Kennt ihr das, wenn ihr zwei Wochen vor dem Urlaub immer noch keine Idee habt, wohin es gehen soll?

Zwei Wochen vorher:

Ich wollte unbedingt noch etwas Tolles in meinem Urlaub machen, hatte es aber wieder mal verpeilt mich rechtzeitig darum zu kümmern, einen richtigen Urlaub zu planen. Aus Faulheit und Frustration ging es dann in ein Reisebüro, in dem man uns für sieben Tage zwei Angebote ab 500, – € pro Person unterbreitet hat.

Ein Standardurlaub auf Mallorca in einem Hotel für diesen Preis war mir dann doch zu langweilig, aber es hatte meinen Ehrgeiz geweckt. Auch wenn es kurz vor knapp ist, ein toller Urlaub geht doch auch günstiger, oder?

Natürlich darf man nicht wählerisch sein, wenn man günstigen Urlaub machen möchte. Daher schon mal die Seite von Ryanair geöffnet, hier müssen doch irgendwo günstige Flüge zu finde… Ah ja. Barcelona. Das Reiseziel stand schonmal fest, es war das erste Ziel in der Liste, zu dem es noch günstige Flüge gab und wohin ich mir hätte vorstellen können zu verreisen. Nach Barcelona wollte ich immer schon mal, der Preis war in Ordnung, also galt es, einen günstigen Schlafplatz zu finden. Mir war bewusst, wenn ich das Reisebüro schlagen will, muss ich härtere Geschütze auffahren. Airbnb geöffnet, Reisezeitraum eingegeben, der sich nach den günstigen Flügen gerichtet hat und den Preisfilter ans untere Ende gestellt. Privatzimmer sind günstiger als ganze Unterkünfte, noch billiger geht es nur mit Couchsurfing auf der Luftmatratze, was allerdings den Erholungsfaktor stark gemindert hätte, für mich jedenfalls.

Der perfekte Urlaub besteht für mich aus Ausschlafen (Pluspunkt für Privatunterkunft, da kein Zimmermädchen zu unmenschlichen Zeiten an deine Tür klopft) Wärme, Strand und der Möglichkeit, auch ein bisschen die Gegend zu erkunden.Schlafplatz

Die perfekte Kombination fand ich dann in einem schönes Zimmer in der Nähe der Sagrada Familia, das für die nächsten sieben Tage das Hauptquartier für alle Erkundungsmissionen der Hauptstadt Kataloniens werden sollte. Mit WLAN, versteht sich. Wir leben ja nicht hinterm Mond.

Tag 1 — Ankunft in Barcelona:

gelandet

Wecker auf 4 Uhr gestellt, um pünktlich am Flughafen zu sein. Ryanair ist nicht gerade dafür bekannt, den am nächsten liegenden Flughafen anzufliegen, aber was tut man nicht alles bereit zu tun für ein. Nach zwei Stunden Flugzeit und 75 Minuten Busfahrt kamen wir am Busbahnhof Estació del Nord in Barcelona an.

Von dort aus ging es mit der Metro zum Stadteil Eixample, der mit einer Bevölkerungsdichte von über 35.800 Einwohnern/km² einer der am dichtesten besiedelten Orte in Europa ist.

Sagrada FamíliaNachdem wir unser Gepäck abgeworfen haben, erkundeten wir den Platz rund um die von Antoni Gaudí entworfene Basilika La Sagrada Família, der direkt vor unserer Haustür lag. Der Bau dieser riesigen Kirche wurde 1882 begonnen und soll 2026 abgeschlossen sein. Erinnert ein bisschen an eine riesige Sandburg, mit vielen künstlerischen Verzierungen. Wie fast alle Gebäude mit so einer langen Bauzeit weist auch die Sagrada Família mehrere Architekturstile auf, vor allem Elemente der Neugotik, Modernisme und Moderne.

Arc de Triomf - BarcelonaAuf dem Weg in Richtung Strand kamen wir über den Passeig de Sant Joan am Arc de Triomf vorbei, welcher 1888 als Eingangstor zur Weltaustellung errichtet wurde.

Weiter ging es durch den wunderschönen Parc de la Ciutadella, der sich neben dem Zoo von Barcelona befindet und den imposanten Brunnen Font de la Cascada enthält. Er ist der größte Park der Stadt.

Anschließend ging es in das Künsterviertel El Born, das sich mit seinen natürlich gewachsenen Straßen und verwinkelten Gassen deutlich von der übrigen Stadt mit ihren rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen abhebt, und neben dem gotischen Viertel Barri Gòtic zu meinen Favoriten zählt.

In El Born CC kann man außerdem eindrucksvolle Überreste des alten Barcelonas finden.

Nach einem Bummel durch die Gassen probierten wir Pan con tomate – ein typisches Gericht der katalanischen Küche: Mit einer halbierten Tomate und Knoblauch beriebenes geröstetes Brot. Einfach aber lecker.

Am Hafen wird ähnlich wie auf den Rheintreppen täglich Musik von Straßenkünstlern gespielt, und eine große Treppe sowie viele nette Cafés am Straßenrand laden zum Verweilen ein.

Neben den Mojitoverkäufern, Masseurinnen, Tuchhändlern und Sandburgarchitekten gibt es am Strand die typischen fliegenden Händler (Ihr wisst schon, die, die ihren Sonnenbrillen-Teppich und ihre Selfiesticks alle zehn Minuten aufgrund einer vorbeifahrenden Polizeistreife zusammen packen und sich totaal unauffällig zum Strand drehen, wie kleine Kinder. Warum glauben die eigentlich, sie wären unsichtbar, wenn sie sich die Augen zuhalten?)

Ansonsten gibt es dort einen sehr tollen und sauberen Strand, mit einer breiten Promenade, auf der man mit einem der vielen angebotenen zu mietenden elektrisierten Fahrzeuge wie Segways oder elektrischen Scootern nach Herzenslust herumdüsen kann.

Geht man weiter weg vom Hafen kommt man ins ehemalige Fischerviertel Barceloneta, das vor den Olympischen Sommerspielen 1992 ein sehr armes Viertel mit einer hohen Kriminalitätsrate war.

Schon von Weitem sichtbar ist ein kupferfarbener Fisch aus glänzenden Metallplatten, welcher in der Sonne glänzt und von Frank O. Gehry aus Stein, Stahl und Glas anlasslich der Olympischen Spiele entworfen wurde.

Auf dem Rückweg zurück zu unserer Unterkunft kamen wir noch am beleuchteten Torre Agbar vorbei, der wie ein Oktopus auf Speed  in leuchtenden Farben pulsiert. Einkaufen im Supermercat fürs Frühstück.

Tag 2 — Planlos durch den Großstadtdschungel:

Frühstück auf dem (zugegebenermaßen viel zu kleinen) Balkon, mit einem Blick auf die typische Architektur in Barcelona. Weiter ins gotische Viertel „Barri Gòtic“, zur Santa Maria del Pi und dem Antiquitätenmarkt. Erkunden der Kathedrale, des Justizpalastes, und vielen kleinen Cafés, in denen kleine Snacks Stärkung für den Tag bringen. Mit der Metro nach Hause fahren.

Tag 3 — Regen im Doppeldeckerbus:

Ziemlich müde sein. Beschließen eine Stadtrundfahrt mit einem der Doppeldeckerbusse zu machen. Gute Entscheidung, um einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen, und rumsitzen können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Unterirdische Qualität der Sitze und Tonqualität, sowie schlechtes Timing der Bandansagen und Regen rundeten diesen Tag ab.

Dafür habeb wir viel gesehen an diesem Tag, u.a. Hospital de Sant Pau, Casa Battlo, den Placa Catalunya, ein spanisches Kaufhaus von innen, den Montjuïc, Camp Nou, das Viertel Barceloneta, Park Güell und vieles vieles mehr, was aufgrund der Müdigkeit an diesem Tag leider nicht hängen geblieben ist.

Tag 4 — Prozession der Heiligen drei Könige:

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Erkunden des Parc de la Ciutadella mit seinen eindrucksvollen Wasserspielen, einem Steinmammut und schlafenden Obdachlosen. Kulinarischer Genuss am Hafen in einem Burgerladen.

Zufälliges Stoßen auf eine riesige Menschenmenge. Die Einheimischen fragen, was los ist. Erfahren, dass an dem Tag für die Kinder ein Umzug veranstaltet wird und sie am Abend beschenkt werden. Kinder kommen mit ihren Leitern um etwas sehen zu können, und übergeben den heiligen drei Königen ihre Briefe mit Wünschen. Sehr gut umgesetzt, mit viel Konfetti, Musik und einer Geschichte die von Schauspielern auf den einzelnen Wagen erzählt wurde. So hat ein Wagen z.B. Weihrauch versprüht, jeder König hatte seinen eigenen Wagen mit Gefolge, das mit der Herkunft, passender Musik und Tänzen begleitet wurde. Dann gab es noch ein Piratenschiff, ein riesiges bewegliches Pferd und große Angeln mit Netzen dran, in denen die Briefe der Kinder gesammelt wurden. Einen Ausschnitt seht ihr hier:

Eine sehr schöne Tradition wie ich finde, die nicht mit dem Karneval in Deutschland zu vergleichen ist.

Tag 5 — Castell de Montjuïc:

Heute geht’s auf den Montjuïc. Ein Berg, der mit 173 Metern Höhe einen spektakulären Blick auf ganz Barcelona und seine Nachbarstädte ermöglicht. Dort gibt es ein Kastell, von welchem man einen Rundumblick auf den Containerhafen und das Meer hat und ebenbei noch etwas über die Geschichte Kataloniens erfährt.

Abstieg zu Fuß. Danach noch ein bisschen durch die Stadt laufen, die Avenue Diagonal und La Rambla – die berühmteste Flaniermeile Barcelonas – besuchen.

Tag 6 — Park Güell:

Park Güell besuchen. Es lohnt sich, das Ticket zu kaufen, um die Architektur von Antonio Gaudí zu sehen, der im Grunde als Hundertwasser Barcelonas bezeichnet werden kann. Eine tolle Aussicht über die Stadt hat man aber auch über dem Park, mit verschlungenen Wegen und einem großartigen Panorama. Sogar den Montserrat kann man von dort erblicken. Der Park Güell ist in jedem Fall ein Must-See wenn Du mal in Barcelona bist. Den letzten vollen Tag haben wir am Hafen und am Strand verbracht, uns unter eine Palme gesetzt und einfach Gitarre spielenden Menschen zugehört.

Das Wetter im Januar: 16 – 20 Grad, ein Tag Regen, aber sonst eine gelungene Alternative zum kalten Wetter in Deutschland.

Tag 7 — Abschied nehmen:

Tag der Abreise. Barcelona ist wirklich eine wundervolle Stadt, die man unbedingt gesehen haben sollte. Besonders gefallen haben mir die Mentalität ihrer Bewohner, die breiten Straßen, auf denen es mehr Platz für Passanten, Spielplätze und Hunde gibt als für den Straßenverkehr, und die außergewöhnliche Architektur, die wie aus einem Guss wirkt, und selbst die etwas heruntergekommenen Häuser ihren eigenen Charme haben. Zudem gibt es viel moderne Gebäude, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen und Barcelona zu einer modernen Millionenstadt machen.

Was ich mitgenommen habe:

  • Ich könnte mir ohne Weiteres vorstellen, in dieser Großstadt zu leben. Das Flair und die Menschen sind einfach klasse. So warmherzig und hilfsbereit habe ich wenige Großstädte in Erinnerung behalten.
  • In Planstädten kann man sehr gut zurück zu seinem Quartier finden, wenn man sich die Namen der sich dort treffenden Straßen merkt.
  • Nur mit Handgepäck zu reisen hat definitiv seine Vorteile, weil man nicht auf sein Gepäck warten muss und zehn Kilo reichen locker für sieben Tage, es sei denn man möchte Backsteine transportieren.
  • Was auffällt ist, dass die Klingelschilder nicht wie bei uns mit Namen bestückt sind, sondern nur mit Nummern für Etage und Wohnung, so dass man ohne diese Info aufgeschmissen ist.
  • Die Preise für den ÖPNV sind mit einer Zehnerkarte für 9,95 € im Vergleich wirklich voll okay.

Handverlesene Reisetipps

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