Grimes ist die Künstlerin, bei der sich Außergewöhnlichkeit und normaler 0815-Pop aus dem Radio die Hand geben. Ihr vor einigen Monaten erschienenes Album Art Angels hat mich umgehauen.

Ist es ganz normaler Pop oder doch hippe Musik? Ginge es nach dem Cover des Albums, wäre es sicher letzteres: Der blutige Kopf eines Fabelwesens, abgebildet auf dem Cover eines Comic-Magazins.

Wie schreibt man eine Rezension über ein Album, das so klingt, als hätte man alles irgendwie schon gehört – und zwar im Radio? Was unterscheidet die kanadische Sängerin von dem ganzen anderen Plastik-Pop aus den Mainstream-Medien?

Es beginnt mit dem Track „laughing and not being normal“, alles kleingeschrieben. Die Streicher klingen so, als sei es der Vorspann zu einem Disney-Zeichentrickfilm. Dann fängt Grimes, bürgerlich Claire Boucher (28) mit ihrer sanften und teils auch sehr hohen Stimme an, zu singen. Alles ganz normal, oder? Der Track California ist genau das: Radiotauglich, mit viel Plastik und Kaugummi und einem schönen Beat. Wunderbar normal. Doch dann entpuppt sich das vermeintliche 0815 als durchaus außergewöhnlich. Auf „SCREAM“ – wirklich alles großgeschrieben – singt bzw. nuschelt Grimes, dass man sie nicht mehr versteht. Rockige Gitarren und merkwürdige Geräusche, Kreischen… . Doch Grimes gelingt es hier zusammen mit Gastsängerin Aristophanes, im  Ohr zu bleiben. Man hat darauf verzichtet, ohne Ende Effekte „draufzuklatschen“,  nur um außergewöhnlich klingen zu wollen.

Lieder wie Flesh Without Blood, Kill V. Maim oder Belly Of The Beat und „ist großartige Popmusik, die nicht wirklich innovativ ist, aber doch ins Ohr geht und vermutlich aus dem Einheitsbrei der radiotauglichen Lieder etwas hervorstechen kann. In anderen Momenten ist Grimes dann ein ganzes Stück braver, etwas Klavier und harmloser Gesang, fast schon wie bei Lorde…bis der Beat sich dann in ein wahnsinniges Brett mit Trap-Anleihen verwandelt. Wie bei Lorde… .

Die Kanadierin kann über so gut wie jeden Beat singen, sei es ruhig, poplastig oder völlig abgedreht. Im Verlauf des Albums zeigt sich dann, dass man es nicht unbedingt für die Stimme der Sängerin hören muss – es sind die Beats, die mehr entzücken als Grimes‘ hohe Stimme, die manchmal doch so hoch ist, dass es fast schon bearbeitet erscheint (siehe „World Princess part II“). Und einen Künstler alleine für die Beats zu hören, ist keine Schande. Weshalb sollte man sonst Künstler wie Kanye West hören? 😉

Fazit: Art Angels ist Musik für alle: Mainstream-Liebhaber, Fans von tanzbarer Musik sowie fetten Beats, die in Mark und Bein gehen. Hört es euch an, man muss kein Fan von alternativer Musik sein, um es zu lieben, denn so alternativ ist Grimes gar nicht. Eigentlich…ganz normal.

 

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