Da der Mensch ja immer seinen Horizont erweitern soll, haben wir uns gedacht, übertragen wir dieses Leitmotiv auch auf die Musik. Das Prinzip ist relativ simpel: Der Gepeinigte bekommt für eine Woche ein Album zu hören, was überhaupt nicht seinem Musikgeschmack entspricht. In diesen sieben Tagen darf keine andere Musik gehört werden, weder im Radio, im Fernsehen noch auf mobilen Endgeräten. Entweder der Zuhörer bricht das Experiment ab, weil er die Musik nicht mehr aushält oder er schreibt über seine Zeit in einem gefürchteten Musikgenre.

Dieses Mal war ich wieder der Auserwählte, Henning. Ich berichte von meinen Erfahrungen mit…, ja was ist es denn nun genau?

Mittagessen. Kira drückt mir ein Album in die Hand. „Florence and the Machine“, den Namen habe ich schonmal gehört, ein Lied fällt mir dazu allerdings nicht ein. Ich bin gespannt und erst einmal nur froh, dass es nicht schon wieder Rap ist (nichts für ungut, Max). Und ich hoffe, dass es kein Mainstream-Pop ist.

Nach der Arbeit direkt das Album eingelegt und gehört. Direkt die erste Überraschung und Erleichterung: Nein, es ist kein Mainstream-Pop!

Das erste Lied „Dog days are over“ flasht mich total. Es ist kraftvoll, treibend, laut. Der perfekte Einstieg in dieses Album. Top!

Direkt danach kommt ein weiteres Highlight, „Rabbit Heart (Raise it up)“. Dieser Song erinnert mich vom Refrain her an Evanescence, die Mischung finde ich super. Der Refrain sticht hier besonders hervor, weil er gegenteilig zum schnellen, harten Strophenteil steht. Bis jetzt ist das Album viel besser als gedacht.

Ok, halten wir fest. Trotz aller Bedenken zu Beginn hat mich „Lungs“ von Anfang an in seinen Bann gezogen. Mein absoluter Lieblingssong ist allerdings „Howl“, Titel Nummer Vier. Der Stil erinnert mich stark an Bastille. Das Lied hat etwas pompöses an sich, das vor allem im Refrain gut zum Vorschein kommt.

Bis hierhin ist also doch alles super. Ich kann mich mit der Musik arrangieren, bin teilweise sogar auch begeistert. Was will man mehr? Und da kommen wir zum Knackpunkt. Nach der anfänglichen Euphorie verliert das Album mehr und mehr seinen Reiz. Zwar gibt es mit „Cosmic Love“ noch einmal ein Highlight mit einem wunderschönen Refrain, trotzdem wird der gute Eindruck gedämpft.

Und warum wird der gute Eindruck gedämpft? Weil für mich sich jedes nachkommende Lied gleich anhört. Dieses Problem habe ich bei den Charts auch. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Album auch in diese Richtung driftet und finde das schade. Ich kann die verschiedenen Lieder mit Ausnahme der vier oben genannten nicht auseinanderhalten. Weder der Refrain noch der Stil eines Songs unterscheidet sich für mich merklich von einem anderen. Das ist sehr schade, denn die Band hat definitiv das Potenzial, aus der Mainstream-Masse herauszustechen. Dies hat sie eindrucksvoll im ersten Albumteil unter Beweis gestellt.

Bin ich am Ende dann enttäuscht? Ja und nein. Ja, weil der Anfang mich positiv gestimmt hatte und die „Enttäuschung“ deswegen noch größer war. Nein, weil dieses Album mir vier Lieder gegeben hat, die immer noch auf meinem Handy sind und ab und zu auch mal abgespielt werden.

„Lungs“ hat mich mitgerissen, hat mich gefesselt. Es war eine neue, interessante Musik für mich, die ich so vorher nie gehört habe. Gegen Ende wird es allerdings zu eintönig und das ist schade. Trotzdem würde ich nicht so weit gehen und sagen, „Florence and the Machine“ wären Mainstream. Dafür machen sie zu spezielle Musik. An dieser Stelle: Danke an Kira für vier neue Songs auf dem Handy!

Übrigens: Ein Lied kannte ich doch: „Drumming Song“. War mal im FIFA-Soundtrack. Sind sie also doch Mainstream?

 

 

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