Hemmungslos, betrunken für zehn und stets auf der Suche nach schnellem Sex. Kurzum: das asoziale Party-Volk vom Ballermann. So oder so ähnlich ist wohl das Bild in den Köpfen der meisten Menschen, die es noch nicht erlebt haben und nur die Bilder aus dem Fernsehen kennen.

Ich wollte mir mein eigenes Bild machen und war ganz heiß darauf endlich einen Party-Urlaub am Ballermann zu verbringen. Drei Freundinnen zelebrieren den Spaß schon seit ein paar Jahren und sind wahre Ballermann-Experten. Bei mir kam immer etwas dazwischen: Auslandsaufenthalt, Urlaub in den Staaten, Auszug von zu Hause – ja, wahrlich Luxusprobleme, die mich aber immer wieder um einen Ballermann-Urlaub gebracht haben.

Ich muss vielleicht vorab sagen, dass ich nicht grade von mir behaupten kann, ein Mäuschen zu sein. Gute Laune, „Jo, hier bin ich“, lautes Lachen, stets einen frechen Spruch auf der Zunge. Ja, das bin ich. Und das Ganze am liebsten mit einem Bier in der Hand. Auf dem Trockenen sitzen ist halt nicht so meins 😉

Im Sommer 2015 war es soweit

Mit meinen drei Expertinnen ging es für fünf Tage auf die Insel. Kurz vorher kamen dann doch noch ein paar Bedenken. Ist das wirklich etwas für mich? Übertreiben die es da wirklich wie es im Fernsehen immer dargestellt wird? Karneval ist zwar total meins, aber beim Ballermann hatte ich dann kurzfristig doch etwas Angst, dass das eine Nummer zu viel für mich wird.

Um 5:50 Uhr sollte der Flug gehen. Vorab hieß es schon, dass es am Gate dann das erste Bier gibt. Bei dieser Ansage streikte mein Kopf: Niemals trinke ich morgens um 5:30 Uhr das erste Bier und mache dann im Flugzeug weiter! Der Tag kam, meine Aufregung und Freude stiegen und zack war der Bierdurst da. Verdammt nochmal, immer das Gleiche. Das erste Bier um 5:30 Uhr war plötzlich kein Problem mehr. Im Flugzeug stieg zwischenzeitlich Panik auf als es hieß, dass das Bier leer sei. Und dabei hatten wir jeder doch nur zwei bestellt. Aber es gab direkt Entwarnung: Der Wagen war einfach nicht ausreichend aufgefüllt wurden, an Bord war genügend. Puh, Glück gehabt! J

Nach knapp 2 ½ Stunden waren wir dann endlich da. Dank unserer dezenten Vorbereitungen (einheitlich pinker Hut und pinke Sonnenbrille mit Strass-Steinen beklebt) wusste der Taxi-Fahrer auch direkt wo es hingehen sollte. Und als hätte der liebe Gott mir einen unvergesslichen Ballermann-Urlaub bescheren wollen, hat uns dann der Hotel-Direktor bei unserer Ankunft eröffnet, dass er für die neue Internetseite Fotos braucht und sich gedacht hat, dass wir Model stehen könnten. Zuerst haben wir uns gefragt, ob nicht nur wir, sondern auch er betrunken ist. Aber es war sein voller Ernst! Bezahlung bestand aus Bier, Cocktails und Essen. Nachdem wir kein Frühstück hatten, aber 1,5 Liter Bier war es selbstverständlich, dass wir dem Wunsch nachgekommen sind und den Spaß unseres Lebens hatten. Nachdem die Fotografin eingetroffen ist stellte sich auch heraus, dass eigentlich nur eine von uns gebraucht wird. Nach kurzem Blickkontakt stand es einstimmig 3:1 und die Auserwählte war schnell bestimmt. Die männlichen Bewohner der innenliegenden Zimmer mit Blick auf den Pool erfreuten sich an diesem Morgen auch ihres Lebens, dass sie gar nicht zum Strand gehen mussten, um etwas zu sehen zu bekommen. Wie einfach das Leben doch sein kann und man die Menschen glücklich macht! Aber kürzen wir das Ganze ab: Die Bilder sind bis heute nicht auf der Internetseite. Fragt sich einer warum… Vielleicht wäre eine Sonnenbrille bei einem Augenaufschlag nach 1,5 Litern Bier auf nüchternem Magen keine schlechte Idee gewesen. Aber hey! Morgens um 10 Uhr im Hotel frei saufen und essen und nichts dafür tun müssen (zumindest zählte das ja für drei von uns). Was will man mehr? Wäre das mal bei mir auf der Arbeit so…

Und dann war es soweit: Freunde der Nacht, ich war endlich da! Zu unseren dezenten Vorbereitungen gehörte auch ein aufblasbares Strand-Tier (man könnte im Wasser ja untergehen, zu wenig Aufmerksamkeit bekommen oder so). Mein Prachtstück war ein Flamingo und hörte auf den Namen Ferdinand. Ferdinand war mir tagsüber ein treuer Gefährte und hat mich überall mit hin begleitet. Wie könnte er auch anders, er war schließlich mit einer Kordel um meine Taille an mich gebunden und bei mir gab’s immer Bier. Also mal ganz ehrlich: Ich an seiner Stelle wäre auch nicht von meiner Seite gewichen.

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Der freundliche Ferdinand

Ein straffes Programm galt zu schaffen:

  • 9.00 Uhr bis 9.30 Uhr: Aufstehen und klar kommen
  • 9.30 Uhr bis 10 Uhr: Frühstück (wir sind ja vernünftig und schaffen uns eine Grundlage, zumindest wenn es der Magen vom Vortag zulässt)
  • 10.30 Uhr bis 11.15 Uhr: Strand (selbstverständlich mit Bier)
  • 11.30 bis 12.00 Uhr: Freibier-Party im Megapark
  • 12 Uhr bis 15.30 Uhr: Trinken, ganz viel Bier trinken
  • 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr: Klar kommen und etwas nüchtern werden
  • 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr: Duschen und für den Abend fertig machen
  • 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr: Abendessen (Grundlage ist alles)
  • 20.00 Uhr bis Ende offen: Ab in den Bierkönig und alles geben!

Es liest sich wahrlich wie ein Fest und glaubt mir, es ist ein Fest! Fünf Tage lang dieses Programm Non-Stopp. Das „Ende offen“ hat sich dann meistens zwischen 4 und 5 Uhr morgens eingependelt.

Als Tipp für Menschen, die jetzt schon auf den Geschmack gekommen sind: An der Promenade ist ein Supermarkt, in dem man sehr günstig einen kleinen Swimming-Pool kaufen kann. Super schnell aufgeblasen, mit Meerwasser und Crush-Eis aufgefüllt ist es die perfekte Kühlung für das Bier von 12 Uhr bis 15.30 Uhr. Und ganz ehrlich: Selbst die Kerle haben uns für diese Idee gefeiert. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass wir keine Gebühr für fremdgekühlte Biere genommen haben. Das wäre gelaufen wie am Schnürchen, aber man lernt ja nie aus… Der nächste Ballermann wird kommen J

Weitere Tipps?

Im Megapark darf man sich maximal auf die Stühle zum Tanzen stellen – niemals auf die Tische, das gibt Ärger! Und am besten versuchen, immer zwei Stühle zu bekommen – das betrunkene Gleichgewicht wird es euch danken! Vor allem solltet ihr rechtzeitig zur Freibier-Party da sein, sonst habt ihr nachher noch einen schlechten Platz, das wäre ja ärgerlich! Und übt vorab einen guten Zug, erst bei einem leeren Glas gibt es Freibier-Nachschub! Für den Bierkönig abends: Stehst du als erstes auf dem Tisch, gehört der Abend dir! Und ja, gut aufgepasst: Im Bierkönig darf man auf den Tisch! Beim auf- und absteigen wird einem auch immer nett geholfen. Solltet ihr euch ein Bierkönig-T-Shirt schießen wollen müsst ihr einfach einen Liter Schnaps bestellen (oder am nächsten Morgen mitbringen ;)) – ich hab das an einem Abend mal probiert, bin meinem Bier quasi fremdgegangen und hab jetzt vier Shirts

ABER! Die oberste Regel überhaupt: Die Klo-Frau ist deine Freundin. Stehst du dich mit der Klo-Frau gut, gehört dir quasi der Laden. Und wenn sie dich freudig begrüßt und umarmt, weißt du, du hast es geschafft.

Und wem kribbelt es jetzt in den Fingern? Schmutzige Details? Wer mit wem? Wie oft? Tja… Klar ist der Ballermann auch dafür bekannt. Aber wenn man den Kerlen zu verstehen gibt, dass man keine Lust hat, dann verstehen die das auch ganz schnell. Denn sind wir mal ehrlich. Was sollen die sich an einer aufhalten, die nicht will, wenn die Insel nur so von Mädels wimmelt?

Ein Anmach-Spruch wird mir aber wohl für immer in Erinnerung bleiben. Aus heiterem Himmel stand eine Jungs-Truppe vor mir, einer wurde angefeuert und heraus kam folgender Spruch: „Fick mich, falls ich mich irre, aber wollten wir nicht rummachen?“. Ich mit meinen frechen Sprüchen auf der Zunge wollte schon antworten bis mir auffiel „Verdammt, aus der Nummer kommst du nicht raus. Das war gar nicht mal so dumm von dem.“ Wie ich aus der Situation gekommen bin? Das ist eine Geschichte für sich…

Ach ja, was soll ich sagen?

Ich finde den Ballermann schon ziemlich genial. Das wird nach diesen deutlichen Worten jetzt auch der letzte Leser verstanden haben. Vielleicht ist es eine Lebenseinstellung, vielleicht ein Lebensgefühl oder man muss ganz einfach dafür gemacht sein – für jedermann ist es definitiv nichts, vor allem aufgrund der Musik – das muss man halt mögen. Aber wenn selbst 40-jährige Frauen ihren Geburtstag dort feiern, sollte klar sein, dass das Publikum breit gefächert ist und jeder einen anderen Punkt im Leben erreicht hat und dennoch seinen Party-Urlaub dort verbringt.

Ich kann die vielen Vorurteile nicht bestätigen. Klar sind die Menschen betrunken, der eine mehr, der andere weniger. Das wäre ja auch gelacht, wenn es nicht so wäre. Man wird es kaum glauben, aber selbst in der Altstadt erlebt man regelmäßig weitaus schlimmere Szenen! Auch wird im Fernsehen immer kommuniziert, dass die Seitenstraßen so schlimm sind. Natürlich sind die Seitenstraßen zu meiden. Und Hand aufs Herz: Wo sollte man Seitenstraßen nicht meiden? Sicher ist man in denen doch schon lange nirgendwo mehr – das ist nicht nur am Ballermann so.

Was bleibt mir zu sagen, um das Ganze zu Ende zu bringen? Mein lieber Ballermann wir sehen uns im Juni 2016, dann wird mein Fernweh gestillt, ein EM-Spiel unserer Jungs zelebriert und ich kann lautstark singen „Ballermann! Mein Herz schlägt für den Ballermann!“.

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