Du lügst, wenn Du sagst, dass Du Tinder nicht kennst! Davon bin ich überzeugt. Und wenn Du doch sagst, dass es Dir bekannt ist, dann sagst Du das entweder mit einem schmutzigen Grinsen oder einem herablassendem Kommentar -nicht wahr? Das soll auf keinen Fall gemein klingen – bis letztens habe ich zum Beispiel auch reagiert wie Zweiteres. Bis letztens! 👆

Ich hab „Ja“ gesagt. „Ja, ich will“ zu einem Monat Tinder und der Mission, heraus zu finden, ob ich dort wirklich Leute kennen lerne, in die man sich verlieben könnte oder nur welche, die auf eine schnelle Nummer aus sind. – Und nur deswegen! Habe ja im letzten Artikel schon erwähnt, dass ich mich sonst eigentlich von solchen „Sachen“ eher fern halte… Also… eigentlich! 🙈

Naja, also ich habe mich nun angemeldet. Also nicht ich direkt, aber eine Freundin. „Welches Bild soll ich denn nehmen? Auf welchem Bild findest du dich gut?“ Erste Hürde: erkannt! Wie muss ein Bild aussehen, welches meine komplette Persönlichkeit widerspiegelt? Welches ist das perfekte Tinder-Bild? Für‘s Erste habe ich mich für das Bild entschieden, welches ich auch bei Facebook nutze: Meiner Meinung nach spontan, ohne irgendeine Andeutung, Kira am Eis essen und lachen. So richtig zufrieden bin ich aber nicht. Ich meine, ich kann ja auch anders: Manchmal habe ich sogar auch Lippenstift drauf. Oder wäre das dann wieder zu anzüglich? Die Jungs denken dann bestimmt alle so: Oh, die hier mit dem Lippenstift, die will bestimmt nur das Eine! (…) Und meine Beschreibung erst! Wie soll die lauten? „Hallo, ich bin Kira, 19, aus Düsseldorf“ – nee, was soll das denn bitte über mich aussagen? Die sehen ja doch schon auf der Match-Karte, wie ich heiße, wie alt ich bin und wie weit ich entfernt bin! (…) Entschieden habe ich mich dann für eine Reihenfolge von Smileys und einem wirklich sehr intellektuellen Lebensmotto: „Eat well, travel often“. Gut, nicht gut?

Tadaa 🙆

Bevor ich aber die Boys ins linke Nirvana schicke, wollte ich gerne mal meine Konkurrenz abchecken – gewappnet mit dem Handy eines männlichen Freundes und getarnt als männlicher Tinderer habe ich mich durch die ganzen Mädels gewischt, die (einige mehr, einige augenscheinlich eher weniger) sich auch schon durch den Selbstdarstellungsdschungel kämpfen mussten.
Eher einseitig hier die Auswahlmöglichkeiten! Entweder die, die total die Lebemenschen sind: Ich auf einer Feier, ich am Surfen, ich am Strand und ich mit meinen Freundinnen. Oder die Version von Mädchen, die wahrscheinlich auch wünscht, 1000 Follower bei Instagram zu haben: Ich im Badezimmer (Selfie), ich am Strand (Selfie), ich im Fitnessstudio (Selfie). Beide Parteien aber gerne mit einem „Hi, ich bin X. Meine Hobbys sind X. Ich trinke gerne Wein“ oder „Only the ones who love theirselves are able to love another“ in der Beschreibung. Na gut, okay.

Ganz zum Schluss, und das sind mir die Liebsten: Ein einziges Bild, keine Beschreibung.
Die sind nämlich wirklich intelligent! Ich dachte, ich wäre getarnt als ganz normaler Tinderer – stimmt aber eigentlich nicht! „Ganz normale Tinderer“, so habe ich gelernt, „gucken sich die Profile eigentlich überhaupt nicht an.“ – „Das erste Bild sieht okay aus? Okay, like!“ Quantität vor Qualität nenn ich das! Sowas würde mir ja nie passieren. ✋

Dachte ich. Nach einer Stunde akribischem Wischen war ich leider nicht mehr ganz so sensibilisiert. Das erste Bild ist doof? Okay, dann können die anderen auch nicht besser werden. Nope! Was soll mir das Bild mit seinen FreundINNEN sagen? Nope! Dass in seiner Beschreibung steht, dass er DJ ist, macht ihn jetzt auch nicht hübscher. Nope! Was hat der denn bitte für eine Frisur? Nope! Warum fotografiert der sich mit einem Alpacca? Nope! (Auch, wenn es ein Baby-Alpacca ist)👎

So langsam fühle ich mich richtig mächtig. Nope! Nope! Nope! No – Und während mein Finger das Bild schon fast bis zum ganz äußeren linken Rand geschoben hat, hole ich den Finger noch einmal gaanz langsam zurück. Hey! Du hast doch ein ganz schönes Lachen. Das Profil ist auch okay… Okay, du bekommst ein Like, Baby! Und ZACK – Match. Bei mir läuft. 💁

Tinder_VS_wasichseheW

Was mein Handy mir anzeigt vs. was ich sehe

Fast wird das Ganze für mich wie zu einem Spiel, bei dem ich stetig versuche, den Jackpot zu knacken: Wie viele Likeable-Typen finde ich? Und mit wie vielen davon habe ich ein Match in Folge?

Was ich dabei nicht bedacht habe: Nach einem Match fängt das „Schreiben“ an… 😣

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