Von Elina J.

Es gibt viele junge Leute, die auf Grund von Migrationshintergründen in der Familie mehrere Sprachen fließend sprechen. Dazu gehöre auch ich! Und ich finde es super, ich bin zu einem kleinen Stück manchmal „etwas Besonderes“  in den Augen anderer und profitiere nur durch meine Sprachkenntnis.

Ich spreche, seit ich klein bin Finnisch, da meine Mutter aus Finnland kommt. Ich muss zugeben, dass sich die Sprache für Leute, die die Sprache nicht verstehen, etwas seltsam anhört. Viele sagen, es höre sich an wie Japanisch (was ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen kann).

Meine Mutter sprach, als ich noch ganz klein war, nur finnisch mit mir und mein Vater deutsch. So hatte ich beide Sprachen ständig in Gebrauch.

Allerdings fiel es mir auch manchmal schwer, zwischen beiden Sprachen zu unterscheiden. Wenn ich früher einige Wochen in Finnland bei meiner Familie war, habe ich anscheinend im Kindergarten in Deutschland finnisch gesprochen und mich gewundert, weshalb mich niemand versteht. Aber mit fortlaufendem Alter pendelt sich dieses Sprachgefühl ein, zumindest war dies bei mir der Fall.

Da finnisch relativ ungewöhnlich ist, werde ich oft gefragt, ob ich nicht etwas sagen könnte. Diese Frage hasse ich. Ich sage dann Sätze wie „Hallo, mein Name ist Elina und ich bin 18 Jahre alt“ oder „Die Suppe, die ich gerade esse, schmeckt nicht“. Da lohnt es sich, lieber mal eine Serie auf der Sprache anzumachen oder einfach auf YouTube ein Video anzusehen. Ich kenne niemanden, der die Aufforderung „Sag mal was“ als toll empfindet, aber irgendwo ist man auch geschmeichelt.

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass junge Leute mit Migrationshintergrund manchmal Probleme haben, in bestimmte Lokalitäten hineingelassen zu werden. Ich habe öfter mitbekommen, dass Leute ohne ersichtlichen Grund vom Türsteher gesagt bekommen, sie würden nicht zum Publikum passen. Das finde ich traurig, denn nur weil jemand eine andere Staatsangehörigkeit hat, sollte man nicht diskriminiert werden. Ich hatte zum Glück mit meinem finnischen Ausweis noch nie Probleme, was vielleicht auch damit zusammen hängt, dass man mir nicht direkt ansieht, dass ich nicht „komplett“ deutsch bin. Trotzdem hatte ich manchmal Angst, dass ich mit dem finnischen Ausweis abgewiesen werde und habe zur Sicherheit meinen deutschen Ausweis mitgenommen.

Auch während meiner Bewerbungsphase für meine Ausbildung wurde ich des Öfteren auf meine zweite Muttersprache angesprochen und bekam nur positive Rückmeldungen.

Leider muss ich zugeben, dass ich zu selten in Finnland bin und mittlerweile hauptsächlich deutsch mit meiner Mutter spreche. Daher stocke ich oftmals und mir fehlen einige Wörter. Die Kommunikation mit meiner Familie dort funktioniert jedoch noch einwandfrei und das ist mir am wichtigsten.

Einmal sollte ich einen total komplizierten Satz übersetzen, das war so in etwa einer wie: „Der LKW da vorne hat total abgenutzte Reifen und daher kaum Profil.“ Natürlich weiß ich in solchen Momenten nicht, was „abgefahren“ und „Profil“ heißt, da das keine alltäglichen Wörter sind. Als Übersetzung bekommen die Leute dann manchmal etwas anderes zu hören: „Ich habe gerade keine Ahnung wie die Wörter heißen, aber du verstehst ja eh nicht was ich gerade sage!“ – „Boah cool! Klingt ja wie Japanisch!“

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