Nach einer Unterbrechung wegen Karneval kann ich euch heute wieder eine Krankheit vorstellen. Nach Depressionen und Magersucht kommt nun eine Krankheit, die viele von euch schon einmal gehört haben. Also legen wir direkt los.

Warnung: Der folgende Text könnte triggernd sein, wenn ihr also leicht beeinflussbar seid, bitte ich euch, nicht weiter zu lesen!

Heute möchte ich euch von einer Krankheit erzählen, über die viel Mist bekannt ist: die Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS). Ich habe schon mehr Bekanntschaft damit gemacht, als ich wollte, da eine Ex-Freundin, eine ehemalige Freundin und die Mutter einer Ex daran litten bzw. leiden. Viele denken bei Borderline nur ans Ritzen. Es stimmt zwar, dass auch bei dieser Krankheit selbstverletzendes Verhalten (SVV) ein Symptom ist, aber das ist nicht das Kernsymptom. Der Grund, warum ich zu keinem der Borderline-Erkrankten noch Kontakt habe ist, dass diese Krankheit durch emotionale Instabilität gekennzeichnet ist. Aber was bedeutet das im Einzelnen?

Die Borderliner leiden an sehr großen Verlustängsten. Sie haben immer Angst, die Menschen, die ihnen wichtig sind, sie verlassen könnten. Durch diese Ängste sind sie Profis darin, Beziehungen zu sabotieren. Außerdem kennzeichnet sich das Leben der Borderliner genau dadurch: Sehr viele intensive, aber kurze Beziehungen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis. Stellt euch das mal vor: Du hast Angst, verlassen zu werden und durch dein Leben ziehen sich Beziehungen, die nach kurzer Zeit zerbrochen sind. Borderliner drehen dadurch auch bei Streit oder Meinungsverschiedenheiten sehr schnell durch. Oder wenn sie das Gefühl bekommen, dass sie nicht der wichtigste Mensch im Leben des Anderen sind. Da sie aber wissen, dass dieses Verhalten falsch ist, leiden sie unter einem sehr hohen Druck, den sie irgendwie loswerden wollen. Da kommt dann das selbstverletzende Verhalten zum Tragen: Der kurze physische Schmerz lindert für einen Moment den seelischen Schmerz, den man nicht anders loswerden kann. Also fangen sie an sich zu verletzen und eben in seltenen Fällen zu schneiden. Denn glaubt mir, es gibt noch mehr Arten von Selbstverletzung als nur Ritzen. Aber die, die sich ritzen, fangen erst an stellen an, die man nicht sieht. Es kann Monate dauern, bis es zu den Armen kommt. Anfangsstellen sind zum beispiel das Becken oder die Oberschenkel. Dort sieht man die Narben nicht (außer vielleicht im Schwimmbad, aber diese Sonderfälle lassen wir nun außen vor) und man kann nicht versehentlich verbluten, weil man falsch schneidet. Daher kann man diese Krankheit von außen erst sehen, wenn es bereits sehr weit fortgeschritten ist, was im Umkehrschluss den Heilungsweg verlängert. Daher muss man die psychischen Symptome erkennnen. Außer den bisher genannten wäre da auch noch das sehr impulsive Verhalten in anderen Lebensbereichen, wie ständige Geldprobleme, Essensprobleme (zu viel oder zu wenig), sehr impulsives Sexualverhalten, rücksichtsloses Fahren oder ähnliches. Außerdem noch ständige Probleme mit der eigenen Identität und dem Selbstbild. Sich für wertlos halten zum Beispiel. Außerdem ein chronisches Gefühl von Leere. Dass man sie also selten glücklich sieht oder allgemein außer impulsiven Ausbrüchen eine eher distanzierte Person vor sich hat. Das größte Problem an Borderline ist die Kombination der Symptome. Durch die schnellen, intensiven Beziehungen haben Borderliner selten jemanden zum anvertrauen, wodurch niemand bei dem Problem der Krankheit helfen kann. Das Wichtigste im Umgang mit so einer Person ist Geduld. Auch wenn es schwierig ist, oft ist es die Krankheit, die den Stress verursacht und nicht die Person selbst. Daher muss man geduldig sein und die Borderliner unterstützen. Egal wie schwer es ist.

Wenn ihr allerdings selbst an Borderline leidet, dann gibt es einige Anlaufstellen. Einerseits: Euer Hausarzt. Erzählt ihm oder ihr von eurem Problem und ihr werdet eine Überweisung zu einem Verhaltenspsychologen erhalten. Aber auch Online könnt ihr erste Hilfe erhalten. Natürlich könnt ihr mir auch eine Mail schreiben, vielleicht kann ich euch ja helfen.

4 Responses

  1. Basti

    Stimmt es eigentlich das Borderliner extrem gut in Lügen und Vergleugnen von Tatsachen sind? Das sie durch Manipulationen an Menschen ihre Realtität als DIE Realtität durchsetzen wollen?

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    • Max
      Max

      So kann man das nicht sagen. Es ist halt so, dass die Krankheit sich selbst schützt. Sie können ihre Sicht der Dinge sehr glaubwürdig darlegen, weswegen Außenstehende sich meistens auf die Seite des Borderliners stellen. Aber Lügen können die nicht, eher bewusst Dinge verschweigen.

      Antworten
      • Basti

        Man liest häufig dass Boderliner sehr gut in Lügen sind, warum sollten sie dann unehrliche Eigenschaften wie Lügen, Leugnen, Verheimlichen oder Verdrehen von Tatsachen nutzen um ihre Realität als die Realität durchzusetzten, wenn möglich. Dies würde deiner Erklärung dass sich Borderliner durch Ihre Krankheit selbst schützen wollen, nicht widersprechen, im Gegenteil, das würde dies sogar verdeutlichen.

      • Max
        Max

        Ja klar, ich glaube, da habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt: Was ich meinte ist, dass Borderliner niemals böswillig die Tatsachen falsch darstellen. Das ist nur einer der Momente, in denen die Krankheit die volle Kontrolle bekommt. Also Lügen können sie schon, aber nicht bewusst. Viele von denen werden beim bewussten Lügen sogar rot, aber wenn es darum geht, die Krankheit zu schützen, sind sie Profis

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