Von Tobias H.

Es gibt wohl zu kaum einem anderen Studiengang so viele Vorurteile und Mythen wie zum Jurastudium. „Das Jurastudium ist trocken, „Im Jurastudium werden doch nur Gesetzte auswendig gelernt“.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Mir persönlich hat es, neben dem ganzen Lernen und dem Stress, viel Spaß gemacht. Ich würde es immer wieder studieren. An dieser Stelle sollte aber auch nicht verschwiegen werden, dass viele meiner Mitstudenten das Studium abgebrochen haben. Die Gründe hierfür waren unterschiedlich. Dem einen hat es keinem Spaß gemacht, der andere hat die Klausuren nicht geschafft.

Grundsätzlich ist das Jurastudium an allen Universitäten gleich aufgebaut. Es ist aufgeteilt in Zivilrecht, Strafrecht und dem Öffentlichen Recht. Am Ende des Studiums wird das erste Juristische Staatsexamen geschrieben. Hierzu muss ein staatlicher Teil und ein universitärer Teil geschrieben werden. Der staatliche Teil besteht in NRW aus sechs Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Hier kann und wird alles das geprüft, was im Laufe des Studiums gelernt wurde oder was man mal besser gelernt hätte…
Um das erste Vorurteil direkt aus der Welt zu schaffen: auswendig gelernte Gesetze werden hier nicht abgefragt! Diese dürfen sogar mit in die Klausur genommen werden.

Besonders im Jurastudium ist nicht nur, dass man am Ende ein Staatsexamen schreibt, sondern auch das Benotungssystem. Anders als sonst, gibt es Punkte von 0-18. Dabei ist es schon ein sehr gutes Ergebnis, wenn die Punktezahl zweistellig ist. Ein Ergebnis von 18 Punkten im ersten Staatsexamen ist wohl eher eine theoretische Möglichkeit.

Ziel im Jurastudium ist es, einen Sachverhalt juristisch zu lösen. Das heißt, das Gesetz soll angewendet werden und somit ein Gutachten geschrieben werden. Darunter kann sich jetzt natürlich niemand so richtig etwas vorstellen. Daher hier ein paar Bespiele, die in einer Klausur geprüft werden könnten. Im Zivilrecht geht es anfangs meist um die Frage, ob ein Kaufvertrag geschlossen wurde. Dabei können sich natürlich unzählige Probleme ergeben. Was ist, wenn eine der Personen erst 11 Jahre ist? Was ist, wenn ich mich von einem Vertrag wieder lösen möchte? Was passiert, wenn eine Sache, die über ebay verkauft wurde, defekt ist?

Andere Probleme ergeben sich meist im Strafrecht. Man stelle sich vor, Person A denkt, er schießt auf ein Wildschwein. In Wirklichkeit hat er aber eine Person B getroffen. Hat Person A sich jetzt wegen Totschlag strafbar gemacht oder wegen fahrlässiger Tötung? Oder ist er sogar straflos, weil er dachte, es handelt sich um ein Wildschwein?

Ich hoffe, an diesen kleinen Beispielen ist bereits erkennbar, wie vielfältig das Jurastudium ist. Natürlich gibt es auch immer wieder Themen oder Vorlesungen, die einen nicht wirklich interessieren, doch war das bei mir meist die Ausnahme.

Häufig wurde ich auch schon gefragt, für wen das Jurastudium empfehlenswert ist. Diese Frage kann ich grundsätzlich nicht beantworten. Allgemein wird gesagt, dass ein gewisses logisches Denken gut wäre. Daher behaupten viele, dass es von Vorteil wäre, wenn man in Mathe gut wäre. Daneben sollte Freude an der Arbeit mit Texten vorhanden sein. Doch ich persönlich bin mir nicht ganz sicher, ob an diesen Kriterien festgemacht werden kann, ob einem das Jurastudium gefällt. Für mich war es ein ganz neues Arbeiten und Lernen. Es kann nicht mit Schule oder anderen Dingen verglichen werden.

Ein weiterer Vorteil am Jurastudium liegt noch an der enormen Auswahl im späteren Berufsleben. Neben den „klassischen“ Berufen Rechtsanwalt, Richter oder Staatsanwalt kann auch beim Auswärtigen Amt, einer JVA oder dem Zoll gearbeitet werden. Selbst in der Politik ist das Jurastudium von Vorteil. Es gibt unterm Strich kaum ein großes Unternehmen, welches ohne Juristen auskommt.

Ich hoffe doch, dass ich dem Einen oder Anderen einen kleinen Einblick in das Jurastudium geben konnte. Wer mit dem Gedanken spielt, dem kann ich empfehlen, sich einfach mal eine Vorlesung anzuhören. Hierbei sollte sich aber niemand davon abschrecken lassen, wenn die Ausführungen des Professors ein wenig verwirrend sind, denn das ist normal.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

fünfzehn + 14 =