Meine Reise nach Budapest, das „kleine Paris“ von Osteuropa

Nun sitze ich im Bus. Er bringt mich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Vor drei Tagen saß ich morgens um kurz nach 5 Uhr noch in der S11 Richtung Düsseldorfer Flughafen. Ich war aufgeregt. Vielleicht auch leicht nervös. Ich weiß es nicht. Aber irgendwie hatte ich ein „schlechtes Gefühl“, obwohl ich mich hätte freuen müssen. Ich verreise schließlich – mit dem kleinen Unterschied, dass ich diesmal alleine unterwegs war.

Schon am Tag vor der Abreise war mir nicht mehr ganz wohl bei der Sache. Obwohl ich circa drei Monate zuvor fest entschlossen und überzeugt war, dass ich auf jeden Fall alleine verreisen möchte, als kleines Abenteuer oder als kleine Challenge für mich selbst. Ob ich das alles auf die Kette bekomme? Ja klar, warum auch nicht? Ich bin schließlich ein erwachsener, junger Mann! Was soll schon schief gehen?

Am Tag des Abfluges stehe ich also, nach erfolgreich gemeisterter Zugfahrt, im Düsseldorfer Flughafen. Leicht oder auch etwas mehr besorgt, ob ich alles dabei und nichts zu Hause vergessen habe. Gefühlte 100 Male habe ich gecheckt, ob ich alle wichtigen Dokumente wie Flugtickets, Ausweis, Bankkarte, Hotelreservierung etc. an mir trage. Und jedes Mal stellte ich fest, dass ich für meine Reise gewappnet bin. Da ich mein Ticket schon zu Hause ausgedruckt hatte und nur ein kleines Handgepäck benötigte, kam ich sofort durch die Sicherheitskontrolle. Auch hier gab es keine Probleme. Als ich dann nach einer kleinen Shoppingtour im Duty Free Shop nur noch auf die Freigabe meines Gates warten musste, hatte ich schon bemerkt, dass die anfängliche Panik umsonst war. Doch ganz entspannt war ich immer noch nicht.

Das Boarding beginnt. In der Maschine angekommen konnte ich zu meiner Freude feststellen, dass ich die ganze Reihe für mich hatte. Herrlich! Aber irgendwie auch komisch. Warum fliegen denn morgens um 6:50 Uhr nur so wenige Leute nach Budapest? Nach den obligatorischen Sicherheitshinweisen verlief der Flug problemlos und ich war eineinhalb Stunden später schon in Ungarn.

Nach der Landung schwirrten mir schon die nächsten Sorgen im Kopf rum: Wie komme ich nun vom Flughafen in die Stadt zu meinem Hotel? Hoffentlich finde ich das.

In der Eingangshalle eingetroffen hielten viele Menschen Schilder mit Namen in der Hand. Auch Taxifahrer sammelten sich dort und quatschten sämtliche Leute an. Letzten Endes hat mich ein Airportshuttle günstig bis vor die Tür meines Hotels gebracht. Direkt daneben gab es sogar eine Dönerbude. Kurz das Zimmer bezogen, ausgeatmet. Die erste Hürde war geschafft.

Nach einer kurzen Verschnaufpause bin ich Richtung Stadt losgegangen. Ohne irgendeine Karte oder Navigation mit dem Handy. Einfach mal drauf los. Während ich so durch die Stadt, in Richtung irgendeiner Sehenswürdigkeit spazierte, habe ich krampfhaft versucht, mir den Weg zu merken, damit ich auch später wieder „nach Hause“ finde. Ich hatte keinerlei Erwartungen an diese Stadt, hatte nie etwas Besonderes von Budapest gehört. Nur ein paar Fotos im Internet gegoogelt, das war‘s. Ich wollte mich einfach treiben lassen und schauen, was mich erwartet.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Selten war ich nach einer Reise so geflashed von einer Stadt wie von dieser. Ich muss zugeben, dass ich ein Kulturbanause bin und mich weder Museumsbesuche, Kirchenbesichtigungen noch anderes historisches Zeugs großartig interessiert. Was habe ich also gemacht? Ich bin zwei Tage lang durch die Stadt gelatscht, habe mir sämtliche Sehenswürdigkeiten (von außen) angesehen, viel fotografiert, Selfies gemacht, war auf einer Uniparty, in Irish Pubs und in Musikkneipen, habe eine typisch ungarische Gulaschsuppe gespeist, war einkaufen und habe Land und Leute, darunter viele Frauen, kennengelernt. Auch meine Englischkenntnisse waren ausreichend. Ich hatte eine Menge Spaß, mehr als erwartet sogar!

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Auf der Uniparty beispielsweise ist eine typisch ungarische Band aufgetreten namens „Soerii & Poolek“. Kannte ich natürlich nicht, aber erinnerte mich ein wenig an „Die Atzen“, die hierzulande etwas bekannter sind. Ich habe meine Freude gefaked und bin mit den Ungarn auf die Musik abgegangen. Vielleicht lag das auch an dem vielen Bier, das ich intus hatte.

Das Nachtleben in Budapest hatte viel zu bieten. In jeder Kneipe ist viel los, oft gibt es Livemusik dazu. Die Getränkepreise sind meist günstiger als in Deutschland. Fast nur junge Leute sind unterwegs, eine Studentenstadt eben. Gulaschsuppe gibt es an jeder Ecke. Ich habe gelernt, dass Budapest eigentlich in eine Buda- und in eine Pestseite, getrennt durch die Donau, aufgeteilt ist. Ganz nebenbei wird der Namen der Stadt von echten Ungarn wie „Boo-dah-pesht“ ausgesprochen.

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Ich habe kein einziges Mal die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. So streift man wenigstens durch die ganze Stadt und sieht auch Ecken, die man als Tourist sonst vielleicht nicht sehen würde. Und vor allem: Kein einziges Mal habe ich mich alleine gefühlt oder jemanden auf meiner Reise vermisst. Alleine zu verreisen war eine tolle Erfahrung für mich.

Von daher: wenn eure Freunde mal keine Zeit oder kein Geld haben, um mit euch zu verreisen, geht alleine auf Entdeckungstour, ihr werdet es nicht bereuen! Ein großer Vorteil ist auch, dass ihr komplett unabhängig seid und den Tag so planen könnt, wie es euch passt.

Und falls sich jetzt noch jemanden fragen sollte, warum ich gerade im Bus nach Frankfurt sitze? Weil ich natürlich Borussias nächstes Auswärtsspiel nicht verpassen darf.

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