Was Australier über uns Deutsche denken
Nervös blicke ich auf meine Uhr. Der Zug von Dubbo zurück nach Sydney, zurück von einem kleinen australischen Dorf mitten in der Farmland-Prärie von New South Wales in die moderne Superstadt, hätte schon längst da sein müssen. Ein letzter Blick zurück über die umliegenden Felder, auf denen ich in den vergangenen Monaten bei extremen Bedingungen gearbeitet habe. Obwohl ich die 12-Stunden-Arbeitstage meistens gehasst habe, merke ich, wie ein Teil von mir gerne hier bliebe. Doch warum, denke ich mir? Vielleicht liegt es an dem noch nicht geplanten weiteren Weg meiner Reise und der Tatsache, alleine zu reisen. Andererseits kann es auch an den Freunden liegen, die ich hier kennen gelernt habe und zurücklassen muss, wer weiß, ob man sich irgendwann nochmal wieder sieht. Wenn ich recht darüber nachdenke, kann es auch an beiden Gründen liegen, das wäre sogar die ehrlichste Antwort, die ich mir selber geben kann. In Gedanken versunken merke ich kaum, wie der Zug endlich eintrudelt und quietschend zum Stehen kommt.

© Flo

© Flo – Eins von tausend ausgedruckten Infoblättern

G’Day! Whatsa going mate?“ nuschelt mir ein aussteigender älterer Herr mit typischem Cowboyhut zu. Mit breitem Grinsen nicke ich in seine Richtung und bin ein weiteres Mal positiv von der freundlichen und offenen Art der Australier begeistert. Hier grüßen sich die Menschen nämlich generell und werfen sich nicht nur gelangweilte Blicke zu. Meist wird noch ein „Wie geht’s?“ hinten dran gehangen und ehe man sich versieht, ist man in ein ausgiebiges Gespräch mit einem Aussie-Rowdy verwickelt, der einen am liebsten gleich auf ein kühles Bier einladen würde. Und selbst das ist hier nicht wirklich ungewöhnlich. Zugeben muss ich schon, dass ich dem Thema anfangs sehr skeptisch gegenüber stand, als Kind wurde einem ja immer eingebleut, nie Fremden in Haus oder Auto zu folgen, aber nachdem der 17. einem dieses Angebot unterbreitet hatte, schwand die anfängliche Skepsis.

Und wenn man dann noch mit beiläufigem Ton erwähnt, dass man aus Deutschland kommt und hier durch die Gegend travelt, wird die Frage nach einem Bier schon gar nicht mehr gestellt. Man bekommt einfach direkt das frisch aufgemachte Bier in die Hand gedrückt.

Warum ist das so? Weil die meisten Australier genau drei Dinge über Deutsche wissen oder vermeintlich zu wissen glauben:

1Deutsches Bier ist der Hammer – Jeder Deutsche muss demnach Bier mögen und es literweise in sich hineinschütten können, in etwa wie ein Russe, der Wodka runterspült wie Wasser. Nach zwei Litern aufgeben und Bier ablehnen ist also keine Option.

2Oktoberfest – nachdem du erwähnt hast, dass du aus Deutschland kommst, wird dir nicht nur einfach ein Bier in die Hand gedrückt. Nein. Es wird von lauten „Octoberfest!„-Rufen begleitet. Jeder Australier, den du triffst, möchte irgendwann mal in seinem Leben zum Oktoberfest. Warum? Siehe 1: Deutsches Bier ist der Hammer. Jeder Deutsche muss…blablabla. Kommen wir direkt zum Punkt: Nach weiteren zwei Litern ist aufgeben und Bier ablehnen also immer noch keine Option.

3Ordnung und Struktur – Australier denken, wir Deutschen seien total anständig, geordnet und strukturiert. Nach viel zu viel Bier ist vom typisch deutschen Anstand und einem sinnvoll denkenden Gehirn nicht mehr viel übrig. Immerhin sind wir ja auch schon bei Punkt drei, der aufgeregt durchdiskutiert wird.

Traveln, campen, surfen – die Must-Have’s
Jetzt bin ich leicht vom Thema abgekommen. Eigentlich befinde ich mich auf der Rückreise nach Sydney. Ziel: Irgendwie traveln, im Campervan wohnen, das Land erkunden. Surfen. Tauchen. Wie? Noch keinen Schimmer. Aber die Liste ist lang.
Um an dieser Stelle ein wenig vorzuspulen: Es ging zurück nach Sydney, 3 Tage im Hostel gelebt, viele Leute kennen gelernt, einen Australier getroffen, sich entschlossen, mit diesem Australier zu traveln, einen Van gekauft, Van ausgebaut, Bett in den Van gebaut und losgedüst.

Und wenn man dann endlich auf der blutroten Dirtroad ist und die grenzenlose Freiheit genießen kann, sollte man auf folgende ‚Must-Have’s‘ im Campervan nicht verzichten:

1Surfbrett – Wer im Van durch Australien tingelt und ein Surfbrett nicht zu seinem Equipment zählen kann, der travelt nicht richtig. Natürlich wird man zu Beginn öfter vom Board fliegen, als sich hinzustellen. Kleiner Tipp: Beim ins Wasser watscheln das Board nicht vor sich herschieben. Die nächstbeste Welle wird einem das Brett ins Gesicht prellen. Sieht nicht nur furchtbar ungekonnt aus, tut obendrein noch ziemlich weh. Übung macht hier definitiv den Meister. Und sowohl Frauen als auch Männer stehen auf Surfer! Und wer wirklich völlig unbegabt ist, kann immer noch mit dem Surfbrett in der Hand am Strand entlang posen.

2Die To-Go-Küche – Wer vor Australien noch keinen Schimmer vom Kochen hatte, wird, beziehungsweise muss sich das Kochen schnellstmöglich selber beibringen. Verhungern ist wohl definitiv die schlechtere Option. Und selber Kochen macht richtig Spaß, zumindest war es auf meiner Reise so! Und wenn man dann noch selbst gefangenen Fisch kochen kann, hat man mehr richtig als falsch gemacht! So kommen wir zum nächste Must-Have!

© Flo

© Flo

3Angel – Kaum zu glauben, aber in Australien mangelt es nicht an Fisch! Und das Beste: Man muss keinen aufwändigen Angelschein in 4000 Fahrschul-ähnlichen Sitzungen mit Abschlussprüfung machen. Nope. Einfach in den nächstbesten Laden, die günstigste Angel und ein bisschen Fishbait kaufen und ab zum Steg. Peinlich für mich damals: In dem Laden, in den ich gegangen bin, gab es leider nur eine günstige Angel, und die war eigentlich für Kinder. Und Pink. Naja, sei’s drum. „It serves the purpose!“ sagte der Verkäufer und konnte sein Lachen nicht ganz unterdrücken!

4Schnorchelausrüstung – Last, but not least – die Schnorchelausrüstung! Wenn du im Van von Traumstrand zu Traumstrand reist, darfst du das Schnorcheln definitiv nicht auslassen. Eine Ausrüstung bekommt man selbstverständlich an jeder Ecke und es lohnt sich auf jeden Fall! Man wird nicht nur allerhand Nemos vorfinden (gut, eigentlich Clownfische genannt), wer ganz viel Glück hat, wird mit Schildkröten schwimmen und Riffhaien bei der Jagd zugucken können! Also nichts wie rein ins Wasser! Wer dank dem Wort „Riffhai“ jetzt nicht mehr sonderlich viel Lust auf Schorcheln im Wasser hat, der kann sich erneut mit Surfbrett an den Strand stellen und eine lässige Pose einnehmen!

Campen im Freien
Achja, nicht zu vergessen die drei Monate campen im Van oder im freien! Einfach eine großartige Erfahrung. Man darf sich nur von keinem Ranger erwischen lassen. Wildcampen ist nämlich in Australien nicht erlaubt. Welcher Backpacker hält sich daran? Natürlich keiner, was eine Frage! Das gehört doch dazu. Einfach mal am Strand schlafen, den Wellen zuhören und chillen. Kleiner Tipp: Sollte man wirklich mal erwischt werden, einfach auf unwissenden Backpacker machen und erwähnen, dass man ja erst sauspät angekommen sei und kein Campervan-Park mehr geöffnet hatte. Klappt in neun von zehn Fällen, wobei man als Frau doch deutlich höhere Erfolgsaussichten genießt!

Am Ende bleiben einem unglaublich viele Erfahrungen und Erlebnisse! Das Beste, was man mitnehmen kann, ist die „no worries“-Einstellung der Australier! Be happy! Um mit einem typisch australischen Surfergruß aufzuhören – ‚Chakamalaka‘!

2 Responses

    • Janina

      On point Flo! Genau so ist es. Schön geschrieben, freu mich schon auf deinen nächsten Artikel. 🙂

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

drei × 2 =