Ich liebe ja Menschen, die Ironie nicht einmal mit Lesebrille und Wörterbuch erkennen. Wovon ich rede? Ich hoffe, dass ihr euch denken könnt, was gemeint ist – sonst verpasst ihr eine der schönsten Seiten des guten alten Humors!

Was dabei rumkommt, wenn Leute zugegen sind, die so Ironie-affin scheinen, wie – ich bitte schon einmal im Vorhinein um Entschuldigung für diese etwas überzogene Vergleichsdarstellung – schimmeliges Brot (wobei solche Leute auch gern mal zum Lachen in den Keller gehen, in dem bei genügend Feuchtigkeit ohnehin optimale Lebensbedingungen für Schimmel herrschen, was den Vergleich zumindest im Ansatz rechtfertigt), werde ich in diesem kurzen Auszug aus meinem Leben grob umschreiben und beispielhaft belegen. Viel Spaß! Sofern ihr nicht zu der genannten Gruppe gehört, werdet ihr den vielleicht sogar haben.

Fragende Blicke verlangen nach Erklärung, wenn hohle Phrasen dezent überspitzt beantwortet werden. Verständnislosigkeit ist nicht selten die Folge von Ironisierung des Alltags. Aber mal ehrlich: Das kann doch so schön sein! Man darf es natürlich nicht übertreiben, sonst sorgt ein einfaches „Halleluja, du siehst ja heute echt gut aus!“ – „findest du?“ – „Ja, als wärst du heute Morgen statt durch die Haustür durchs Dachfenster ins Auto gekommen… und dabei mit dem Gesicht auf die Straße geklatscht.“ für ernste Streitthemen.

Ich meine, da versucht man beispielsweise mal, die Atmosphäre mit etwas illustrem Geschwafel à la „Was für ein wunderschöner Tag. Sonnenschein; wolkenlos; wunderbar.“ zu erheitern (während draußen Sturzbäche aus einem bedrohlich brodelnden Orkan niederregnen), nur um mit einem „Hä? Stimmt ja gar nicht. Es regnet doch.“ bedient zu werden. Im Normalfall würde ich „Nein, echt? Ist mir gar nicht aufgefallen.“ entgegnen. Doch vielleicht sollte man im Einzelfall die Erwartungen etwas herunterschrauben. Und auch, wenn solche Ironie noch harmlos ist, während erstgenanntes Beispiel schon an Sarkasmus grenzt, ist es manchmal wirklich schwer, Menschen zu erklären, dass man nicht immer alles ernst meint, was man sagt. Die Geschmäcker sind verschieden – und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Vielleicht ist einfach nur etwas Aufklärung vonnöten. Das sage ich insbesondere, weil so viele Leute, die ich kenne, Ironie praktisch leben – ich habe den einen oder anderen Freund, der jeden Tag darüber jammert, wie sch***e sein Job ist; da bleibt mir nur ein kühles „Selbst Schuld, wie wäre es mit beruflicher Umorientierung, du Genie?“.

Was macht also der lernfreudige Mittzwanziger, der mit Allgemeinwissen so behaftet ist, wie katholische Priester mit Alkoholverzicht? Er studiert fleißig Wikipedia. Hier also ein Auszug für alle, die einen Crash-Kurs in Ironie nötig haben:

[Aus Gründen der Einsparung von Text – sowie maßloser Faulheit und einer ungesunden Menge an Arroganz – fügte der „Autor“ lediglich diesen Link bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Ironie]

Und wozu nun das Ganze? Wären wir alle ein bisschen ironischer, würden die schlimmsten Tage wenigstens gut klingen. Die Menschen würden nett miteinander reden, obwohl sie sich hassen oder sich einfach mal ganz beiläufig beleidigen, ohne wirklich zu streiten; sie würden sich alles glauben; zumindest hypothetisch – und man könnte so oft gestellt lachen, dass man es sich beinahe selbst abkauft.

Man könnte nun sagen: Du bewegst dich auf einem schmalen Grat zwischen Ironie und Sarkasmus, Kind.

Ich sage dazu: Und? Sarkasmus ist wie der Superlativ der Ironie, praktisch die Variante für Fortgeschrittene. Den Wikipedia-Auszug spare ich mir hier. Stattdessen folgt eine kurze Anekdote aus meinem WG-Leben.; ich nenne diese Geschichte „Sonntagssarkasmus“.

Heißgeliebter Sonntagabend, du Leidbringer der Arbeitsmuffel. Wenn nach dir doch nur der Freitag statt dem Montag käme. Wohl eher nicht; dumm gelaufen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Mein Mitbewohner, der schichtbedingt auch mal ’nen Montagmorgen frei hat, sagt dann gerne sowas wie: „Würd mich echt abf****n, wenn ich morgen um sechs Uhr aufstehen müsste.“ Ich entgegne dann meist so etwas wie: „Das Einzige, was mich abf***t, ist dein Gesicht. Wie erträgst du den Anblick im Spiegel?“ Dann diskutieren wir gern noch 5-10 Minuten darüber, wie besch…eiden wir uns finden; dass unsere Eltern besser hätten verhüten sollen, dass der eine aus der Hölle käme und der andere aus ’nem Reagenzglas – und so weiter und so fort.

Die Quintessenz des Ganzen? Wir sind beste Freunde; wir lieben und leben Ironie wie auch Sarkasmus; wir streiten uns viel seltener, je öfter wir solche Konversationen praktizieren – weil wir diese Art von Humor verstehen. Das Beste daran: Meistens ist der Sonntagabend danach nicht mehr ganz so unheilvoll, weil wir vor Lachen fast heulen könnten. Außerdem: Wenn ich dann ganz viel Glück habe, kriegt der Gute manchmal spontan noch einen Anruf – und muss dann doch am Montagmorgen arbeiten; um fünf Uhr. Dann feiere ich erst mich, danach ihn und zuletzt lege ich noch einen netten Spruch nach. Ehre, wem Ehre gebührt.

Kommen wir zum Schluss, bevor ich ironischerweise noch selbst in der Hölle lande (wo ich dann wahrscheinlich meinem Mitbewohner begegne, der sich – mit Tränen in den Augen – im Spiegel betrachten muss; und das für die Ewigkeit).

Es muss ja nicht immer gleich böswilliger Sarkasmus sein; der ist eher etwas für wahre Experten (und Satiriker). Ein sanftes: „Sollen wir uns nicht alle an den Händen fassen und singen?“ zur Konfliktbewältigung tut‘s doch auch! Mit ein bisschen Übung könnten wir ein wenig mehr Spaß in alltägliche 08/15-Konversationen bringen. Jetzt müssten nur noch alle Menschen verstehen, was Ironie und Sarkasmus bedeuten. Dann wäre die Welt ein besserer Ort.

PS: Um all jenen noch ein wenig Mut zuzusprechen, die, als Gott die Auffassungsgabe der Ironie verteilt hat, gerade damit beschäftigt waren, sich die Haare zu blondieren: Ironie lebt manchmal auch vom Unverständnis der Betroffenen. Ja, es kann nerven, wenn man sich einen Scherz erlaubt, der missverstanden wird, weil das jedes Gespräch ins Stocken bringt. Aber: Es kommt oft vor, dass die ganze Chose nur deshalb funktioniert, weil auf ein „Na Prinzessin, heute wieder in den Pudertopf gefallen?“ manchmal auch ein „Wat wills du denn ey? Iss doch gar nisch so viel Make-Up.“ folgt. Daher möchte ich auch den weniger Humorbegabten unter euch danken! Auch ihr macht so manchen Tag noch schöner, wenn ihr mit fragenden Blicken und Aufklärungsbedarf glänzt. Also, bleibt so, wie ihr seid. Davon können wir alle profitieren. Zumindest meistens. Also… gelegentlich.

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