Da der Mensch ja immer seinen Horizont erweitern soll, haben wir uns gedacht, übertragen wir dieses Leitmotiv auch auf die Musik. Das Prinzip ist relativ simpel: Der Gepeinigte bekommt für eine Woche ein Album zu hören, was überhaupt nicht seinem Musikgeschmack entspricht. In diesen sieben Tagen darf keine andere Musik gehört werden, weder im Radio, im Fernsehen noch auf mobilen Endgeräten. Entweder der Zuhörer bricht das Experiment ab, weil er die Musik nicht mehr aushält oder er schreibt über seine Zeit in einem gefürchteten Musikgenre.

Den Anfang mache ich, Henning. Ich habe von Max das Album “En Directo” von den “FK Allstars” aka. “Freundeskreis” bekommen. Viel Spaß bei meinen Erfahrungen im Hip-Hop.

Zu allererst: Ich bin Rockfan. Manchmal auch ein bisschen Pop, wobei ich ehrlich sagen muss, dass sich für mich alle Lieder gleich anhören. Früher, das heißt vor ungefähr 10 Jahren, habe ich 50 Cent, Fler und Sido gehört, aber auch nur, weil dies dauernd bei VIVA lief. Mittlerweile bin ich aber ganz dem Rock zugewandt und mag Hip-Hop und Rap auch nicht mehr. Von daher ist es schon eine Herausforderung gewesen, eine Woche lang auf meine fast schon geliebte Musik zu verzichten. Aber ich musste stark sein…

Max kommt mit einem Grinsen im Gesicht um die Ecke zu meinem Arbeitsplatz und drückt mir ein Album in die Hand. Aha. Der Peiniger ist schon da und bereit, mich leiden zu sehen. Also gut, gehen wir es an. Album auf das Handy geworfen und los ging die Woche voller unbekannter Musik.

Der erste Tag war der schlimmste. Da Hip-Hop überhaupt nicht meine Musik ist, musste ich mich erst einmal komplett umgewöhnen und war auch ein bisschen befremdet ob der für mich neuen Rhythmen. Es war anders als gedacht, ich habe bei Hip-Hop eher immer an „meine“ Musik gedacht, sprich Eminem, 50 Cent, etc. Dieses Album aber war anders, allein schon die Stimmung war fröhlicher als gedacht, auch wenn es natürlich auch dunklere und ruhigere Lieder gibt. Es hat mich in Teilen eher an die „normalen“ deutschen Liedermacher erinnert. Immer ein bisschen melancholisch, aber mit Witz.

Nach den ersten zwei bis drei Tagen hatte ich mich meinem Schicksal gefügt und mich mit der Musik arrangiert. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nach diesem Zeitraum schon, dass die 20 Songs des Albums wieder aus meiner Bibliothek verschwindeten, sobald die sieben Tage rumwären. Ich muss allerdings auch zugeben, dass es besser war als gedacht. Allerdings trauerte ich, vor allem zu Beginn, meiner favorisierten Musik hinterher, die für diese Woche komplett aus meinem Leben gebannt war.

Nach knapp 2/3 des Experimentes passierte etwas, wovon ich nicht ausgegangen war. Ich fing an, Lieder zu überspringen, um ein bestimmtes anderes zu hören, da es mir gar nicht mal so schlecht gefiel, jedenfalls besser als die anderen (zynisch ausgedrückt). Dabei zu nennen wären „Erste Schritte“, „Wenn der Vorhang fällt“ und „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“, was mir am besten gefällt. Vor allem der Mix aus Hip-Hop, R´n´B, Soul und sogar Reggae hatte es mir ein bisschen angetan, muss ich ehrlich sagen. Auch die Livestimmung ist ein Punkt, der sehr heraussticht und mich positiv gestimmt hat.

Nach sieben Tagen war das Experiment vorbei und es fiel schon eine, nun ja, Last von mir ab, allerdings war es wie gesagt nicht so schlimm wie vorher gedacht. Aber: Max, wenn du nochmal an der Reihe bist, gib mir wenigstens amerikanischen Hip-Hop! Nach Ende des Experimentes habe ich das Album sofort vom Handy gelöscht, nur ein Lied ist noch drauf.

„Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“ ertönt ab und zu nochmal aus meinen Lautsprechern.

So schlimm kann es dann nun doch nicht gewesen sein…

 

 

4 Responses

  1. Ares

    Gute Musikauswahl :D. Ein sehr spannendes Projekt, finde ich. Und durchaus positiv, dass du dabei mit „gutem“ Hip-Hop beschallt wurdest. Ich hätte für Rock-Fans etwas Rap-Rotz a la Haftbefehl oder Bushido wesentlich schlimmer gefunden. Da ist Freundeskreis zumindest qualitativ und intellektuell noch auf ’nem wesentlich höheren Niveau – und etwas melodischer. Dass du diese Songs favorisiert hast, ist verständlich. Gute Auswahl!

    Dann doch lieber Conscious-Rap als Ghetto-Geschwafel; oder? 🙂 Gefällt!

    Antworten
    • Max
      Max

      Das war genau der Grund, warum er von mir FK bekommen hat. Damit sein Horizont mal ein wenig erweitert wird:D
      Und ich ging auch davon aus das zumindest „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“ definitiv in seiner Mediathek bleibt, ist ja nicht umsonst ein Klassiker.
      Freue mich aber schon auf Hennings Album 😉

      Antworten
  2. Henning

    Haha 😉
    Ich weiß noch nicht, ob ich dich sehr peinigen möchte oder nur ein bisschen. Man muss ja nicht nur Alben nehmen, die einem selbst gefallen.

    Antworten
    • Ares

      Irgendwas aus der Oldschool-Schiene wie z. B. AC/DC würde es doch sicherlich schon tun. Da kriegt der Hip-Hop-Hörer auch schon genug Ohrensausen von 🙂

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

10 − sechs =