Als es für mich damals auf das Abitur zuging, hatte ich, wie viele andere, den Drang, am liebsten ganz weit weg von dem langweiligen Alltag in meiner Heimat zu sein. Kennt ihr das? Manchmal gefällt einem sein Leben einfach so ganz und gar nicht. Man will am liebsten einfach raus. Wohin auch immer.

So habe ich mich über verschiedenste Möglichkeiten informiert. Nach und nach wurde mir bewusst: Will ich das überhaupt? Monatelang am anderen Ende der Welt, ganz ohne meine Liebsten? Ich war doch noch nie ein Typ dafür, lange von zu Hause weg zu sein.
Ich beobachtete nach und nach, wie sich viele meiner Freunde und Mitschüler aus dem Bauch heraus entschlossen: Ich gehe für ein Jahr nach Australien. Ich bin dann mal zehn Monate in den USA. Und ich dachte immer nur: Boah, das will ich auch!
Aber ich traute mich einfach nicht.

Kurzentschlossen informierte ich mich über einen Au-Pair-Aufenthalt. Am liebsten wollte ich irgendwo hin, wo es schön ist. Meer, Strand und Sonne. Doch natürlich ist bei so einer Entscheidung viel wichtiger, ob die Familie nett ist. Ich habe viel im Internet gelesen, habe sogar von jungen Leuten erfahren, dass man teilweise echt viel Geld im Monat dabei verdienen kann. Ich habe jedoch schnell bemerkt: Sucht man mit zu hohen Erwartungen, gelangt man nicht wirklich schnell an’s Ziel, doch bei mir sollte es schließlich schnell gehen!

Daraufhin habe ich mich auf aupairworld.com registriert. Ganz ohne Agentur eine Familie finden hörte sich interessant und reizvoll an und das war es auch! Ich registrierte mich als ein Au-Pair, auf der Suche nach einer Familie. Hilfe, auf einmal innerhalb von ein paar Stunden zehn Anfragen! Ich denke es lag daran: Welches Land würde für dich in Frage kommen? Ok, wählen wir mal alle aus, die am Meer liegen, in der Hoffnung es klappt. Ups – Nun hatte ich eine Menge Arbeit am Hals! Schnell beschloss ich, dass ich mich wenigstens auf zwei Sprachen, die ich sprechen wollte, beschränke: Englisch und Spanisch.

Anschließend erhielt ich immer mehr Anfragen, so dass ich lieber selber auf Familien-Suche gegangen bin. Das klappte deutlich besser und schnell fand ich eine Familie aus Menorca mit 2 Kindern, welche auch noch zufällig ganz spontan ein Au-Pair für fünf bis sechs Wochen benötigten, perfekt für mich!

Ich stand vor meiner Anreise sehr viel via Skype mit der Familie in Kontakt. Die Familie bestand aus Vater, Mutter, Emma (16) und Pau (12). Ich sollte mit den Kindern nur Engslich reden, jedoch mit dem Rest der Familie Spanisch.

Meine Güte war ich aufgeregt. Fünf Wochen ist zwar kein Vergleich zu einem Jahr, jedoch trotzdem eine lange Zeit. Koffer gepackt, von allen verabschiedet und los ging es: Am Flughafen wurde mir erst bewusst, was nun wirklich auf mich zukommt: Eine fremde Familie. Auf mich alleine gestellt mit Kindern an meiner Seite. Eine fremde Sprache noch dazu. Gar nicht so einfach wie gedacht.

Dort angekommen waren meine Ängste und Sorgen direkt vergessen. Das Leben als Au-Pair hätte ich mir niemals schöner vorstellen können!
Ich wurde super herzlich an dem kleinen Flughafen auf Menorca begrüßt. Zu Hause angekommen gab es sofort ein unglaublich leckeres Abendessen, extra für mich. Nun muss ich sagen, dass ich in einer Sache auch echt Glück hatte: Das Alter der Kinder. Mit einer 16-jährigen und einem 12-jährigen ist das Leben deutlich einfacher als mit Kleinkindern. Ich selbst war zu der Zeit 18 jahre alt, so dass der Altersunterschied nicht allzu groß war.
Somit bestand mein Alltag aus Strandbesuchen, lecker Essen, Siesta, quatschen, Englisch beibringen und vielen schöne Familienbesuche. Das, was mir am meisten an den Wochen gefallen hat, war das Vertrauen der Eltern. Einem fremden Menschen sein Kind anzuvertrauen, während man selbst nicht zu Hause ist, bedeutet schon viel. Vor allem, wenn diese Person noch nicht einmal die Landessprache gut spricht und sich zudem nicht auf der Insel auskennt. Mir haben die Eltern jedoch so viel Vertrauen entgegen gebracht, dass ich sogar einen eigenen Haustürschlüssel besaß. Abends war ich viel mit der 16-jährigen Tochter unterwegs und hatte allgemein meine Freiheiten. Am Wochenende war dann Familienzeit. In Spanien ist es wohl normal, dass man zumindest am Wochenende tagsüber mit der Familie beisammen ist, was ich persönlich sehr schön fand. Mal wurde der Strand besucht, mal wurde für 20 Leute gekocht und an einer kleinen Privatvilla mitten in der Natur gegessen. Und das verrückteste ist: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich gerade etwas falsches mache. Ich war so willkommen dort. Ich lernte schnell eine neue Kultur, mein Spanisch und mein Englisch wurden ebenfalls viel besser.

Ein guter Tipp für alle, die sich überlegen, genau so eine Erfahrung zu machen: Die Spanier sind so ein unglaublich herzliches und familienfreundliches Volk! Ich habe mich sofort pudelwohl und akzeptiert gefühlt. Selbst die Omas haben hinterher ein Tränchen verdrückt, als ich mich verabschieden musste. So sehr wurde ich dort in der doch so kurzen Zeit in das Herz geschlossen. Ich würde jedem empfehlen, sich eine spanische Familie auszusuchen!

Ich habe sogar noch viel Kontakt zu den beiden Kindern und werde die Familie bald noch einmal besuchen fliegen. Die Insel ist übrigens auch als Urlaubsort total zu empfehlen. Ich habe selten so tolle Buchten und süße kleine Städte gesehen wie dort!

 

 

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