Vor gut einer Woche hat Netflix meinen Zugriff auf das USA-Programm beendet. Hat mich im ersten Moment ziemlich aufgeregt; aber nicht Netflix selbst, sondern die Rechteverwalter.

Was ich nicht verstehen kann ist einfach: Wer kam auf die Idee, bei einem globalen Markt Rechte auf nationaler Ebene zu vergeben. Egal was ihr daraus machen wollt, das Internet ist global. Man kann in der einen Sekunde auf einem deutschen Server sein und in der nächsten googelt man etwas und ist damit in den USA. Da kann es doch nicht sein, dass mein Zugriff auf das Internet von meiner Nation abhängt. Theoretisch sollte den Rechteverwaltern doch egal sein, wo ihr Kunde sitzt, denkt ihr jetzt oder? Ja – und da liegt ihr falsch. Denn die Rechte liegen nicht bei einem Unternehmen, sondern bei hunderten Verwertungsgesellschaften über die ganze Welt verteilt. Für jede Nation gibt es eigene Rechteinhaber. Würde Netflix also mit dem Rechteverwalter in den USA für die ganze Welt verhandeln, dann würden sich die Deppen in Deutschland, Kanada, China und Mexico natürlich beschweren, wo denn ihr Kuchenstück bleibt. Aber bei einem globalen Markt kann so ein Wahnsinn doch nicht funktionieren? Ich meine – welches „Genie“ dachte wirklich: „Wenn wir die zwingen ihre Lieblingsserien nur bei uns zu schauen, dann werden wir mit Sicherheit höhere Umsätze einfahren!“

An die Rechteverwalter: Ich bin noch human. Ich schaue halt einfach andere Sachen bei Netflix, Amazon und Konsorten. Es gibt aber auch die, die dann einfach die ganzen semilegalen Streamingportale ansteuern und da kostenlos gucken. Glaubt ihr wirklich, dass ihr mehr Gewinn macht, wenn die Nutzer einfach gar nicht mehr zahlen? Mit Sicherheit denkt ihr jetzt: „Selber hast du aber keinen Vorschlag, wa?“ Aber ja, den habe ich: Ein Konsortium der Rechteverwalter. Ein globales Recht wird ausgehandelt und anhand der Nutzermenge in Prozent wird die Lizenzgebühr von Netflix verteilt. Wenn pro Stream von Doctor Who meinetwegen 1,50 € gezahlt werden sollen und es gab in einer Woche Zehn Zugriffe aus den USA, Zwanzig aus Deutschland und Siebzig aus Großbritannien, dann bekommen die Rechteverwalter in den USA 15 €, in Deutschland 30 € und in Großbritannien dementsprechend 105 €. Bisher war es so, dass dann nur der US-Rechteverwalter die vollen 150 € bekommen hätte und die anderen Verwalter gar nichts. So ist der Geldfluss exakt nach Verursachungsstandort aufgeschlüsselt und trotzdem haben wir ein globales Angebot, das für alle Nutzer gleich ist.

In diesem Sinne: Liebe Rechteverwalter, wat is denn los mit euch?

Die einzig gute Nachricht? Aktuell verhandelt Netflix eine globale Lizenz. Bis 2020 soll es ein globales Angebot geben.

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