Von Karin S.

Bei all dem Stürmen und Schneien sehnt man sich umso mehr nach dem Sommer, der uns hoffentlich schon bald mehr Wärme und Sonnenschein bringt. Um ein wenig Vorfreude zu wecken, aber auch daran zu erinnern, dass der Sommer auch ein paar andere Dinge mit sich bringt, folgt eine kurze Geschichte aus der sehnsüchtig erwarteten Sommerzeit:

Der Sommer und seine Menschlichkeit

Der Sommer ist ein Menschenfreund – ein netter und dazu auch intelligent!

Die letzten Wochen haben eindrucksvoll gezeigt, dass der Mensch an sich mit einem länger anhaltenden Sommer in unseren Gefilden einfach nicht klarkommt.

Vierzehn Tage ist das höchste der Gefühle, dann fangen die ersten nur knapp unterdrückten Morde hinter dem Steuer an, aus Cabrios dringen farbenfrohe Aussprüche, die den Geisteszustand des Fahrers oder den Körperumfang des zumeist weiblichen Elternteiles zum Thema haben. Kein Mensch kann mehr schlafen, die Wortfindung beschränkt sich auf den Ausspruch, dass es ja nicht immer direkt so schwül werden müsse, in den testosterongetränkten Schlangen vor den Freibadeingängen werden erste Schwimmtiere geworfen und die Menschen auf den Straßen schrauben aus purer Hilflosigkeit die optisch-moralischen Grundregeln Ihrer Körper- und Fußbekleidung auf unterirdisches Niveau.

Der intelligente Sommer hat dies genauso vorausgesehen. Das ist kein Wunder, kommt er ja schon seit Anbeginn der Zeit über uns und kennt seine Pappenheimer.

Darum wäre es auch unfair und gemein, ihm einen Vorwurf zu machen, dass er in genau dieser weisen Voraussicht eine längere Regenpause schickt – zum präventiven Abkühlen der Gemüter, und um den tragischen Tod weiterer Schwimmtiere in Freibadschlangen in erträglichem Umfang zu belassen.

Genau darum wird er auch nach vierzehn Tagen wieder eine kleine Pause verschreiben, weil er nicht nur intelligent sondern auch nett ist.

Ist es nicht viel besser, über den doofen, dann wieder kühlen und möglicherweise nassen Sommer zu schimpfen, als sich gegenseitig hocherhitzt an die pulsierende Halsschlagader zu springen?

Eben… das denkt sich der Sommer auch.

Der Düsseldorfer steht nicht selten im Stau. Da greift man doch gerne mal auf das gute alte Fahrrad zurück. Doch bleibt man damit gänzlich von Turbulenzen und stockendem Verkehr verschont?

 Es läuft sich doch so schön auf dem Radweg!

 Ich bin Radfahrer; ganzjährig, begeistert und in Düsseldorf, also immer am Rande des Wahnsinns.

Radwege machen mich froh. Die Alternative ist, auf einer vierspurigen Straße mit Straßenbahnschienen und riesengroßen Autos  um mein Leben zu kämpfen.

Wenn ich tatsächlich mal einen Radweg finde, endet dieser oft im Nirgendwo. Manche Radwege verfügen über einen Baum oder eine Laterne; mitten drauf. Da fahren dann keine Räder, sondern stehen unbeweglich angekettet da. Als wäre das nicht genug, bewegen sich dann auch noch meine speziellen Freunde auf dem Radweg: die Fußgänger. Fußgänger lieben Radwege!

 Ich frage mich so oft: Warum steht ein Fußgänger bei der Auswahl zwischen einem ein Meter breiten Radweg und einem vier Meter breiten Fußgängerweg an jeder Ampel zuverlässig auf dem Radweg? Ich stelle mich daneben, zugegebenermaßen demonstrativ. Und dann passiert es. Der Blick des Fußgängers, der mich von der Seite mustert. Kennen Sie das? Ziemlich irritiert, oft empört  gucken die Fußgänger, wenn ich auf dem Radweg bin, oder sie zischen etwas. Wenn ich es dann noch wage zu klingeln, und sie ausweichen müssen – große Empörung. Also wirklich, wie kann ich es wagen! Ein Radfahrer – einfach so – auf dem Radweg!

Wissen Sie, was Fußgänger noch mehr lieben als Radwege?  Rad-Symbole auf dem Asphalt! Da laufen sie besonders gerne. Und wenn ich dann mit meinem Rad ankomme, geht das empörte Gucken und Zischen wieder los.

Ich wage die These, dass die städtischen Ordnungshüter zur geregelten Führung einer großen Fußgängerschar einfach ein paar Radfahr-Symbole auf Bodenbeläge pinseln müssten, um dort zuverlässig für eine gruppendynamische Begehung zu sorgen.

Es ist doch so gemütlich, wie sie daher schlendern, mit Kinderwagen,  nebeneinander, nur gestört durch klingelnde zweirädrige Nervenbündel wie mich.

Ich denke inzwischen, sie können nicht anders, es ist einfach zu schön auf dem Radweg! Darum habe mir jetzt eine entspannte Grundhaltung zugelegt. In Zukunft werde ich mit einem Lächeln und dezent klingelnd  einfach auf den Bürgersteig ausweichen.

Wir sind doch alle tolerant, das sollte also klappen.

Oder?

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