Von Melanie G.

Für die meisten Menschen sind die leeren Holzkisten, in der während der Vorweihnachtszeit Mandarinen verkauft werden, nur eine weitere nutzlose Verpackung. Sie sehen zwar nett aus und sind praktisch, um die süßen Früchte nach Hause tragen zu können, doch sobald die Mandarinen in den Magen gewandert sind, wandern die Kisten in die Mülltonne. Damit ergeht es ihnen wie tausend anderen Verpackungen, Gläsern, Kleidungsstücken oder Möbeln, die jeden Tag auf unseren Deponien landen. Dabei bestehen diese Dinge aus wertvollen Materialien: Holz, Glas, Plastik und Stoff wird zwar billig hergestellt, ist aber nicht unbegrenzt auf der Erde vorhanden.

Um dieser Ressourcenverschwendung entgegen zu wirken, entstand der Trend des Upcyclings, bei dem alte und ungenutzte Dinge bearbeitet werden, um ihnen einen neuen Nutzen zu geben. Der Begriff vereint die englischen Worte „Up“ für „auf“ und „recyclen“ also „wiederverwerten“.

Nimmt man zum Beispiel unsere Mandarinenverpackung: Wenn man die Kanten etwas abschleift und sie bunt lackiert, hat man eine individuell gestaltete Kiste in seinen Lieblingsfarben. Diese kann man dann einfach auf den Schreibtisch stellen oder als Regal an die Wand nageln. Gerade in kleinen Wohnungen lassen sich so Handtücher und anderen Utensilien platzsparend aufbewahren – mit Dingen, die man sonst weggeworfen hätte.

Auch alte und kaputte Kleidung bekommt beim Upcycling eine zweite Chance. Die zu kurz gewordene Jeans wird zum stylischen Rock und mit etwas Geschick entsteht aus den Stoffresten sogar noch die dazu passende Handtasche. Verziert mit ein paar Nieten oder Glitzersteinen entstehen schnell Unikate, für die man in manchen Designerläden ein kleines Vermögen ausgeben würde.

Der Trend zum Wiederverwerten geht mittlerweile so weit, dass ganze Wohnungen mit einstigem Müll eingerichtet werden: Tische, Stühle und Sessel aus Holzpaletten, Regale aus Weinkisten und Blumentöpfe aus alten Verpackungen. Was einst mit einer einsamen Rose in einer leeren Weinflasche begann, wird heute immer aufwändiger und bekannter.

Vielleicht treibt einige Upcycler auch das schlechte Gewissen: Zur Weiterverwertung des Aluminiums, das zur Kaffeezubereitung in Kapselmaschinen verschwendet wird, wurden bereits unzählige Anleitungen veröffentlicht. Doch täuschen die dadurch entstehenden Schmuckstücke leider trotzdem nicht darüber hinweg, dass es sich bei dieser Art der Kaffeezubereitung um eine der größten Umwelt-und Müllsünden unserer Zeit handelt.

So oder so, Upcycling wird sich in den nächsten Jahren noch stärker verbreiten, da natürliche Ressourcen knapper werden. Außerdem macht es auch großen Spaß, sich so kreativ zu betätigen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, erlaubt ist alles was gefällt. Anregungen und Bastelanleitungen findet man im Internet. Und am Ende hat man nicht nur etwas zur Müllvermeidung getan, sondern auch noch ein individuelles Möbelstück, das es so kein zweites Mal gibt.

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