Da der Mensch ja immer seinen Horizont erweitern soll, haben wir uns gedacht, übertragen wir dieses Leitmotiv auch auf die Musik. Das Prinzip ist relativ simpel: Der Gepeinigte bekommt für eine Woche ein Album zu hören, was überhaupt nicht seinem Musikgeschmack entspricht. In diesen sieben Tagen darf keine andere Musik gehört werden, weder im Radio, im Fernsehen noch auf mobilen Endgeräten. Entweder der Zuhörer bricht das Experiment ab, weil er die Musik nicht mehr aushält oder er schreibt über seine Zeit in einem gefürchteten Musikgenre.

Dieses Mal bin ich dran, Max. Ich berichte hier von meinen Erfahrungen.

Donnerstag kam Kira beim Mittagessen auf mich zu. Ich wusste, dass es soweit war. Eine Woche, sieben Tage, 168 Stunden ohne meine Musik. Gucken, was da auf mich zukommt. Years&Years? Noch nie von gehört, zumindest nicht bewusst. Alyssa wurde furios: „Max, die musst du kennen, warte mal“. Also machte sie „King“ an, die wohl bekannteste Single der britischen Elektropop-Band. Bei King denke ich zwar eher an Kool Savas oder Kollegah, aber gut. Hmm. Elektronische Musik, eingängige Melodie, Chart-Material halt. Wird eine interessante Sache.
Zunächst jedoch ein bisschen was zu mir, damit ihr wisst, womit ich normalerweise meine Ohren verwöhne. Ich habe ca. 3.500 Songs auf meinem Handy. Davon werden ungefähr 85% auf Kosten von Hip Hop oder Rap gehen, 5% auf Pop (z.B. Taylor Swift) und 10% auf Diverses, darunter Rock, Dubstep, Reggae, Hard Rock, usw. Also, ich bin in meinem Musikgeschmack sehr wechselhaft, aber meine große Liebe bleibt dem Rhythm and Poetry (das ist das, was hinter Rap steckt) vorbehalten.
Der erste Tag ohne meinen Hip Hop und ohne eines meiner wichtigsten Rituale war komisch. Denn, obwohl ich fast 19 Jahre alt bin, höre ich jeden Abend zum Einschlafen „Der Herr der Dinge“ von Prinz Pi. Das ist eine Art Rap-Epos, ähnlich wie Herr der Ringe (danke an Cpt. Obvious), nur halt gerappt. Die Geschichte packt mich und es bringt mich dazu, früher ins Bett zu gehen.
Wie leicht lies sich „Communion“ eine Woche lang hören? Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich endlich wieder Rap hören darf, das liegt aber weniger an den Jungs aus England als eher daran, dass es genau drei Alben gibt, die ich eine Woche am Stück hören kann: „En Directo“ von FK, „Kompass ohne Norden“ von Prinz Pi und „Achter Tag“ von Genetikk.
Die Melodien auf „Communion“ sind allesamt eingängig und die Texte sehr schön. Mein Problem war nur: Ich finde es schwer, mich an einzelne Tracks zu erinnern, da die Melodien sich für meinen Geschmack etwas zu sehr ähneln. Ein wenig mehr Vielfalt hätte dem Album gut getan. Allerdings ist es definitiv ein Gute-Laune-Album. Wenn ich es morgens als Wecker gehört habe, war ich praktisch genauso schnell auf den Beinen wie an „normalen“ Tagen, wo mich „A-N-N-A“ von Freundeskreis weckt. Und auch unterwegs war es sehr angenehm, da ich die eingängigen Melodien auf dem Weg zur Arbeit sehr schätzen gelernt habe. Passt halt zum Rhythmus der S-Bahn.
Aber was bleibt nach sieben Tagen zu sagen? Einerseits war es sehr angenehm, da ich Schlimmeres erwartet hatte. Nicht, dass ich Kira schlechten Musikgeschmack unterstellen will, aber ich hatte ein wenig Angst, ein Justin Bieber-Album zu bekommen. Allerdings hätte ich gerne zwischendurch nochmal in „Compton“ oder „Cla$$ic“ reingehört.
Nun denn, was bleibt zu sagen? Das Album wird vorerst auf meinem Handy bleiben und „Gold“, „Desire“, „King“ und „Without“ werde ich vermutlich noch öfter hören. Nur in nächster Zeit nicht, da eine Woche die gleiche Musik für mich das wirkliche Aushalten war. Jeder kennt das, wenn man einfach Lust auf einen ganz bestimmten Song hat. Am meisten hat mir die Stimme des Sängers gefallen, da sie sehr ambivalent ist. Ich hoffe, dass Kira aus dem Album, mit dem ich mich revanchiert habe, genauso viel mitnimmt wie ich aus „Communion“ von Years&Years. Abschließend also: Danke Kira, dass du mir das Album gegeben hast.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich höre mal kurz ein wenig Kollegah, immerhin ist Freitag das „Zuhältertape 4“ erschienen.

 

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