, Borderline, Angststörungen, Impulskontrollstörungen und andere Krankheiten. Außerdem muss dem auch nicht immer eine Krankheit zugrunde liegen. Alkoholiker weisen beispielsweise auch eine erhöhte Suizidrate auf. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Depressive solche Absichten haben, aber das kommt seltener vor als man denkt. Die, die sich umbringen landen halt nur schneller in den Nachrichten.
Wichtig ist: Depressionen bedeuten nicht, dass man sich umbringen will, aber man sollte trotzdem aufpassen.

#3 – „Du musst dich einfach nur zusammen reißen“

Obwohl ich die Auswahl getroffen habe, kriege ich gerade wirklich leichte Aggressionen, weil man diesen Satz viel zu häufig hört und er einfach nicht gerechtfertigt ist. Die Aussage, man solle sich nur zusammenreißen sagt ja eigentlich, dass man ein Weichei ist, dass mit Problemen nicht klar kommt. Also nochmal zum Mitschreiben für alle (ich hab ja angekündigt, dass der Satz häufiger fällt): Depressionen sind keine schlechte Laune und haben nichts mit Schwäche zu tun. Depressive brauchen sogar sehr viel Kraft. Überlegt einfach, dass neben euch ständig jemand herläuft, dem ihr blind vertraut und der euch den ganzen Tag über sagt, dass ihr wertlos seid, nichts auf die Reihe kriegt und einfach eine Enttäuschung seid. Sich das erstens nicht anmerken zu lassen und zweitens auch selbst zu ignorieren erfordert eine ungeheure Menge an Kraft, die wir nicht immer aufbringen können. Ihr könnt nach einem Marathon auch nicht direkt den nächsten laufen.
Wichtig ist: Depressive reißen sich schon täglich genug zusammen, keine Sorge.

#2 – „Sport hilft gegen schlechte Laune“

Stimmt, Sport hilft wirklich gegen schlechte Laune. Wenn ich einen miesen Tag habe, dann hilft Sport wirklich. Man kann sich auspowern und Frust und alle anderen Emotionen rauslassen. Macht auch im Normalfall wirklich Spaß. Aber noch einmal und das sage ich nur, weil es leider in der Gesellschaft viel zu oft vergessen wird: Depressionen sind keine Schlechte Laune! Ich kann das gar nicht oft genug betonen. Depressionen sind eine Krankheit, wie ein Tumor im Gehirn.. Vielleicht sollte man mal kurz in Grundzügen erklären, wie Depressionen biologisch funktionieren – wobei das zu einem Großteil noch nicht erforscht ist. Aber prinzipiell gilt als gesichert, dass die Übertragung der Neurotransmitter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin gestört ist. Dopamin, das „Glückshormon“ kennt jeder, Noradrenalin wirkt ähnlich wie Adrenalin und ist für Motivation und Antrieb zuständig und Serotonin hat vielfältigste Aufgaben. Wikipedia sagt dazu: „Zu den wichtigsten Funktionen des Serotonins im Gehirn […] zählen die Steuerung oder Beeinflussung der Wahrnehmung, des Schlafs, der Temperaturregulation, der Sensorik, der Schmerzempfindung und Schmerzverarbeitung, des Appetits, des Sexualverhaltens und der Hormonsekretion.“ Das sind wirklich viele Aufgaben, wenn man bedenkt, dass das nur ein Botenstoff ist.
Wichtig ist: Weil diese drei Stoffe nicht richtig übertragen werden, fehlt uns eben auch häufig der Spaß und die Motivation für sowas wie Sport oder Ähnlichem, das eigentlich die Laune hebt.

#1 – „Was ist denn der Grund dafür?“

Einmal noch, weil‘s die letzten Male so schön war: Depressionen sind wirklich keine schlechte Laune. Wenn ich in eine solche Phase rutsche, dann hat das selten einen richtigen Auslöser.  Die Depressionen kommen und gehen, wie Ebbe und Flut. Natürlich kann es auch Auslöser geben, aber das sind meistens Kleinigkeiten. Dadurch, dass Depressionen eine biologische Ursache haben, reicht fürs Ausbrechen meistens eine Lappalie. Beispiele aus meiner Erfahrung: Man hat den Geburtstag eines Bekannten vergessen, man hat die Bahn verpasst, ein Lieblingsshirt ist kaputt, etc. Das sind Sachen die jeder andere einfach akzeptieren würde, aber mich stürzen sie in ein Loch. Hinterher weiß ich auch nur noch selten, wieso ich in so eine Phase gerutscht bin.
Wichtig ist: Depressive Episoden brauchen keinen Grund, sie sind einfach da.

Falls ihr Menschen in eurem Bekanntenkreis habt, die sowas durchmachen, dann hab ich hier noch einen abschließenden Tipp. Das Geheimnis ist Verständnis. Ihr müsst kein Mitgefühl zeigen, eigentlich wollen wir genauso behandelt werden wie immer. Nur halt mit Verständnis dafür, dass wir manchmal distanziert wirken, euch anpampen bzw. aggressiv werden oder keine Lust haben, feiern zu gehen. Das hat dann rein gar nichts mit euch zu tun, das liegt dann nur an dem Dämon, der gerade Rumba in unserem Kopf tanzt.
Eine Sache, die in meiner Erfahrung funktioniert hat: Die Leute einfach mitzerren. Wenn wir erst einmal unterwegs sind und uns ablenken können, dann sind wir hinterher sehr dankbar dafür!

Falls ihr mit solchen Problemen lebt, schaut euch doch die Seite der deutschen Depressionshilfe an!
Falls ihr mehr über Depressionen wissen wollt und gut Englisch könnt, kann ich euch noch die Videos der „WHO“ zum Thema „Black Dog“/Depressionen empfehlen:

Das Video „Living with a black dog“ ist eine Hilfe für Partner von Depressiven, Freunde und natürlich die Erkrankten Selber.  Der werdet ihr auch viele der Aussagen aus diesem Text wiederfinden.

Das Video „I had a black dog, his name was depression“ zeigt das Leben eines Depressiven durch die Metapher eines Schwarzen Hundes.

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