Drei Jahre warten. Drei Jahre quälen. Drei Jahre hoffen, glauben, bangen. Viel zu lange drei Jahre hat es gedauert, bis ich Bruce Springsteen wieder live sehen konnte. Das letzte Konzert war im Juni 2013 in Mönchengladbach, danach fing die Leidenszeit an.

Anreise am Konzerttag um 10 Uhr ab Duisburg per Auto. Danke nochmal an Peter und die anderen, die mich mitgenommen haben! Während der Fahrt immer wieder starker Regen, der umso stärker wurde, je näher wir unserem Ziel kamen. Am Stadion-Parkplatz angekommen, regnete es so stark, wie ich es in meinem Leben noch nie erlebt habe (zumindest kann ich mich nicht daran erinnern). Rein in den Shuttle-Bus, mit Überlegungen im Kopf, ob die Jacke den Regen denn aushält. Dann aber, als wir ausstiegen: Strahlender Sonnenschein, kein Regentropfen mehr. Um es vorwegzunehmen: Es sollte an diesem Tage auch kein Regen mehr fallen, das Wetter spielte also schonmal mit. Nach einem kleinen Waldspaziergang kamen wir am Malievield an, einem brach liegenden Feld inmitten Den Haags, das öfter für Festivals und Konzerte benutzt wird. Noch schnell ein Ticket für einen Mitfahrenden geholt und dann ab in eine Schlange. Zwei Stunden vor Einlass war noch gar nicht so viel los, nur die vorderen Eingänge (die wir galant gemieden haben) waren bis auf den Weg, der durch den Park führt, gefüllt. Bei uns war aber alles noch locker, ein Mitreisender holte noch drei Bekannte zu sich und so ging die Wartezeit schnell rum.

Als die Tore geöffnet wurden, folgte die Ernüchterung: Wir hatten zwar nicht viele Menschen vor uns in der Schlange, diese waren aber zu einem großen Teil weiblich und trugen Handtasche und/oder (meistens und) Rucksack mit sich rum. Da das an der Sicherheitskontrolle natürlich ewig dauert, hatten alle anderen Tore einen Vorsprung. So schafften wir es schlussendlich nicht in den Pit (der vorderste Bereich, dieses Mal für ca. 4000 Leute), aber ganz nach vorne in den restlichen Innenraum. Nachdem wir einen Platz bekommen hatten, mussten wir diesen erstmal sichern und verteidigen. Durst und Hunger mussten also erstmal warten. Mittlerweile war es brütend heiß und der steinharte Boden war willkommen, zumindest als Sitzunterlage (danke nochmal an alle Menschen, die (unfreiwillig) als Schattenspender gedient haben). Irgendwann wurde der Hunger dann doch zuviel und es wurden Pommes geholt. Dazu musste man- wie in den Niederlanden üblich- Wertmarken holen, mit denen man dann bezahlte. Gestärkt ging das Warten weiter, irgendwann wurder der Durst zu viel. Da zwei Mitreisende mit den Wertmarken in Richtung Warteschlange für den Pit abgezöckelt waren, musste ich selber erstmal noch Wertmarken holen. Auf dem Weg zurück zum Platz erst einmal Verwirrung: Wo genau war meine Begleitung nochmal? Nach vier bis fünf Minuten höchster Orientierungslosigkeit war der heilige Platz wiedergefunden.

Um 17:50 Uhr Ortszeit kam die Vorband „Stereophonics“ auf die Bühne. Normalerweise hat Mr. Springsteen keine Vorband (er braucht auch definitiv keine), nur in unserem Nachbarland sei das so üblich, sagte man mir. Die Band hatte auch bei „Rock in Rio“ dieses Jahr genau vor der E Street Band gespielt. Es war ok, einige Lieder, von denen ich den Titel nicht mehr weiß, waren sogar echt gut, aber der ganze Auftritt stand unter der großen Überschrift: „Wann geht endlich das wichtige Konzert los?“. Ein bisschen unfair, das stimmt, aber wer mag es uns verübeln? 🙂

Irgendwann, gegen 19:45 Uhr war es soweit. Der Boss höchstpersönlich stieg die Treppen hinauf und legte bestens los: „Badlands“ (bester Song aller Zeiten!)!

Danach ging es grandios weiter: „No Surrender“, „My Love will not let you down“, „From Small Things (Big Things One Day Come)“, „Sherry Darling“ und „Night“, was ein Auftakt! Drei live vorher noch nie gehörte Songs, ein Sign Request (Schild mit Liedwunsch) und „Badlands“ direkt am Anfang. Come on!

Danach wurde es etwas ruhiger, „My City of Ruins“ und „Jersey Girl“ (Sign Request) elektrisierten das Rund trotzdem. Mein persönliches Highlight sollte nun folgen, auch wenn „Hungry Heart“ nun nicht unbedingt das Lied ist, was oben auf meiner Liste steht, ABER: Der Meister gesellte sich runter zum Pöbel und lief an uns, die wir direkt am Gitter standen, vorbei. Natürlich konnte auch ich mir keine Berührung verkneifen, ab da konnte das Konzert nur noch schlechter werden. Ich habe Gott berührt!

Der nächste Gänsehautmoment folgte ein paar Songs später, als Mr. Springsteen ein Schild mit der Aufschrift „Racing in the Street“ auspackte und eben jenen Song anspielte. Das Stadion wurde ruhig, die Stimmung umso spannender und elektrisierter. Es war Gänsehaut im Malievield. Danach ging es rockig weiter, das obligatorische „Waiting on a Sunny Day“ inklusive singendem Kind durfte nicht fehlen. Ist nicht meins, das Lied plus Showeinlage, die Stimmung aber war gut. Dann wurde es noch einmal wunderschön: „I´m on Fire“, ein Song zum Niederknien, die rote Abendsonne senkte sich auf die Bühne und auf Bruce, ein wunderschönes Bild. Über „Thunder Road“ und „Land of Hope and Dreams“ ging es zum nächsten Knaller: „Jungleland“, auch ein Wunsch, auch noch nie live gehört. Absolut genial! Der Zugabenteil war mit „Seven Nights to Rock“ und „Detroit Medley“ (wie geil!) extremst gut gefüllt, nach „Shout“ verließ die Band die Bühne, nur der Boss blieb stehen und stimmte „This Hard Land“ akustisch an. Das ganze Stadion sang mit und nach über drei Stunden war es vorbei.

Ein absolut geniales Konzert (wie gewohnt), eine tolle Reise, ich habe nette Menschen kennengelernt und freue mich jetzt auf Rom am Samstag!

Bis dahin, see ya further on up the Road!

Setlist:

  1. Badlands
  2. No Surrender
  3. My Love will not let you down
  4. From small things (Big things one Day come) (Sign Request)
  5. Sherry Darling
  6. Night
  7. Spirit in the Night
  8. My City of Ruins
  9. Jersey Girl (Sign Request)
  10. Hungry Heart
  11. Out in the Street
  12. You can look (but you better not touch)
  13. Death to my Hometown
  14. The River
  15. Racing in the Street (Sign Request)
  16. The Promised Land
  17. Working on the Highway
  18. Darlington County
  19. Waiting on a Sunny Day
  20. I´m on Fire
  21. Because the Night
  22. The Rising
  23. Thunder Road
  24. Land of Hope and Dreams
  25. Jungleland (Sign Request)
  26. Born to Run
  27. Seven Nights to Rock
  28. Detroit Medley (Sign Request)
  29. Dancing in the Dark
  30. Tenth Avenue Freeze-Out
  31. Shout
  32. This Hard Land (Solo Acoustic)

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