Von Karin S.

Ich liebe das ZAKK – zakk – Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation. Seit ich denken kann, trifft sich dort Düsseldorf in all seiner Vielfalt. Ob Ü30-Parties, 50plus-Tanzcafé, Reggae-Konzerte oder Lesungen – das ZAKK bietet einen Kontrapunkt zu der sonst doch gerne etwas schickeren Ausgehlandschaft in Düsseldorf.

Ich mag die Verlässlichkeit – auch nach fünf bis zehn Jahren Abstinenz fühle ich mich, als wenn ich Sonntagnachmittag bei Verwandten zu Kaffee und Kuchen zu Besuch komme. Es ändert sich  nämlich nie etwas. Das Essen im Restaurant schmeckt gut, die Preise sind zivil, der Service ist völlig überrascht, dass so viele Menschen auf einmal kommen. Die Toiletten erinnern mich nach kurzer Zeit an die einer Grundschule, und in der Halle ist die Lüftung aus.

Diese Konstante brauche ich in einem sonst so schnellen und wechselhaften Leben!

Ich bin, und ich bin mittendrin. Na gut, die Blicke zeigen mir, dass ich viel zu bunt angezogen bin. Damit falle ich im größtenteils sorgfältig in Naturtönen abgestimmten, mit Birkenstocklatschen ergänzten Publikum doch auf. Das Schöne ist, das Publikum ist, wozu sicherlich auch meine Achselhöhlen beitragen, die gegen den Trend gestaltet sind. Anders als bei mir wird bei von Vielen Körperbehaarung als nicht nur zulässig sondern wünschenswert empfunden, natürlich eben. Genau so wird auch getanzt. Ganz bei sich, mit einer inneren, gefühlten Musik, die nicht unbedingt der tatsächlich gespielten entspricht werden Tanzstile zelebriert, die ist ebenso vielfältig wie die Menschen, getanzte Worte schweben neben Pas de Bourrées und dreadlockigen Headbangs über die stets gut gefüllte Tanzfläche. Gelächelt wird selten, ob dies an der Konzentration auf das Wesentliche – die getanzte Bewegung – oder an den grundsätzlich eher lächelfreien Schwerpunktbesuchern liegt, kann nur gemutmaßt werden.

Manchmal gibt es auch Lesungen.

Diese zeichnen sich durch hochrangige Autoren aus, die mit hervorragender Sprechstimme anspruchsvolle und nichtsdestotrotz lustige Inhalte vorstellen, die vom geneigten Publikum mit Wohlwollen, Applaus und gelegentlichem Lachen aufgenommen werden. Nervigerweise wird jede Darbietung durch ständig lautstark umfallende Glasbehälter zusätzlich kommentiert. Manchmal liest auch jemand und legt hinterher noch schmissige Tanzmusik auf.

Damit schafft man dann etwas nahezu Unglaubliches – die ohnehin große menschliche Vielfalt noch durch eine weitere Spezies zu erweitern.

Junge, tanzbegeisterte Damen treffen dann auf den Stammgast, der sich in der eingangs beschriebenen, völlig überraschungsfreien Wohnzimmeratmosphäre des ZAKK mit seiner Birkenstock-Fußbekleidung verlässlich eingetanzt hat. Beim Anblick von hohen Absätzen, sehr kurzen Röcken, semitransparenten Blusen und – besonders irritierend – rasierten Achseln muss erstmal ein Kaltgetränk zur Beruhigung der teils schockierten, teils hocherfreuten Seele an der neonhell ausgestrahlten Theke bestellt werden.

Dann besinnen sich alle auf ihre Toleranz, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Und so ist das immer im ZAKK – wenn man herauskommt, hat man auf jeden Fall Spaß gehabt – mit oder ohne Lächeln im Gesicht.

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