Faszination 00er-Jahre

Ich komme von den modernen Klassikern einfach nicht los. Da ich kein 90er-Kind, sondern eigentlich ein Kind der 00er-Jahre bin, fällt es mir schwer, dieses wunderbare Jahrzehnt zu ignorieren.

Die Band Animal Collective  wurde vor 17 Jahren gegründet und besteht aus den Künstlern Panda Bear (Noah Lennox), Geologist (Brian Weitz) und Deakin (Josh Dibb). Diese drei wunderbaren Musiker sind heutzutage eine der bekanntesten auf dem Gebiet des Genres Psychedelic Pop.

Psychedelisch – das passt auf den ersten Blick auch zum Cover des 2009 erschienenen Albums „Merriweather Post Pavilion“. Huch, das bewegt sich ja! Genau, es ist Musik, um sich darin zu verlieren. Oder um psychedelische Substanzen einzunehmen, um den Effekt zu verstärken? Das wäre ja sowas von 60er, überhaupt nicht modern und nicht fortschrittlich. Und bei Animal Collective ist genau das Gegenteil der Fall: Avantgarde. Man benutzt leicht verzerrte, hallende Stimmen, Synthesizer und eine Prise „anders“. Und dieses „anders“, das ist keine Krampfhaftigkeit, sondern geht locker von der Hand. Benannt wurde es nach der berühmten Event-Location im US-Bundesstaat Maryland.

Die Tracks des Albums

Der erste Track, „In The Flowers“, beginnt leise, der Hörer schwebt förmlich durch die Musik, und als dann der Satz „If I could just leave my body for the night“ ertönt, da wird man von den Drums geweckt. Es geht perfekt in einen Beat über, der förmlich auf den Boden stampft. Dann endet es so, wie es begonnen hat. Ist das gerade wirklich passiert? Ein perfekter Opener, um eine Kostprobe für die nachfolgenden Lieder zu geben.

Im Pop ist das Thema Liebe häufig oberflächlich, sexistisch oder einfach nur strunzblöd. Da gefällt es mir besonders, dass in My Girls“ die beiden wichtigsten Mädchen in Panda Bears Leben besungen werden: Seine Frau und seine Tochter. “But with a little girl, and by my spouse / I only want a proper house“ singt er, und man wünscht sich, dass der Pop doch bitte öfter genau so sein kann: Etwas weniger Plastik würde dem Genre sicherlich gut tun. Menschlichkeit, ja genau das können diese Musiker, die sich ironischerweise Animal Collective nennen. Oder ist es aufgrund der psychedelischen Effekte, die den Hörer wieder zum Tier werden lassen, das Tier in uns, die Illusion, zum Tier zu werden? Träume oder Drogen? Das war natürlich nur ein Spaß, es geht hier doch um die Musik, und nicht um das kaputt analysieren.

„Summertime Clothes“ ist mein persönlicher Favorit. Es beginnt mit dem Geräusch von Leuten, die hörbar erfreut ins Wasser springen. Dieses Lied erinnert mich an meinen Urlaub in Portugal, denn wie Panda Bear es mit einer (aufgrund der beschriebenen Hitze) fast schon geschmolzenen Stimme besingt: „My bed is a pool and the wall is on fire“. Dass Panda Bear in Portugal wohnt, ist außerdem ein netter Zufall. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass es Sommer ist, es wird hier perfekt beschrieben. Der Sommer ist eine Zeit, die unendlich ist. Was gibt es schöneres, als diese Zeit dann auch noch mit einer geliebten Person zu verbringen?

Das Album fließt nur so dahin, alles wirkt wie aus einem Guss, es klingt exotisch („Bluish“, „Lion In A Coma“) und obwohl das Album an einem Stück der Rolle als moderner Klassiker gerecht wird, gibt es doch die Highlights, die man besonders gerne hört. Ich empfehle trotzdem, dieses Album komplett zu hören.

Das große Finale des Albums ist „Brother Sport“. Der Anfang ist scheinbar ein einziger großer Loop, als würde die Platte einen Fehler haben. Doch es geht weiter, ein Lied zum Tanzen, zum glücklich sein, aber dennoch etwas wirr: In einer Bridge klingt es wie ein mechanisches Schreien, der große Moment baut sich auf, verzögert sich etwas, und geht dann genauso zyklisch weiter, wie es angefangen hat: Eine heitere, energiegeladene Endlosschleife „You’re halfway to fully grown / You’ve got a real good shot“. Es handelt davon, dass Noah Lennox seinen jüngeren Bruder unterstützt. Ein echter Familienmensch.

Ein Fazit zum Album

Man könnte der Band jetzt vorwerfen, möglichst „anders“ sein zu wollen, aber so einfach ist das nicht: Man muss sich daran gewöhnen, sich mehrere Male durch das Album hören. Irgendwann hat man auch diese herrlich schräge Band verstanden, die nicht anders sein möchte, sondern es einfach ist. Das ist auch gut so, und nun höre ich dieses Album noch einmal komplett. Wie gestern, oder vor 2 Wochen oder vor einem Jahr. Ein solches Album gibt es wirklich nur ein Mal.

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