Ein Monat Tinder, ein Monat kleines Mäuschen spielen: ist Tinder wirklich nur auf das Eine aus? Oder kann ich auch Leute finden, die wirklich an einer Beziehung interessiert sind? 🙇

Nach tagelangem Wischen und Matchen ziehe ich auf jeden Fall schon einmal die Bilanz, dass Tinder nicht nur Spaß, sondern, zugegeben, auch ein bisschen purer Stress ist. Nach einem „Juhuuuu, ein Match!“-Jubelschrei folg nämlich oft ein „Oh, na toll, der hat geschrieben“-Schluchzer.

Wenn der Erste schreibt „Hey, wie gehts? :)“ ist es vielleicht noch super aufregend. Nach dem fünften „Hallo“ „Huhu“ oder „Na?“ wird es dann aber eher nervig. Nach einem erneuten Check des Profils muss dann schnell entschieden werden: Lohnt es sich wirklich, für diese Person den Stress aufzuwenden, eine „Hey, super! Und dir?“ oder „Na du :)“- Nachricht zu verfassen? Denn ja, ich gehöre ebenfalls auch zu denen, die matchen aber trotzdem nicht schreiben. Ich entschuldige mich herzlich. Aber nach einer langen „Nope!!!“-Strecke entscheidet man sich dann doch oft für das kleinste Übel, nur um einen Match zu bekommen. Aber Übel bleibt Übel.

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Juhuu, möchte mir nicht noch einer „Hallo“ sagen, damit ich es zur schönen Collage hinzufügen kann?

Die Überlegung, ob ich antworte, blieb bei den Nachrichten erspart, die sich auf meine Bilder, meine Beschreibung oder sonst etwas beziehen. „Eat well – get some Ice Cream! :)“ oder „Kira ist nur ein paar Kilometer von mir entfernt und isst gerne Eis – endlich ergibt dieses Tinder einen Sinn! :)“ bringen mich zum Grinsen. Oder ein einfaches Flugzeug-Emoji, welches nicht beabsichtigt, eine Vorlage für „Kann ich so bei dir landen?“  zu sein, sondern eher in „Wohin fliegen wir? :)“ zur Folge hat – Achtung, Kicher-Alarm meinerseits!! 🙊

Ich bin übrigens generell der Meinung, dass die männlichen Bewohner des Planeten Tinder den ersten Schritt machen müssen. Auch wenn die Nachricht „Dann mache ich wohl mal den ersten Schritt :)“ lautet (ja, gibt es auch…). Ich habe genau 4 Mal als erstes geschrieben. Auch immer ein bisschen kreativ! Leider nie mit einer Antwort. Schade eigentlich. Aber immer noch besser, als irgendeine sinnlose und langweilige Konversation! Das ist auch der Grund, warum ich halt auch manchmal einfach ungerne zurück schreibe. Gemein? Kann sein. Aber nur wenn dein Glied ist klein. (Achtung, Reim!) Denn echte Boys machen sich da doch nichts draus, oder? Ich meine – im Club oder so ist ein Korb doch noch härter. (Weil ich auch so Unmengen an Körben verteile und so RICHTIG weiß, wovon ich rede.)

Naja, wie gesagt, unangenehm wird es dann, wenn es so gut anfängt wie oben beschrieben, man aber auf einmal entweder in peinliche Stille verfällt (Achtung, es ist immer noch nur ein Chat…) oder es ernst wird: „Was suchst Du hier eigentlich bei Tinder?“
Kann ich nicht einfach mal nett chatten? So wie bei ICQ damals? Muss man sich eigentlich wirklich immer rechtfertigen? Manno! 😭

Das Gute aber: ich kann nun schon abschätzen, wie lange es wohl jeweils dauert, bis es darum geht, wonach der feine Herr hier auf der Suche ist… 👆

Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Nummer eins ist direkt: „Hey, ich will ganz ehrlich sein. Ich suche jemanden, mit dem ich schöne Abende verbringen kann. Versüßt du dir auch gerne dein Singleleben?“.
  • Nummer zwei wartet lieber ab, bis er weiß, woher du kommst und was du eigentlich so machst: „Hört sich auch echt interessant an 😊 Wonach bist du hier eigentlich auf der Suche?“.
  • Nummer drei, und das sind die Anstrengendsten, warten erst, bis sie wissen, was du zu Mittag gegessen hast und ob es deinen Haustieren gut geht, bevor sie.. nein, sie werden dir niemals schreiben, was sie eigentlich wollen: „Ich bin am Lernen 😩 Mo und Do Klausuren 😩“.

Die Antwort des Gegenübers auf die Rückfrage ist aber tatsächlich, wie schon vor meiner Tinder-Karriere insgeheim vermutet: Spaß, nette Leute oder „nichts Festes, aber auch kein ONS, wenn du weißt, was ich meine :)“ Das betrifft aber eher die Leute bis 25/26 Jahre. Die Jüngeren sind entweder viel zu direkt oder einfach nur Lurche der Kategorie 3. Tinder-Experience at its best!

Danach wird es ernster: Ab 28 Jahren, und ich weiß nicht, ob es ein Torschusspanik- ähnlicher Reflex ist oder einfach nur die Bilanz jahrelangen Tinderns, bei welchem nur ein paar kurze Geschichten heraus gesprungen sind, aber ab dann hat das Tindern wohl eher das Ziel, etwas Festeres zu finden.

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Ich geb zu: Das sind Kopfwerte – Keine Garantie! Aber zeigt schon ein bisschen, wie der Hase läuft 😋

 

Hier ist es nicht mehr wichtig, wie es mir im Moment geht, sondern wie es meinem Leben geht. Am liebsten noch mit ärztlichem Führungszeugnis, einer expliziten Auflistung meiner Hobbys und politischen Ausrichtung sowie meine Abschlüsse und Vorstellungen für die Zukunft! Aber das kann ich nun immerhin super formulieren. (Hat übrigens auch bewirkt, dass ich nach einiger Zeit meine Altersgrenzen ein wenig verschoben habe: Aus 19-24 Jahren wurde dann 22-28 Jahre, mit denen kann man sich einfach länger unterhalten!)

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Sehr schönes Beispiel für einen… 29-jährigen Tinderer! Ein Ausschnitt (!!) seines Profils.

Ich werde privat, wenn ich erzähle, dass ich auch ganze 4 mal meine Handynummer heraus gerückt habe. Das soll aber nicht heißen, dass es mit diesen Auserwählten irgendwie ernster geworden wäre! Im Gegenteil: Wer noch im Tinder- Chat der frisch gebackene Single ist, welcher nicht genau weiß, was er bei Tinder sucht, wird bei Whatsapp auf einmal zum anzüglichen Mulch… „Hast du eigentlich auch noch andere Bilder von dir? ;)“ NEIN TSCHÜSS

Ich meine, das würden die im wahren Leben doch auch nicht so direkt fragen, oder? Tinder erleichtert meiner Meinung nach schon so viel – das Angebot muss man aber auch echt nicht überreizen! Lieber etwas draus lernen… Was ich draus mit ins wahre Leben nehme: Teil III!

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