Von Kathleen G.

Es ist der 19. Juni 2016, ein warmer und sonniger Sonntag in Berlin. Es ist eigentlich alles wie immer, die Bewohner und Touristen genießen den schönen Sommertag an der Spree und schlendern durch die Straßen der Hauptstadt. Aber dieser Sonntag ist kein Sonntag wie jeder andere, denn Berlin hat an diesem Abend einen ganz besonderen Gast: „The Boss“ Bruce Springsteen wird ein Konzert im Olympiastadion geben.

Die Vorgeschichte…
Die Freude der Fans war groß, als bekannt wurde, dass Springsteen für zwei Konzerte auch nach Deutschland kommt, einmal München (17.06.) und Berlin (19.06.) . Der Ansturm auf die Tickets war groß, besonders die begehrten „Front of Stage“-Tickets waren nach wenigen Minuten sofort vergriffen. Wer möchte denn nicht einmal dem Boss zum Greifen nahe sein? Der Vorverkauf startete im Februar an einem Samstag. Mein Puls war auf 180, ich hatte Herzrasen, so saß ich an meinem PC und hatte parallel noch mein Handy startbereit. Wie erwartet hatte ich kein erhofftes Front of Stage Ticket ergattern können, dennoch war ich überglücklich, als ich meine gute Sitzplatzkarte in den Warenkorb legte und bestellte – Der Boss live in Berlin ? CHECK! Meine Glücksgefühle waren regelrecht explodiert. Ich ärgere mich heute noch, dass ich nicht schon bei der Tour im Sommer 2013 dabei war, obwohl ich schon immer ein großer Springsteen-Fan war. Umso mehr freute ich mich auf den Juni. Aber es war erst Februar, bis Juni waren es noch vier Monate, so lange warten? Aber die Zeit verging wie im Flug, der 19. Juni stand vor der Tür und ich habe doch noch ein Front of Stage Ticket bekommen, was meine Vorfreude noch mehr steigerte. Mit E-Street-Band-T-Shirt, USA-Fahne und meinem Song-Wunsch-Pappschild mit der Aufschrift „Streets of Philadelphia“, war ich bereit für das wohl beste Konzert meines Lebens.

Das Konzert …
Um so weit vorne wie möglich dabei zu sein, machte ich mich um die Mittagszeit in die Richtung des Berliner Olympiastadions. Ich war ca. drei Stunden vor Einlass da, es tummelten sich schon allerhand Menschen mit Springsteen-Shirts vor dem Stadion. Viele nahmen auch an dem sogenannten „Roll Call“ teil, um möglichst in den ersten Reihen stehen zu können. Anfangs war ich allein, doch dann kam ich schon mit den ersten Leuten ins Gespräch. Unter anderem mit einer älteren Frau und ihrer ca. 15 Jahre alten Tochter, diese waren sogar extra aus den Niederlanden angereist, um den Boss nochmal erleben zu können. Ich fand Anschluss bei einer 27-Jährigen Frau, ebenfalls mit ihrer Mutter. Die Aufregung war groß, der Roll Call schien nicht ganz so gut gelaufen zu sein, als ich angekommen war, wurden gar keine Nummern mehr verteilt (die Zahlen gingen bis ca. 700). Der Einlass für den Front-of-Stage-Bereich war für 16.30 Uhr vorgesehen (regulärer Einlass war 17.00 Uhr). Diejenigen, die die Nummern 1- 500 hatten, durften zuerst in den abgesperrten Bereich vor dem Stadion, dannach kamen die Nummern 501-700, und dann kamen wir (ohne Nummer auf dem Handrücken). Und so sollten die Leute nach und nach in das Stadion hereingelassen werden. Natürlich war der Soundcheck 16.30 Uhr noch nicht beendet, weshalb es ca. 16.55 Uhr zum Einlass kam. Dann ging es los, die Vordersten sprinteten in Richtung Bühne, wir mussten hinter einem Absperrband bis zum Eingang laufen, um Chaos zu vermeiden. Nun waren wir an der Reihe. Der Einlass ging zügig, die Taschenkontrollen waren nicht so verschärft wie angekündigt, meiner Meinung nach sogar zu oberflächlich. Wir rannten los, über den ganzen Innenraum, die Sicherheitsleute sagten, man solle einen Gang zurückschalten und ruhig bleiben. Ruhig bleiben ?! Wie soll man ruhig bleiben, wenn man weiß, dass man ganz vorn mit dabei ist? Wir hatten uns die Plätze gesichert, vierte Reihe, auch ohne Roll-Call-Nummer. Noch schnell am Merch-Stand ein Shirt und das Tourbuch gekauft, ging es wieder zu den ergatterten Plätzen. Es waren noch ca. 1 ½ Stunden bis zum Konzertstart. Es dauerte nicht lang und es war 19.00 Uhr. Noch nie war ich so aufgeregt, außer zur Abschlussprüfung der Schule oder im Fahrunterricht. Gleich wird der Boss zum Greifen nahe sein.

Um 19.10 Uhr betrat die E-Street-Band die Bühne und es dauerte nicht lang, und der Boss trat vor seine 67.000 Fans. Ohne großes Tam Tam ging es los, mit „Adam Raised a Cain“ stimmte der Boss und seine Band auf die nächsten 3 Stunden und 10 Minuten ein. Die Massen waren jetzt schon außer sich, auch ich, denn ich hätte nie geglaubt, Springsteen einmal live erleben zu dürfen, geschweige denn in der vierten Reihe zu stehen. Es folgten 32 weitere Songs, drei wählte sich der Boss aus dem Publikum in Form von Pappschildern aus und spielte sie. Bei „Hungry Heart“ ließ er seine Fans den Anfang singen, Berlin bewies Textsicherheit. Es folgten weitere große Hits wie „The River“, „My Hometown“, „Born to Run“ und „I´m on Fire“. Bei „Born in the USA“ hob ich im letzten Drittel des Songs die amerikanische Flagge in die Luft, der Song wird meist missverstanden. Was sich nach einer patriotischen Hymne anhört, ist ein Song mit tiefsinnigem Text über den Vietnamkrieg.

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Die Masse klatschte, sang und tanzte. Alle Beteiligten waren außer sich. Springsteen pflegt den Kontakt zu seinen Fans und scheut sich nicht ihnen die Hände zu schütteln oder sie auf die Bühne zu holen. So gab er einem kleinen Jungen die Chance, bei „Waitin´ on a Sunny Day“ zu singen und mit ihm auf der Bühne zu stehen, auf seinem T-Shirt standen die Worte „Bosstime with my Dad“.

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Es waren alle Altersgruppen, von jung bis alt, verteten. Bruce Springsteen macht Musik für Generationen, seine Musikstücke sind zeitlos. Bei „Dancing in the Dark“ holte er sich eine junge Frau auf die Bühne, die mit ihm tanzte und Gitarre spielte. Zugegeben, da war ich wirklich sehr, sehr neidisch. Mit dem Song „Shout“ heizte er den Leuten nochmal richtig ein, es wurde laut gesungen und getanzt, als würde das Konzert die ganze Nacht andauern. Nach dem Song stellte Springsteen seine E-Street Band nochmal vor, jeder einzelne von ihnen bekam einen großen Applaus geschenkt. Sie verließen die Bühne, nur Bruce blieb mit seiner Gitarre und Mundharmonika. Es folgte ein Solo Song, „Thunder Road“. Das Stadion war still, er fing an zu spielen und zu singen, nach ca. 60 Sekunden übernahm das Publikum den Gesang, die Fans sangen nur für Springsteen. Er schloß die Augen und genoss sichtlich die Gesänge seiner Fans. Mir standen die Tränen in den Augen, es war so wunderschön. Aber wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. Der Boss bedankte sich mit einem großen „Thank you Berlin!“ und verließ die Bühne. Über drei Stunden waren vergangen, voller Freude, Gänsehaut, Tanz, Singen und Tränen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Pausenlos und voller Energie bereitete uns Springsteen eine legendäre Show, die auf ewig in Erinnerung bleibt. Kaum zu glauben, dass dieser Mann schon auf die 70 Jahre zugeht, er ist noch fit wie zu seinen Anfängen.

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Ich hoffe, dass es nicht mein erstes und letztes Springsteen Konzert gewesen ist, seine Musik, seine Stimme und seine Shows sind legendär. So ein Phänomen wie ihn wird es nie wieder geben.

Thank you Bruce, you make me happy !

Setlist:

  1. Adam Raised a Cain
  2. Badlands
  3. Out in the Street
  4. Sherry Darling
  5. My Lucky Day
  6. Wrecking Ball
  7. Night (Sign Request)
  8. It´s hard to be a Saint in the City (Sign Request)
  9. Spirit in the Night
  10. Candy´s Room (Sign Request)
  11. She´s the One
  12. Hungry Heart
  13. You can look (but you better not touch)
  14. Death to my Hometown
  15. My Hometown
  16. The River
  17. American Skin (41 Shots)
  18. The Promised Land
  19. Working on the Highway
  20. Darlington County
  21. Waitin´ on a Sunny Day
  22. I´m on Fire
  23. Because the Night
  24. The Rising
  25. Land of Hope and Dreams
  26. Backstreets (Sign Request)
  27. Born in the USA
  28. Born to Run
  29. Seven Nights to Rock
  30. Dancing in the Dark
  31. Tenth Avenue Freeze-Out
  32. Shout
  33. Thunder Road (Solo Acoustic)

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