ACHTUNG: Ein paar der Inhalte diese Textes könnten ironischer Natur sein und überspitzt dargestellt werden. Bitte beachten Sie dies beim Lesen dieses Artikels. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Da der Mensch ja immer seinen Horizont erweitern soll, haben wir uns gedacht, übertragen wir dieses Leitmotiv auch auf die Musik. Das Prinzip ist relativ simpel: Der Gepeinigte bekommt für eine Woche ein Album zu hören, was überhaupt nicht seinem Musikgeschmack entspricht. In diesen sieben Tagen darf keine andere Musik gehört werden, weder im Radio, im Fernsehen noch auf mobilen Endgeräten. Entweder der Zuhörer bricht das Experiment ab, weil er die Musik nicht mehr aushält oder er schreibt über seine Zeit in einem gefürchteten Musikgenre.

Nun hat es mich also wieder getroffen. Täter ist diesmal nicht Max oder Kira, sondern Raphael. Ja, genau der Raphael von „Societry“. Montagmorgens kommt er in der Schule grinsend auf mich zu und ich wusste, es ist soweit. Ich muss mich wieder eine Woche quälen. Ich dachte, es würde schlimm. Aber er gab mir gar nichts Schlimmes. Er gab mir etwas viel Schlimmeres: Assi-Gangster-Rap. SSIO. Ok, tauchen wir also ein in das Land der Dichter und Denker, in das Land des Drogenkonsums, in das Land des Babo-Seins (kann man Babo noch benutzen? Weiß das jemand? Bitte melden!). Ich sah eine harte Zeit auf mich zukommen. Aber lest selbst!

Bevor wir zur Musik kommen, ein Lob an mich bitte: Ich habe meine kostbare Woche Test-Premium bei Spotify für dieses Album aufgebraucht! Wenn das mal nicht Einsatz pur ist 🙂

Nun gut, lassen wir die Lobhudelei, das könnt ihr in den Kommentaren dann erledigen 🙂

Kommen wir zum ersten Hören (das in der Schule stattfand). Ich glaube, es war ziemlich lustig für meine Mitschüler, mich zu sehen, wie ich den ersten Track des Albums „0,9“ hörte. Denn ich kam gar nicht klar. Das war das dümmste, blödeste aber gleichzeitig auch mit das lustigste, was ich je gehört habe. Wenn SSIO am Anfang nach dem letzten entscheidenden Wort, nach der Pointe, nach dem Sinn des Lebens für sein Album sucht und beim Wort „Nut**“ auskommt, ist das bescheuert und dumm, aber auch lustig, wie es nur geht. Gut, dass er fast anfängt zu kotzen kurz vor der Aufnahme, kann ich bei Rapmusik verstehen. Aber lassen wir das und kommen zum ersten richtigen Hören.

Dies geschah an einem Morgen auf dem Weg zur Arbeit und schnell stellte sich heraus: Okay, es ist nicht so schlimm wie gedacht. Es könnte sogar sein, dass es einigermaßen erträglich wird. Des Weiteren konnte man nach den ersten sieben bis acht Liedern eine sehr breite Themenbrandbreite feststellen.

Es ging um Themen wie:

  • Kauf, Verkauf und Konsum von THC
  • Betrug, Glücksspiel, Hehlerei
  • Drogenhandel
  • F***finger
  • Konsum von THC
  • Nuttööö
  • Geschlechtsakt mit Hetären (Google ist dein Freund)
  • Geschlechtsakt allgemein
  • Konsum von THC vor, während und nach dem Geschlechtsakt
  • THC im Allgemeinen

Ihr seht, alle wichtigen Dinge und Themen des Lebens werden angesprochen. Natürlich kann sich SSIO wie alle anderen Rapper auch nicht davon befreien, dass er der Geilste aller Zeiten ist, beim Drogenhandel die Polizei einschüchtert und vom Konsum ebenjener Drogen natürlich nie Krebs bekommen wird. So ist das halt, so cool wäre ich auch gerne- NICHT!

Aber nun zur Musik. Ich hatte nach dem ersten Antesten in der Schule das Schlimmste befürchtet. Und der erste Durchlauf war…nicht ganz so schlimm. Was vor allem, so denke ich, am ersten Lied „Nullkommaneun“ liegt. Nach oben besprochenem Intro („Sinn des Lebens“) kommt der richtig gute Teil erst noch. Der Beat ist einer der besten, die ich je gehört habe (was nicht viel heißt, aber naja), er unterstützt die krassen Lines, die SSIO rauspuncht, sehr gut. SSIOs Stil ist eher an die 90er angelehnt, mit stampfenden Beats, harten Drums ähnlich wie bei 2Pac. Die Hook bei „Nullkommaneun“ geht richtig ins Ohr, ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Ohrwurm von einem Rap-Lied. Respekt, Raphael!

Die restlichen Songs schließen sich dieser Tradition an. Viele stampfende Beats, viele gute Rhymes, viel Beklopptheit. Gefällt mir erstaunlich gut. Besonders, dass SSIO sich selber und das ganze Rap-Business nicht so ernst nimmt, zum Beispiel bei „Mit Herz“, wo er vom „Pommesmann“ mehr Fritten fordert oder wo er ein Brusthaar beim Wachsen zusieht. Es überschneidet sich viel mit den ganzen anderen „Ich-f****-deine-Mutter“-Rapper, gleichzeitig aber auch so erfrischend anders. Gut, abgesehen von den Songs mit Haftbefehl und Schwesta Ewa, die kann man in die Tonne kloppen. Der Rest entschädigt allerdings für diese Verbrechen und man kann ja auch einfach weiterskippen 😉

Zusammenfassend kann ich sagen: Es war nicht so schlimm wie gedacht, manche Songs waren sogar richtig gut, die Woche war eigentlich ganz angenehm.

Mal schauen, wie Raphael mein Album findet. Das könnt ihr dann lesen, wenn er sich davon erholt hat….

Hier sind die letzten Teile „Aushalten“:

Aushalten #4

Aushalten #3

Aushalten #2

Aushalten #1

 

3 Responses

  1. Ares

    Schade eigentlich, denn damit war dann deine Woche wesentlich erträglicher als meine :D. Babo kann man übrigens so lange sagen, wie sich Haftbefehl in den Charts hält, denke ich. Also wahrscheinlich noch eine sehr lange Zeit…

    Danke für diese Interpretation eines der womöglich selbstironischsten Alben der aktuellen Hip-Hop-Szene! Nächstes Mal finde ich was, was nicht so einfach zu ertragen ist! :D:D

    Antworten
    • Henning
      Henning

      Dankeschön! Es ist einfach traurig für die Gesellschaft, dass sich so ein Nichtkünstler so lange in den Charts hält 😀

      Das tut mir natürlich total leid, dass du keine so schöne Woche hattest. Vielleicht möchtest du deine Erlebnisse in einer Art Therapiestunde verarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen? Dann kommst du damit möglicherweise besser klar…

      Ich freue mich schon 🙂
      Aber erstmal sind Max und Kira noch an der Reihe….

      Antworten

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