Es gibt Tage, da verschwimmen die Grenzen des Fassbaren mit denen des Unfassbaren. Rationalität wird wie im Prisma gebrochen und in Millionen zusammenhanglose Teile zerschlagen. Die Illusion in einem Bild aus tausend Farben und Formen, Irreführung in Perfektion. Aus Leben werden Liebe, Glück, Freude, Gleichgültigkeit, Trauer, Zweifel, unbändige Wut… Angst. In einem endlosen Durcheinander, einem Hin und Her im Irgendwo verliere ich mich. Nur die fernen Sirenenklänge, widerhallend von den Klippen der Ozeane, geben mir Orientierung in einem sich über den Horizont erstreckenden Labyrinth aus trügerischen Abbildern der Wirklichkeit… Und ich… Ich suche. Nach mir? Nach ihr? Nach einer Antwort? Ich weiß es nicht. Nur die Sirenen und ich, sanfte Stimmen im Nebel, die See… und eine ferne Wüste, die in wirbelnden Winden gegen die Kaskaden von Regentropfen, die auf die Meere niederhageln, zeitlose Schlachten schlagen. Verloren in mir selbst wanke ich durch paradoxe Vorstellungen von Sein und Nichtsein, bis ich finde, was ich zu suchen glaube.

Stecke fest in den Gezeiten; weicht mir jeder Tropfen Wasser, wenn ich wandle mit dem Wetter. Tauche ein in die Meere der Welten, bis ich so viel Salz in meiner Lunge habe, dass Krebsgeschwüre dürstend das Weite suchen. Zieh den letzten Glimmstängel auf Ex, brenne mir den Hals schwarz; glühende Funken erleuchten die Furchen der Narben auf Wangen und Stirn, ein gelbroter Schein im Dunkel, während die Nacht sich um mich schließt. Die Pupillen umringt von rötlichen Fasern, wie geplatzte Adern im Weiß der Augen. Eine Gestalt der Furcht im letzten Licht; erst erhellt, dann mattschwarz. Hilflos treibend… in stillem Gewässer. Gefangen in mir selbst.

Where is my mind läuft auf Repeat, immer und immer wieder fragt die Stimme sich selbst, während ich zugleich ich… und sie bin… und mich ebenso frage, wo meine Gedanken sind. Tauche ein in die Surrealität von eintausend Meeren, gefüllt mit Fragen und Antworten, die sich wellenförmig auf der Oberfläche kräuseln. Die tropischen Winde wirbeln Tropfen um Tropfen in die Wüste, alles liegt brach um mich herum, bin gleichzeitig Meer und… weniger. Dürre und… Übersättigung. Gestrandet in der sich im Sonnenlicht spiegelnden Einöde, der Fata Morgana vor dem inneren Auge, während Geier ihre Runden um meinen verdorrenden Geist ziehen, die letzten Fetzen von Sein erhaschend, hungernd, dürstend… begierig. Gier frisst mich auf – und ich? Fresse aus Gier. Sitze im Wohnzimmer, umringt von kargem Ödland, schlinge herunter, träges Weiterleben im Wechselbad der Wiederholung. Rauche, verbrenne, erfriere; trinke, ertrinke, verdurste. Immer und immer wieder drehen sich die Fragen im Kopf und auf dem Plattenspieler. Immer und immer wieder wanke ich zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig, dem Meer und der Wüste. Fragen. Warum heißt das Meer Meer? Weil hinter dem Horizont immer mehr Meer kommt? Oder weil es hinter dem Meer noch mehr zu entdecken gibt als nur Meer? Heißt die Wüste Wüste, weil sie wüst ist? Ist sie nicht geglättet und tanzt leise umher… oder ist sie wild, Sand gegen die Felsen peitschend, bis auch sie wieder zu Sand gemahlen werden? Antworten? Während ich im Rubinrot der Augen fanatische Fantasien entwickle, verbrenne ich mir die Finger an der Zigarette. Ein kurzes Eintauchen in die Realität, eine Verletzung; wie ein Blitz in der Nacht.

Bin ich oder bin ich nicht; bin, mit Falten im Gesicht. Zweifel plagen, Zweifel geh’n, Zweifeln werd‘ ich widersteh’n. Klarheit fällt im Sonnenschein durch’s Fensterbrett in’s Herz hinein. Doch von Bedeutung ist sie nicht im allerletzten Abendlicht.

Ich bin hier, ich bin jetzt. Ich bin klar und schiebe die Verstandesfragen von mir. Doch das Kartenhaus ist auf Sand gebaut und wird im Wind verweht wie der Staub zu seinen Füßen – oder vom Regen aufgeweicht, der vom Himmel fällt. Die Realität ist brüchig, mit jedem Moment des Zweifels splittert die gläserne Membran, die mich vom Traum fernhält. Fehlt es mir an etwas? Nein. Ich habe alles. Ja. Ich habe nichts. Ich bin nichts. Niemand. Ein Leiden hinter Mauern, ein eingekerkerter Zweifler hinter äußerer Fassade. Doch nur ein Momentum, Impulsdenken, das sich ins Gegenteil verkehrt. Einzig die Fragen scheren sich um mein Nichtsein, das Wohlergehen ist ihnen fremd. Vermisse ich? Ja. Die, die waren, die Geliebten, die, die gingen und vergingen; die Echos der Jugend. Die, die sind, die Freunde, die Momente, die nicht überdauern wollen. Die, die sein werden, die Träume und Pläne, die so greifbar fern sind, so unmöglich wahrscheinlich, so wahrscheinlich unmöglich. Nein. Breche mit den Bildern, will die Welt nicht sehen. Will gehen, rennen, fliehen. Will gen Fernweh zieh’n.

Dann… Auftauchen: Wellen, Regen, Meer. Ertrinken im Überfluss, ich schreie, trete, schlage… schlage auf. Sand, der die durchnässte Haut benetzt. Gewitterwolken gegen Sonnenschein eingetauscht, Brennen auf der Haut, getrocknetes Salz, Brennen in den Augen, Brennen auf der Seele. Die Wüste brennt wie Höllenfeuer, glühende Lichtstrahlen, bohrend, wie unter gewölbtem Glas. Where is my mind? Szenerien wechseln sich ab, sie drehen sich, wie im Stroboskop. Lese Der alte Mann und das Meer, will zur Ruhe kommen; bin aufgerieben – wie Schürfwunden – der Schorf auf den Ellbogen vom Straßenkampf.

Narreteien, die mich im 4/4-Takt kasteien; treiben durch die Stadt. Will ich meine Taten bereuen? Sie wie Salz über die Wege – nein, wie Salz in die eigenen Wunden streuen? Ist das Leid in der Gewissheit nur Erfahrung? Oder der Entwicklung einfach nur Wahrung? Wie die Währung der Welt, wie der Mächtigen Geld… Sicherheit der Reichen, Mittel zum Zweck; zum Stellen der Weichen?

Keine Sicherheit für mich; aber mit Sicherheit keiner – ich bin niemand… nichtmal einer. Wenn überhaupt, dann nur… viele; Kriege führend in eintausend Welten meiner Gedankenspiele.

Endloses Meer, endlose Wüste, grau in grau der Städte, auf Natur gebaut, die Erde zerdrückend, während die Gezeiten die Kontinente ineinander schieben und die Winde an Felsen reiben, bis sie wieder Wüsten sind. Die Städte wehren sich, wachsen, zerstören, um aufzubauen, um zu verdrängen; um die Natur noch weiter einzuengen… Die Konsequenz? Den Weg weitergehen. Lasse ab von den Sorgen. Denk an heute, nicht gestern… nicht morgen. Höre die Sirenen singen: And you’ll ask yourself… Nein. Nicht mehr fragen. Antworten.

Asphaltierte Straßen unter mir; reiße sie aus der Erde und lasse die Winde sie zermahlen, die Meere sie zerreiben, bis sie wieder Steine sind. Die Sonne kämpft sich ins Zentrum, schlage gegen Backsteinwände, bis sie Staub sind und Wüste werden, während Sturzbäche den Himmel ertränken und den Schutt aus den Gassen spülen; bis nichts mehr ist als glattpoliertes Glas… und die Sonne sich in allem spiegelt. Und überall ist Licht, strahlend, nicht mehr brennend, erhellend, nicht mehr erdrückend – und mein Geist: Frei; Klarheit. Dann. Stille. Und Wirklichkeit.

Und klaren Verstandes lasse ich Trägheit Trägheit sein, Meer bleibt Meer, Wüste bleibt Wüste. Die Gezeiten treiben mich davon, doch ich kämpfe nicht dagegen an. Ich lasse mich treiben. Lasse die wüsten Winde mich zerreiben. Ist ein Chaos der Alltäglichkeit eine Probe für Verträglichkeit? Where is my mind? Hier. Gefangen zwischen Hier und Dort; Jetzt und Gleich. Bin frei, wo ich frei sein will. Gefangen, wo ich gefangen sein will. Traurig und glücklich in einem Leib geeint. Where is my mind? Nichts mehr im Kopf; nur die Stimme aus dem Off. Sie singt; keine Sirene mehr. Ein Trugbild. Verblassend. Verstummend. 

Schwer wiegt die Zeit, die wird. Schwerer die, die geht. Am schönsten die, die steht… und Stille. Nur noch ich… und der Plattenspieler, Kreise ziehend. Zwischen den Welten… ruhend.

Mein Verstand ist paradox. Meine Erinnerungen sind schmerzhaft schön. Meine Träume sind illusorisch. Meine Fragen zahllos. Ziellos. Keine Antworten. Aber auch keine Zweifel: Leben ist jetzt.

Wirklichkeit wird Traum, Traum wird Wirklichkeit.

Alles, was ich brauche… sind Hoffnung… Stille… und Zeit.

With your feet on the air
And your head on the ground
Try this trick and spin it, yeah
Your head’ll collapse
And there’s nothing in it

And you’ll ask yourself

Where is my mind?

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