Erfahrungsbericht einer Absolventin des Studiengangs International Marketing an der Fontys University of Applied Sciences.

Sicherlich kennt ihr den Spruch „Ich hab meinen Grundschulabschluss, du kannst mir gar nichts“. Irgendwann war mir klar, dass ich mit dieser Einstellung nicht weit komme und so stand für mich fest: ich werde einmal studieren! Als ich dann zur weiterführenden Schule ging, hatte ich das Gefühl, dass die Berufswelt noch ewig auf sich warten lässt. Doch mit jedem weiteren Schuljahr merkte ich, dass ich gar nicht mehr so jung war wie ich mich fühlte und dass der Ernst des Lebens schneller auf mich zukam, als mir zu dieser Zeit noch lieb war.

Ich muss vorab gestehen, ich gehöre zu den Personen, die schon recht früh einen Plan hatten, in welche Richtung es beruflich mal gehen soll. Nach freiwilligen Praktika während der Oberstufe hatte ich für mich die Bestätigung, dass der theoretische Wunsch, den Marketing-Weg einzuschlagen, Praxis werden sollte. Als es dann darauf zuging, die Zeit nach dem Abitur genauer zu planen, gehörte ich plötzlich zu den Menschen, die keinen Plan hatten, wie es weitergeht.

Während meiner Schulzeit wurde ich offensichtlich nicht gut darauf vorbereitet, wie ich bei der Informationsbeschaffung zu den diversen Studiengängen am besten vorgehe. Verloren in einer Informationsflut kam ich immer wieder bei BWL aus. Aber genau das wollte ich eben nicht: BWL mit dem Schwerpunkt Marketing. Gefühlt machte das jeder Zweite und entsprechend habe ich mir meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausgerechnet.

Ich hatte das große Glück, dass eine langjährige Freundin das gleiche Ziel vor Augen hatte und so war ich zumindest in der Informationsflut nicht alleine. Wie der Zufall es wollte kannte sie dann jemanden, der jemanden kannte (ihr kennt das Spiel) und wir wurden auf die Fontys University of Applied Sciences in Venlo, den Niederlanden, aufmerksam. Gefolgt ist das Standard-Programm: Tag der offenen Tür, Beratungsgespräch und Schnupperstunde in einer Vorlesung. Beeindruckt von der internationalen Ausrichtung und der Unmenge an Kontakten zu den großen Konzernen dieser Welt, musste ich nicht mehr lange überlegen, wie meine Zeit nach dem Abitur aussehen würde: International Marketing mit einem Bruchteil an BWL.

Bevor das Studium dann aber losging, kamen alle wissbegierigen Menschen zur Intro-Woche in der Uni zusammen. Im Vorfeld wurde kommuniziert, dass es die Einführungswoche zur Vorbereitung auf das Studium ist, in der man schon einiges Wissenswerte mitnimmt. Voll motiviert war ich auf genau das eingestellt und bereit alles wissbegierig aufzunehmen. Es stellte sich aber heraus, dass die wissbegierigen Menschen zu Hause geblieben sind und stattdessen das feierwütige Partyvolk die Uni eroberte – und ich mittendrin: YES! Schnell wurden Gruppen eingeteilt, damit man auch die Leute aus den anderen Studiengängen kennenlernt. Mit zwei Paten an der Seite, die schon länger an der Uni waren und einen auf die scheiß Kantine vorbereiten konnten, ging es in eine unvergessliche Intro-Woche. Nach drei Stunden waren alle Hemmungen gefallen. Wir haben uns bei der Begrüßung im Rathaus aus dem Staub gemacht und saßen lustig betrunken am Marktplatz. Dabei wurden Pläne geschmiedet, wie wir strategisch vorgehen, um uns bei den diversen organisierten Trinkspielen den Intro-Sieg holen können. Kurzerhand wurde ein gemeinsames Outfit gekauft. Ein Traum aus Zebra-Leggins und neongelben Tops mit der Aufschrift „Wish you were beer“ für ALLE Mädels UND Jungs. Nach 5 Tagen Hardcore-Saufen, Flitzern durch die Innenstadt, dem Anbauen von BH-Bäumen und der Beschäftigung mit der Frage „Investieren wir unser Geld in Alkohol oder Gras?“ wurden wir schließlich Intro-Sieger und hatten damit den ersten Meilenstein unseres Studiums erreicht. Lief ganz gut für den Anfang. So konnte ich erhobenen Hauptes in das Studium starten und bekam bis zum Ende Anerkennung für den Titel „Intro-Sieger 2009“.

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Heute macht die Kantine optisch einiges her.

Im Vorfeld wird einem immer viel versprochen und man kann sich noch so viele Informationen einholen. Alle Erwartungen werden wohl nie zufriedengestellt. Meine persönlichen Erwartungen wurden hingegen mit einer ziemlich hohen Quote erfüllt. Natürlich hatte ich Dozenten, die ich am liebsten persönlich auf dem Mond abgesetzt hätte, nur um sicher zu gehen, dass sie auch bloß nicht zurückkommen. Und auch hätte ich mir hin und wieder manch administrativen Ablauf anders gewünscht. Das war dann aber Jammern auf wirklich hohem Niveau. Die Grundvoraussetzungen haben mich von Anfang an überzeugt:

  • Es gibt noch Klassenunterricht, maximal 30 Studenten
  • Klassen wurden so eingeteilt, dass Fahrgemeinschaften gebildet werden konnten, um die Spritkosten gering zu halten
  • Der größte Hörsaal hat 100 Sitzplätze
  • Es wurde Deutsch, Englisch oder Niederländisch gesprochen (ok, Niederländisch wurde zumindest versucht)
  • Ich war keine Nummer, man kannte mich beim Namen
  • Jedes Semester gab es einen Praxisteil, um erste Erfahrungen sicherzustellen

Schon im ersten Semester ging es nach 7 Wochen an einen Real-Life-Auftrag und so habe ich innerhalb einer Gruppenarbeit eine Unternehmensanalyse für einen mittelständischen Elektrofachmarkt in Mönchengladbach geschrieben.  Vielleicht war mein Studium auch von Glück begleitet, denn die gefundene Gruppe aus dem ersten Semester hat die gesamten vier Jahre bestanden und nach und nach konnte jeder sein Spezialgebiet herausstellen, durch das wir uns optimal ergänzt haben und tolle Gruppenergebnisse erzielen konnten.

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Im Sommer der beste Platz, um sich von der Gruppenarbeit zu erholen 🙂

Durch die Strukturierung der Kurse wurde man parallel immer auf die praktische Aufgabe vorbereitet. Von Mal zu Mal haben sich die Aufträge und Aufgaben selbst übertroffen. Im Laufe der Zeit konnte ich also auf eine Vielzahl von Praxisprojekten zurückblicken. Um ein Gefühl für die Attraktivität der Projekte zu bekommen, habe ich eine kleine Auswahl meiner Favoriten getroffen:

  • 2. Semester: Fiktiver Business Plan für die Spielwarenbranche
  • 3./ 4. Semester: Mini Companies, studentische Unternehmen, in dem ich General Manager war und erste Erfahrungen im
    Führen von „Mitarbeitern“ sammeln konnte
  • 4. Semester: Marketing-Kommunikationskonzept für die Deutsche Bank Niederrhein
  • 4. Semester: Prüfung in Marketingkonzeption; um 9 Uhr gab es per E-Mail eine Case, zu der man um 17 Uhr ein
    Marketingkonzept einreichen musste. Hier erwähne ich dankend meine Gruppe, mit der ich in dieser Prüfung die Bestnote des Jahrgangs erzielt habe
  • 5. Semester: Praktikum in den USA, Erstellung eines Sponsoring-Konzepts für den amerikanischen Markt
  • 6. Semester: Minor in International Business Management. Hier gab es einen Dozenten, den ich noch eigenhändig
    angekettet hätte, damit er auf dem Mond bleibt
  • 6. Semester: Marketing-Vollkonzept für Mars Incorporated zur Einführung der M & M’ s Sorten „Peanutbutter“ und „Pretzel“
    auf dem niederländischen und deutschen Markt
  • 7. Semester: Agieren als Agentur in einem Marketing-Pitch gegen zwei weitere Gruppen
  • 8. Semester: Bachelor-Arbeit in einem Unternehmen

Studenten werden oft verhöhnt, dass sie im Leben noch nichts geleistet haben und „nur“ studieren. Ich erinnere mich aber noch sehr gut an die Abgabe meiner Bachelor-Arbeit. An diesem Tag habe ich meiner Freundin öffentlich für die gemeinsame Zeit gedankt: „Gemeinsam sind wir durch die letzten 4 Jahre gegangen – 8 Semester voller Arbeit bis mitten in die Nacht, Schweiß und oftmals viele Tränen, aber heute ist es soweit: Abgabe der Bachelor-Arbeit!“ Und bis heute meine ich jedes einzelne Wort so. Das Studium war anspruchsvoll und zumindest, wenn man hohe Ansprüche an sich selbst stellt, auch kein Klacks. Grade wenn man nebenbei noch arbeiten geht, um das Ganze zu finanzieren. Denn die Studiengebühren sind nicht zu vernachlässigen. Ich habe damals mit 1.580 € für das erste Jahr angefangen. Mit jedem Jahr gab es allerdings eine Steigerung des Beitrags um jeweils ca. 75 €. So bin ich im 4. Jahr schließlich bei einer Studiengebühr von 1.800 € gelandet. Aktuell liegt das erste Jahr sogar bei 1.984 €.

Abgabe BA

Nach vier Jahren war es soweit: Abgabe der Bachelor-Arbeit!

Rückblickend auf das Studium kann ich auch zwei Jahre nach Abschluss sagen, dass es die richtige Entscheidung war und ich diese erneut treffen würde. Das Witzigste an der ganzen Sache: Habe ich zu Beginn alles daran gesetzt nicht dem Strom zu folgen und BWL zu studieren, bin ich doch zumindest in Holland beim Mainstream gelandet. Unter den deutschen Studenten ist die Fontys oft verhöhnt, weil es keinen NC gibt und im ersten Schritt erst einmal jeder genommen wird. Meine Klasse wurde aber beispielsweise nach einem Jahr aufgelöst, weil es grade mal 12 von 30 Studenten ins nächste Jahr geschafft haben. Der Rest wurde aufgrund schlechter Ergebnisse exmatrikuliert. Spätestens zu diesem Zeitpunkt trennte sich die Spreu vom Weizen und die Anforderungen (auch ohne NC) wurden deutlich „sichtbar“.

Ein wirklich positives Bild hat die Fontys hingegen bei den Unternehmen, da allgemein bekannt ist, dass in Holland ein hoher Praxisteil gängig ist. Genau das hat schließlich für mich gezählt, da mich keine Kommilitonen einstellen, sondern die Unternehmen selbst.

Letztlich sollte jeder für sich selbst abwägen, was man genau erreichen möchte und wie dieses Ziel bestmöglich erreicht wird. Für mich hat die Fontys so ziemlich alle Kriterien erfüllt, die mir wichtig waren: es war ein hoher Englischanteil gewährleistet, Inhalte waren international ausgerichtet, ich konnte erste Praxiserfahrungen sammeln und da ich aus Mönchengladbach komme, hat die Fontys einen perfekten Standort für mich. Denn wer kann schon behaupten, dass er täglich fürs Studium ins Ausland „reist“ und das innerhalb von 20 Minuten?

Ich werde wohl immer dabei bleiben: Fontys, ik hou van jou!

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